Paris/Düsseldorf (dpa) – Eine Woche nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter. Zur Krankengeschichte des Copiloten gibt es inzwischen erste offizielle Informationen. Aber es bleiben noch immer viele Fragen. Was ist über das Unglück bekannt? – Beim Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen starben am vergangenen […]

Paris/Düsseldorf (dpa) – Eine Woche nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter. Zur Krankengeschichte des Copiloten gibt es inzwischen erste offizielle Informationen. Aber es bleiben noch immer viele Fragen.

Was ist über das Unglück bekannt?

– Beim Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen starben am vergangenen Dienstag alle 150 Menschen an Bord, darunter 75 Deutsche. Nach bisherigen Erkenntnissen brachte der Copilot die Maschine, die auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf war, mutwillig zum Absturz. Auf einen Terrorakt deutet derzeit nichts hin.

– Das Flugzeug war ohne Notsignal plötzlich in den Sinkflug gegangen und bei Seyne-les-Alpes an einem Bergmassiv zerschellt. Aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders ergibt sich, dass der Pilot zu diesem Zeitpunkt aus dem Cockpit ausgesperrt war. Der Copilot war bis zuletzt am Leben – auf der Aufnahme ist den Ermittlern zufolge schweres Atmen zu hören.

– Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat der Copilot, der 27-jährige Andreas Lubitz aus Montabaur, eine Erkrankung verheimlicht. Bei ihm zu Hause wurden zerrissene Krankschreibungen gefunden – auch für den Tag der Katastrophe. Lufthansa machte zudem öffentlich, dass es in der Pilotenausbildung des Mannes eine mehrmonatige Unterbrechung gab. Am Montag gab die Ermittlungsbehörde bekannt, dass Lubitz vor Jahren als suizidgefährdet eingestuft und in Psychotherapie war.

– Die Angehörigen der Opfer können mit finanzieller Soforthilfe bis zu 50 000 Euro rechnen, um unmittelbar anfallende Ausgaben zu decken.

Was wissen wir noch nicht?

– Nach wie vor stellt sich die Frage nach den Motiven des Mannes. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurden bislang nicht gefunden. Ärzte hatten ihm in jüngster Zeit weder Selbst- noch Fremdgefährdung attestiert. War er dennoch suizidgefährdet? Handelte es sich um eine Verzweiflungstat? Und wenn ja, gab es dafür einen aktuellen Auslöser? Die Ermittler haben bisher keine Hinweise auf «besondere Umstände» im Privaten oder am Arbeitsplatz. Und hatte er die Tat geplant, oder war es eine Art Kurzschlusshandlung? Konnte er davon ausgehen, dass sein Kollege das Cockpit verlassen würde?

– Warum genau war Lubitz krankgeschrieben? Welche Beschwerden hatte er und seit wann? Nahm er deshalb Medikamente? Und gefährdete die Krankheit womöglich seine Karriere als Pilot? Für Berichte, wonach er auch Sehstörungen gehabt haben soll, gibt es bisher keine Bestätigung. Können Untersuchungen des Leichnams – sollte er identifiziert werden – weitere Erkenntnisse bringen?

– Gab es Anzeichen, die Familie, Freunde, Arbeitgeber oder Kollegen hätten bemerken können – oder sogar müssen? Wurden bei der Entscheidung über die Flugtauglichkeit möglicherweise Fehler gemacht?

– Der Flugdatenschreiber ist noch nicht gefunden. Die Ermittler erhoffen sich von ihm weiteren Aufschluss darüber, was genau an Bord geschah. Warum konnte der Pilot nicht mehr zurück ins Cockpit – wurde ihm tatsächlich der Notzugang bewusst von innen verwehrt? Und: Hat der Stimmenrekorder noch andere Dinge im Cockpit aufgezeichnet, die bisher nicht offiziell bekanntgemacht wurden?

– Wie passt es ins Bild der bisherigen Erkenntnisse, dass französische Ermittler weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine untersuchen?