Der neue Hauptstadtflughafen hat viele Manager kommen und gehen sehen. Fertig wurde er trotzdem lange nicht. Nun startet der BER. Und die früheren Chefs haben dazu noch etwas zu sagen.

Trotz aller Schwierigkeiten sieht der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn eine gute Zukunft für den BER. «Er ist ein schöner und funktioneller moderner Flughafen», sagte Mehdorn der Deutschen Presse-Agentur. «Seine Rolle als Wirtschaftsmotor der Region Berlin/Brandenburg wird sich nach kurzem Anlauf von selbst einstellen.»

Der frühere Bahnchef Mehdorn versuchte bis 2015 als Geschäftsführer zwei Jahre lang, den BER fit für eine Inbetriebnahme zu machen. Doch erst an diesem Samstag soll der Flughafen ans Netz gehen, mit neun Jahren Verspätung. «Ich glaubte, es wäre schneller möglich gewesen», erinnerte sich Mehdorn.

In den vergangenen Jahren sind sechs Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt. Planungsfehler, Baumängel, technische Probleme und Personalwechsel warfen das Projekt immer wieder zurück.

«Das war insgesamt keine Meisterleistung von allen Beteiligten», sagte Mehdorn. Er hatte noch mit einer Eröffnung 2017 geplant. Dieses Ziel musste sein Nachfolger, Karsten Mühlenfeld, kassieren.

Mühlenfeld sagte: «Ich hoffe, dass der Flughafen auch unter hoher Auslastung so gut wie Tegel funktioniert, um die Investitionen wieder hereinzuholen.» Er wünsche dem Projekt, dass nicht noch nachträglich Baumängel auftauchen.

Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, drei Mal so viel wie geplant. «Der BER wurde von Beginn an zu klein konzipiert», erklärte Mehdorn die Ursache der vielen Probleme. «Berlin und Brandenburg, nach der Wende, waren arm und hatten sehr viele andere Prioritäten. Sie mussten und wollten sparen.»

Deshalb hätten sie keinen Generalunternehmer engagiert, seien aber selbst auch nicht in der Lage gewesen, ein Großprojekt wirksam zu steuern und zu kontrollieren. Verheerend seien die ständigen Planänderungen gewesen. «Wer ein Einfamilienhaus plant und es heimlich in ein Dreifamilienhaus ändert, darf sich am Ende nicht über Zeit- und Terminüberschreitungen wundern.»

Hinzu komme das komplexe Baurecht, das alle Großprojekte erschwere. Termin- und Kostenprobleme hatten und haben auch andere Vorhaben wie etwa das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Elbphilharmonie in Hamburg. Eine Kommission im Bundesverkehrsministerium hatte deshalb bis 2015 viele Vorschläge gemacht, damit es bei künftigen Vorhaben besser läuft. «In diesem Bericht ist alles zum Thema Bau gesagt, aber leider ist er folgenlos geblieben», kritisierte Mehdorn.

Problematisch am BER sei auch die Struktur mit drei Eigentümern gewesen. Berlin, Brandenburg und der Bund hätten über die Jahre unterschiedliche Interessen, Behörden und Parteienkonstellationen gehabt. «Viele Köche verderben den Brei», bilanzierte Mehdorn. Er war 2015 nach Konflikten mit dem Aufsichtsrat zurückgetreten.

Auch Mühlenfeld kritisierte, dass die Verantwortlichen die Pläne für den Flughafen zu häufig geändert haben, ohne auf bautechnische Themen zu achten. Er verwies darauf, dass ins Terminal noch nach Baubeginn 2006 ein zusätzliches Geschoss eingezogen wurde, sowie Seitenflügel und Gates für das Riesenflugzeug A380 angedockt.

«Ein havariertes Projekt auf Kurs zu bringen, ist immer schwer», sagte Mühlenfeld, der heute für die Fluggesellschaft Ryanair arbeitet. Die Neuorganisation der Baustelle nach seinem Weggang 2017 habe das Projekt ein weiteres Jahr gekostet. Mühlenfeld selbst hatte die Neuaufstellung angestrebt, verlor darüber aber das Vertrauen des Aufsichtsrats. Nachfolger wurde der heutige Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Rainer Schwarz, von 2006 bis 2013 Flughafenchef, teilte mit, er freue sich, dass der Flughafen nach so langer Zeit nun endlich den Betrieb aufnehme. Näher wollte er sich auf Anfrage aber nicht äußern.

dpa bf yybb n1 red