Neue Erkenntnisse zum Drohnen-Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle: Eine mit Semtex beladene Drohne blieb offenbar stundenlang unentdeckt neben einer Antonow An-124. Ermittlungen laufen.

Am Flughafen Leipzig/Halle verdichten sich die Erkenntnisse zu dem mutmaßlich schwerwiegenden Sicherheitsvorfall mit einer sprengstoffbeladenen Drohne. Nach übereinstimmenden Medienberichten hielt sich das unbemannte Fluggerät offenbar über mehrere Stunden auf dem Flughafengelände auf, bevor es entdeckt wurde. Besonders brisant: Die Drohne befand sich demnach in unmittelbarer Nähe zu einer betankten Frachtmaschine des Typs Antonow An-124.

Die zuständigen Ermittlungsbehörden untersuchen weiterhin, wie das Fluggerät unbemerkt in den Sicherheitsbereich gelangen konnte und welchem Zweck der Einsatz diente.

Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig offenbar stundenlang unentdeckt

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung erfassten Überwachungskameras die Drohne bereits gegen 19:30 Uhr auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. Entdeckt wurde sie jedoch erst mehrere Stunden später, gegen 23:42 Uhr, durch einen Mitarbeiter im Bereich der Stellfläche 213.

Dort schwebte die Drohne nach Angaben mehrerer Medien unmittelbar neben einer Antonow An-124 der ukrainischen Frachtfluggesellschaft Antonov Airlines. Laut einem Bericht des „Spiegel“ gelang es dem Flughafenmitarbeiter, das Fluggerät mit einem Tritt außer Gefecht zu setzen, bevor weitere Maßnahmen eingeleitet wurden.

Warum die Drohne über einen so langen Zeitraum unbemerkt blieb, ist inzwischen ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Sprengstoffdrohne mit Semtex und SIM-Karten ausgerüstet

Nach der Sicherstellung untersuchten Spezialisten das Fluggerät. Dabei fanden Ermittler übereinstimmenden Berichten zufolge eine angebrachte Dose mit dem Kunststoffsprengstoff Semtex. Zudem sollen mehrere SIM-Karten sichergestellt worden sein. Diese könnten Hinweise darauf liefern, dass die Drohne über das Mobilfunknetz ferngesteuert oder überwacht wurde.

Die genaue Funktionsweise sowie mögliche Hintergründe des Vorfalls wurden von den Behörden bislang nicht offiziell bestätigt. Auch zur Herkunft der Drohne oder möglichen Tatverdächtigen liegen derzeit keine gesicherten Informationen vor.

Antonow An-124 möglicherweise beschädigt

Im Zuge der Spurensicherung wurden laut „Spiegel“ außerdem Teile der Drohne auf einer Tragfläche der Antonow An-124 entdeckt. Dies könnte darauf hindeuten, dass das unbemannte Fluggerät mit dem Frachtflugzeug kollidiert ist. Ob dabei Schäden an der Maschine entstanden sind, ist bislang nicht bekannt.

Besondere Brisanz erhält der Vorfall durch den Umstand, dass die An-124 nach Medienberichten bereits für einen bevorstehenden Flug betankt gewesen sein soll. Ob zu irgendeinem Zeitpunkt eine konkrete Gefährdung für Personen oder die Infrastruktur des Flughafens bestand, müssen die laufenden Ermittlungen klären.