Luftfahrtbranche kritisiert europäisches Grenzkontrollsystem
Das europäische Ein- und Ausreisesystem (EES) halten Airlines wie Airports für wenig praktikabel. Sie fordern eine Überarbeitung – und zwar schnellstens.
Lange Warteschlangen in den Terminals, Passagiere, die en gros Flüge und Anschlussverbindungen verpassen: Fluggäste aus Drittstaaten, die in die Europäische Union einreisen, müssen seit geraumer Zeit Geduld beweisen und so einiges hinnehmen. Der Flughafenverband ACI Europe und sein Airline-Pendant Airlines for Europe (A4E) sprechen sich deshalb einmal mehr für sofortige betriebliche und regulatorische Änderungen am Ein- und Ausreisesystem der EU (EES) aus.
Sie ärgern sich darüber, dass fast sechs Monate nach der vollständigen Einführung des EES übermäßige Wartezeiten an den Grenzkontrollstellen weiterhin zu erheblichen Beeinträchtigungen für Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften führen.
EES: Was kritisiert die Luftfahrtbranche?
In der Branche ist von „inakzeptablen“ Zuständen die Rede. In Extremfällen würden die Wartezeiten zu Spitzenzeiten bis zu fünf Stunden dauern, regelmäßig aber die Zwei-Stunden-Marke überschreiten, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben der beiden Verbände.
Und die Warteschlangen seien nicht nur für Passagiere eine Belastung, sondern würden auch zu massiven Überlastungen in den Terminals führen und Grenzschutzbeamte sowie das Personal von Flughäfen und Fluggesellschaften unter enormen Druck setzen.
Wie effizient ist das EU-Grenzkontrollsystem?
Dabei sprechen ACI Europe und A4E seit Monaten die Probleme an – die unzureichende Personalausstattung bei den Grenzkontrollen beispielweise, Instabilitäten der IT-Systeme, ein Mangel an Selbstbedienungs-Terminals oder automatisierten Grenzkontrollschleusen oder auch der eingeschränkte Funktionsumfang und die begrenzte Verbreitung der Vorregistrierungs-App „Travel to Europe“.
„Das EES hat die Sicherheit der europäischen Außengrenzen gestärkt – das ist ein eindeutiger Erfolg“, lassen Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI EUROPE, und Ourania Georgoutsakou, Geschäftsführerin von A4E, wissen. Doch effizient sei das System nicht; auch sei das Versprechen einer schnelleren und reibungsloseren Reise bislang nicht eingelöst worden.
Von bloßen Anlaufschwierigkeiten könne nicht die Rede sein, „und Passagiere, Flughäfen sowie Fluggesellschaften können nicht länger den Preis für vermeidbare Störungen zahlen. Die Zeit der reinen Symptombekämpfung ist vorbei. Wir brauchen entschlossenes Handeln, um die strukturellen Probleme des EES zu beheben, die Abläufe zu optimieren und effiziente Grenzübertritte zu gewährleisten“, so die Branchenvertreter.
EES: Welche Lösungen wünscht sich die Luftfahrt?
ACI Europe und A4E haben deshalb ein Sechs-Punkte-Paket erarbeitet. Dieses zielt darauf ab, betriebliche Einschränkungen zu verringern, biometrische und datenbezogene Prozesse zu optimieren, die Nutzung von Vorab-Registrierungen und automatisierten Grenzkontrollen auszuweiten sowie betriebliche Flexibilität in Zeiten außergewöhnlicher oder anhaltender Überlastung zu gewährleisten.
Gefordert werden die Abschaffung der doppelten Überprüfung, die Optimierung der biometrischen Überprüfung, die Vermeidung doppelter EES-Profile, die Überarbeitung und Aufrüstung der App und des Webportals „Travel to Europe“, die Beschleunigung und Harmonisierung der automatisierten Grenzkontrolle für Drittstaatsangehörige sowie die Möglichkeit, das EES bei übermäßigen Wartezeiten teilweise auszusetzen.
„Europa benötigt ein Grenzmanagementsystem, das sowohl sicher als auch operativ effizient ist – und nicht eines, das das eine Ziel auf Kosten des anderen erreicht“, fassen Jankovec und Georgoutsakou zusammen.
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