Lufthansa: 15 Jahre im Dienst der Wissenschaft
Seit 15 Jahren sammelt ein Lufthansa-Airbus im Liniendienst Daten für die Klimaforschung. Wie das IAGOS-Programm funktioniert und warum es für die Wissenschaft so wertvoll ist.
Ein ganz normaler Linienflug, der seit anderthalb Jahrzehnten Außergewöhnliches leistet: Der Lufthansa Airbus A340-300 mit dem Taufnamen „Viersen“ und dem Kennzeichen D-AIGT fliegt an diesem 8. Juli erneut von New York nach Frankfurt – wie schon Tausende Male zuvor. Was diesen Flug besonders macht, ist unsichtbar für die Passagiere an Bord: Unter dem Cockpit sitzt ein Messsystem, das seit genau 15 Jahren im Auftrag der Klimaforschung Daten aus der oberen Atmosphäre sammelt.
Lufthansa: Klimaforschung mit Tradition seit den 1990ern
Der erste Messflug des Systems fand am 8. Juli 2011 statt, damals auf der Strecke Frankfurt–Lagos. Lufthansa war seinerzeit die erste Fluggesellschaft weltweit, die gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich ein Langzeit-Messprogramm für die Erdatmosphäre in den Linienbetrieb integrierte. Die Basis dafür bildet das Forschungsprogramm IAGOS (In-service Aircraft for a Global Observing System), das an ein noch älteres Projekt anknüpft: MOZAIC lief bereits von 1994 bis 2014 auf zwei A340-Maschinen der Lufthansa. Insgesamt reicht das Engagement des Konzerns für die Atmosphärenforschung damit über 30 Jahre zurück – eine der am längsten laufenden zivilen Kooperationen zwischen Luftfahrt und Wissenschaft.
Wie die Messtechnik im Flugbetrieb funktioniert
Technisch basiert das System auf zwei kleinen Sonden am Rumpf des Flugzeugs, über die während des Reisefluges Außenluft angesaugt und analysiert wird. Interessant ist dabei vor allem die Flughöhe: Zwischen neun und 13 Kilometern bewegen sich Verkehrsflugzeuge genau in jener Schicht der Atmosphäre, in der Prozesse ablaufen, die den Strahlungshaushalt der Erde und damit das globale Klima maßgeblich beeinflussen. Satelliten oder klassische Forschungsflugzeuge könnten diese Region nicht annähernd mit derselben Flugdichte und Regelmäßigkeit abdecken wie Linienmaschinen, die ohnehin täglich unterwegs sind.
Neben der routinemäßigen Erfassung von atmosphärischen Spurenstoffen sollen künftig auch Aerosole und Wolkenteilchen gemessen werden. Ziel ist der Aufbau einer weltweiten Messinfrastruktur zur Beobachtung der Erdatmosphäre mit Hilfe der zivilen Luftfahrt. Bild: Lufthansa Group
Nach der Landung werden die gesammelten Daten automatisch an das französische Forschungszentrum CNRS in Toulouse übertragen, einen zentralen Partner von IAGOS. Von dort stehen sie Forschungseinrichtungen weltweit frei zur Verfügung.
Drei Flugzeuge, ein Netzwerk aus 400 Nutzern
Mittlerweile ist die „Viersen“ nicht mehr allein im Einsatz. 2015 kam ein Airbus A330-300 hinzu, der heute für die Lufthansa-Tochter Discover Airlines fliegt, 2022 folgte eine zweite Discover-Maschine desselben Typs. Damit erfassen aktuell bis zu drei Flugzeuge der Lufthansa Group täglich atmosphärische Messwerte auf Routen rund um den Globus.
Genutzt werden diese Daten nach Angaben der beteiligten Institutionen von rund 400 Organisationen weltweit – von Wetterdiensten bis zu Klimaforschungsinstituten. Sie fließen unter anderem in die Präzisierung von Klimamodellen und in verbesserte Wettervorhersagen ein. Die Weltorganisation für Meteorologie zählt IAGOS zu den tragenden Säulen ihres globalen, flugzeuggestützten Beobachtungssystems.
Über 37.500 Messflüge und eine der größten Datenreihen weltweit
In der Gesamtbilanz seit 1994 kommen MOZAIC und IAGOS zusammen auf mehr als 37.500 Messflüge. Entstanden ist dabei einer der umfangreichsten verfügbaren Datensätze zu Ozon- und Wasserdampfwerten in der Atmosphäre – eine Grundlage, auf die Forscherinnen und Forscher weltweit inzwischen seit drei Jahrzehnten zurückgreifen können.
Koordiniert wird das Programm vom Forschungszentrum Jülich, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Weltweit sind derzeit zehn Flugzeuge von acht Fluggesellschaften mit der IAGOS-Technik ausgestattet – drei davon gehören zur Lufthansa Group. Für den Konzern ist das Programm Teil eines größeren Forschungsengagements, das auch Untersuchungen zu Nicht-CO₂-Effekten des Luftverkehrs und zu klimaoptimierter Flugplanung umfasst.
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