Seit März darf Boeings einstiger Verkaufsschlager 737 Max nicht mehr abheben. Die Maschine wurde zum Ladenhüter. Doch nun gibt es Hoffnung für den US-Konzern.

Die Luftfahrtmesse in Dubai hat für die zwei weltgrößten Flugzeughersteller höchst unterschiedlich begonnen. Während der europäische Flugzeugbauer Airbus bei zwei arabischen Airlines Großbestellungen über insgesamt 170 Mittel- und Langstreckenjets einsammelte, erhielt Boeing einen Vertrauensbeweis für sein Krisenmodell 737 Max. Der Lufthansa-Ableger Sunexpress orderte am Montag zehn Maschinen der Modellreihe, für die seit März ein weltweites Flugverbot gilt.

«Wir haben volles Vertrauen, dass Boeing uns ein sicheres, verlässliches und effizientes Flugzeug liefert», sagte Sunexpress-Chef Jens Bischof. Das Management stehe zu seiner Entscheidung, die Boeing 737 Max in die Flotte aufzunehmen. Natürlich müssten zuvor alle zuständigen Aufsichtsbehörden dem Flugzeugtyp unzweifelhaft seine Flugtüchtigkeit bescheinigen.

Sunexpress gehört je zur Hälfte der Lufthansa und der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines. Das Unternehmen hatte bereits 32 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt und wandelte für den neuen Auftrag zehn Optionen aus dem bestehenden Deal um. Die zehn Maschinen haben laut Preisliste einen Gesamtwert von 1,2 Milliarden US-Dollar (1,08 Mrd Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen hohe Rabatte üblich – gerade bei wenig gefragten Modellen.

Eigentlich sollte Sunexpress ihre ersten «Max»-Jets schon 2019 erhalten. Doch nach dem Absturz zweier Maschinen der Reihe bei Lion Air und Ethiopian Airlines mit insgesamt 346 Toten verhängten Behörden in aller Welt ein Flugverbot für den Typ. Auch die Auslieferung neuer Maschinen ist gestoppt. In Deutschland wartet der Ferienflieger Tuifly darauf, dass Boeing die Maschinen endlich ausliefern darf. Im Sommer mussten beide Airlines für viel Geld Ersatzflugzeuge samt Besatzungen von anderen Gesellschaften mieten.

Boeing hat versprochen, die Probleme mit der Steuerungsautomatik MCAS, die als entscheidende Unfallursache gilt, per Software-Update zu beheben. Doch inzwischen traten weitere Probleme auf. Die Boeing-Führung hofft, dass sie die Auslieferung der Jets im Dezember wieder aufnehmen darf. Behörden halten sich dazu aber bislang bedeckt.

Der US-Konzern steckt durch das Startverbot für seinen meistgefragten Flugzeugtyp in einer schweren Krise. Der Schaden geht schon jetzt in die Milliarden. Bestellungen für das Modell blieben seit März Mangelware. Zwar kündigte die British-Airways-Mutter IAG im Juni einen Großauftrag über 200 Maschinen an, hat diesen aber bisher nicht festgezurrt.

Großaufträge gab es in Dubai indes für den Hersteller Airbus, der den Boeing-Konzern 2019 voraussichtlich als weltgrößten Flugzeughersteller überholt. So unterzeichnete der arabische Billigflieger Air Arabia eine Bestellung über 120 Jets der A320neo-Reihe, darunter 20 Exemplare der neuen Langstreckenversion A321XLR. Nach Listenpreisen hat der Auftrag einen Gesamtwert von etwa 14 Milliarden US-Dollar.

Liefern kann Airbus die neuen Maschinen erst 2024. Denn die Produktion ist auf Jahre hinweg ausgebucht. Zudem warf die Umstellung auf eine neue Kabineneinrichtung den Hersteller in der Produktion zurück. Airbus-Chef Guillaume Faury musste seine Produktionspläne drosseln und rechnet in diesem Jahr nur noch mit der Auslieferung von 860 Verkehrsflugzeugen, 20 bis 30 weniger als zuvor angepeilt. Faury zufolge kommt Airbus zwar damit voran, den Produktionsrückstand aufzuholen. Allerdings sei man wohl erst 2021 wieder im Zeitplan.

Derweil orderte die arabische Fluglinie Emirates 50 Airbus-Großraumjets vom Typ A350 mit einem Listenpreiswert von insgesamt 16 Milliarden Dollar. Das sind zwar 20 Exemplare mehr als im Februar angekündigt, doch Emirates hatte damals auch einen Vorvertrag über 40 Maschinen vom etwas kleineren Typ A330neo unterzeichnet. Ob dieser Deal zustande kommt, blieb am Montag offen. Emirates spricht nach eigenen Angaben noch mit Airbus darüber. Gleiches gelte für die mögliche Bestellung von Boeings Langstreckenjets vom Typ 787 «Dreamliner».

Die Emirates-Führung hatte den Vorvertrag mit Airbus im Februar unterschrieben, als sie einen Großauftrag für den weltgrößten Passagierjet A380 stornierte. Airbus entschied sich in diesem Zuge, den Bau der A380 mangels weiterer Bestellungen im Jahr 2021 einzustellen. Emirates ist die größte Betreiberin des Modells und hat mehr als 100 Exemplare des doppelstöckigen Flugzeugs in der Flotte.

dpa stw/he yyfx z2 a3 bvi