Safaris, Sightseeing, Strandspaziergänge: So stellt man sich eine Reise nach Südafrika vor. Doch wegen der Omikron-Variante und neuer Regeln für Reisende wird der Urlaub am Kap und die Rückreise für viele Deutsche dort zum Albtraum.

Den langersehnten Urlaub in Südafrika hatten sich Toralf Brecht und seine Frau Dorit Carvaack anders vorgestellt. Das aus Wismar stammende Paar war nach Kapstadt gereist, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Vor gut zehn Jahren waren sie in der Touristenmetropole am Südzipfel Afrikas getraut worden. Es sollte eine ganz besondere Reise werden für die beiden, die wegen der Pandemie zwei Jahre nicht im Urlaub waren. Aber die neue Corona-Variante Omikron (B.1.1.529), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Freitagabend als «besorgniserregend» eingestuft wurde, machte den beiden einen Strich durch die Rechnung. 

Da Omikron zuerst im südlichen Afrika nachgewiesen wurde, wird ab Sonntag die Einreise nach Deutschland aus insgesamt acht Ländern der Region drastisch eingeschränkt. Südafrika ist eines der Länder, das von der Bundesregierung ab dann als Virusvariantengebiet eingestuft wird. Fluggesellschaften dürfen damit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von Südafrika nach Deutschland befördern. Andere Länder haben ähnliche Beschränkungen verhängt, viele Flüge wurden schlagartig gestrichen. 

So auch der Flug des Paares aus Wismar. Seitdem ihr Rückflug mit Turkish Airlines in der Nacht zum Samstag storniert wurde, haben Brecht und Carvaack (52) kein Auge zugemacht. Sie sind unermüdlich am Telefon: mit Fluggesellschaften, der deutschen Botschaft, dem Reiseanbieter. «Niemand hat Informationen», sagt Brecht (54) am Samstag. Seit 7.00 Uhr (Ortszeit) morgens stehen sie am Lufthansa-Schalter am Flughafen in Kapstadt, in der Hoffnung, ein Ticket für einen Flug nach Deutschland zu ergattern. 

Nach Angaben der deutschen Lufthansa soll es vorerst weiter Flugverbindungen nach Südafrika geben. «Der Flugplan wird aufrecht erhalten, die Flüge finden statt», so ein Sprecher am Samstag auf Anfrage. Natürlich würden dabei die geltenden Auflagen eingehalten. «Wir versuchen zu helfen und vor allem sicherzustellen, dass die Lufthansa weiterfliegen kann, damit Deutsche nach Hause fliegen können», sagt der deutsche Botschafter, Andreas Peschke, der Deutschen Presse-Agentur.

Mit jeder Stunde wächst in Kapstadt am Samstag die Schlange der Wartenden am Schalter der Airline. Bis mittags haben sich bereits Dutzende deutsche Reisende angestellt. Um 13.00 Uhr ist der Schalter noch immer geschlossen. «Uns wurde gesagt, das Personal wird um 10.30 Uhr kommen, aber hier ist niemand», sagt Carvaack frustriert. Die Wartenden haben aus Verzweiflung eine WhatsApp-Gruppe gebildet, womit sie sich gegenseitig auf dem Laufenden halten wollen.

«Wir sind sauer auf die deutsche Regierung. Die haben Hals über Kopf eine Entscheidung getroffen, ohne an die deutschen Bürger im Ausland zu denken», beschwert sich Carvaack. Man warte auf Informationen von der Bundesregierung, wie es nun weiter gehen solle. «Ich hab die Fresse voll», sagt Brecht mit Blick auf die Corona-Politik der Bundesregierung. 

Viele der deutschen Reisenden am Flughafen fühlen sich durch die Entscheidung der Bundesregierung bestraft. Schließlich seien die Corona-Fallzahlen in Südafrika sehr viel niedriger als derzeit in Deutschland, sagen sie. Tatsächlich wurden am Samstag 3220 neue Infektionen in dem rund 60-Millionen-Einwohner-Land gemeldet. Der Anteil der positiven Ergebnisse an den 34 880 vorgenommenen Tests betrug nach Angaben der Behörde für Infektionskrankheiten 9,2 Prozent. In Deutschland lag die Zahl der Neuinfektionen an dem Tag bei 67 125. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte in beiden Ländern deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Erste Fälle der Omikron-Variante sind mittlerweile auch in Deutschland nachgewiesen worden – bei Reise-Rückkehrern aus Südafrika.

«Es ist eine Katastrophe», sagt die 33-jährige Franziska Krüger aus Berlin. Sie wollte sich einen Traum erfüllen: einmal auf Safari gehen. Stattdessen sitzt Krüger nun verzweifelt vor dem unbesetzten Lufthansa-Schalter. Entweder seien die Flüge gestrichen, oder voll. «Wir haben Panik, dass wir gar nicht mehr hier rauskommen.»

dpa kpa nak xx a3 thn