Warum gibt es seit einigen Jahren keine kostenfreien Getränke und Mahlzeiten mehr auf Kurz- und Mittelstreckenflügen in Europa? Wir suchten und fanden Antworten

Das Angebot von Mahlzeiten und Getränken im Luftverkehr ist so alt wie diese Beförderungsart selbst. Dabei bestand das erste „Catering“ der Luftfahrtgeschichte aus einem oder mehreren Gläsern mit hochprozentigem Inhalt, die noch vor dem Besteigen des klapprigen Doppeldeckers gereicht wurden. Übrigens gemeinsam mit einer Fliegerbrille und einem dicken Pelzmantel als Schutz vor dem eisigen Fahrtwind.

DDL, 1918, Doppeldecker
Ein Glas Hochprozentiges war obligatorisch, um die wagemutigen Passagiere der ersten Stunde auf ihren Flug in offenen Doppeldeckern einzustimmen. Bild: SAS

Bordservice früher: Hochprozentiges vor dem Start

Doch je weiter sich der Luftverkehr entwickelte, umso professioneller wurde auch das Angebot an Mahlzeiten und Getränken. Bereits in den dreißiger Jahren konnte man auf Langstreckenflügen an Bord von Transatlantikflugbooten in einem Luxus schwelgen, der den konkurrierenden Ozeanlinern in nichts nachstand. Inklusive eines Doppelbetts für frisch Vermählte!

Dieser Trend setzte sich in den Fünfzigerjahren unvermindert fort und wurde selbst noch in den ersten Jahren des Jetzeitalters in Form von Bordlounges und opulenten Mahlzeiten fortgeführt. Doch nicht nur in der ersten Klasse gehörte ein kostenfreies Angebot an Getränken und Mahlzeiten zum guten Image einer Airline. Nicht zuletzt, um ängstliche Passagiere abzulenken.

Selbst an Bord von Urlaubsfliegern der Achtzigerjahre von Hapag Lloyd, Condor oder LTU gab es kostenfreie Getränke und Mahlzeiten auf dem Weg in den Süden. Dies und freundliche Crews verschaffte den Fluglinien wahre Fanclubs. Ein Beispiel ist die damals in Düsseldorf ansässige LTU, die von zahlreichen Reisenden ganz bewusst gewählt wurde. Nicht nur wegen des Flugpreises.

Auch auf Urlaubsreisen kostenfrei verpflegt

Was damals den Passagieren vorgesetzt wurde, konnte der Autor dieses Beitrags mit eigenen Augen beobachten, als er in den Achtzigerjahren im Rahmen von Ferienjobs bei einem Cateringbetrieb am Stuttgarter Flughafen lobte. Zum Standard zählte in jener Zeit in der Economy Class bei den meisten Fluglinien ein großes Tablett, das mit Besteck und Servietten ausgestattet wurde. Kostenfreies Wasser und Softdrinks – und je nach Dauer des bevorstehenden Flugs warme oder kalte Speisen waren nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Auch Kaffee und Tee wurden in der Cateringküche für die kostenfreie Ausgabe an Bord vorgekocht.

Doch warum muss man heute dafür bezahlen, was damals der kostenfreie Servicestandard im Luftverkehr war? Die Antwort hat zunächst einen Namen: Ryanair.

In den Neunzigerjahren begann der Aufstieg der irischen Low-Cost-Airline, die bald mit EasyJet und weiteren Airlines Nachahmer fand. Deren Konzept lautet, einen möglichst niedrigen Flugpreis anzubieten, zu dem ergänzende Dienstleistungen auf Wunsch des Passagiers hinzugebucht werden können. Und dazu zählt nicht zuletzt die Bordverpflegung.

Condor, Economy Class Europa, Catering

Low-Cost bringt die Wende beim Bordservice

Flugreisen werden überwiegend im Internet direkt bei der jeweiligen Airline oder über Vergleichsportale gebucht. Dort mit einem niedrigen Ticketpreis aufgeführt zu werden, ist für die Fluglinien überlebenswichtig. Hat der künftige Passagier erst einmal „angebissen“, wird er selbst bei immer weiter steigenden Nebenkosten im Verlauf des Buchungsprozesses, wie für Gepäck und eben die Bordverpflegung, nicht so schnell abspringen – so die Hoffnung der Airline-Manager.

Dem Ökotrend entsprechend führen die Airlines auch die Abfallvermeidung ins Feld, wenn es um kostenpflichtiges Bordessen geht. Die Vermeidung von Food-Waste ist eine nachvollziehbare und ehrenwerte Motivation ebenso wie das Argument, dass die Passagiere bereits vor dem Start unter verschiedenen Menüs wählen können, die ihnen dann an Bord serviert werden. Darunter bei einigen Fluglinien vegetarische oder vegane Alternativen zu Fleisch oder Fisch.

Bordverpflegung auf Kurz- und Mittelstrecke bei Lufthansa, Condor und Eurowings

Lufthansa Onboard Delights

Auf Flügen ab einer Flugzeit von 35 Minuten: Lufthansa Schokolade und eine kostenlose Flasche Wasser.

Auf europäischen Flügen mit einer Flugzeit ab 45 Minuten: Wunschgerichte kostenpflichtig per Vorbestellung ordern. Zudem verkauft Lufthansa dort Backwaren, Snacks und Getränke.

Ab einer Flugdauer von 70 Minuten: Das gesamte Angebot an frisch zubereiteten Speisen und Getränken wird an Bord – auch ohne vorherige Bestellung – kostenpflichtig mitgeführt.

Condor

Auf der Kurz- und Mittelstrecke ist im Economy Light, Economy Zero, im Economy Classic, im Economy Green und im Economy Flex Tarif die Bordverpflegung im Flugpreis nicht inbegriffen.

Die warmen Condor Taste the World Gerichte oder Snacks können erst ab einer Flugzeit von 1,5 Stunden vorab gebucht werden. Wasser wird zu vorbestellten Speisen kostenlos serviert.

Condor, Schnitzel
Leckere Mahlzeiten gibt es auch heute noch an Bord, jedoch in Europa meist gegen Bezahlung. Bild: Condor

Eurowings

BASIC- und SMART-Fluggäste wählen kostenpflichtig unter Snacks, Mahlzeiten und Getränken während des Bordservices.

Ryanair

Wenig überraschend bietet auch Ryanair lediglich den Kauf von Getränken, Snacks und kleinen Mahlzeiten an Bord an. Sie können laut der Airline über die Ryanair-App im Flug vorbestellt werden. Die Crew bringt sie dann noch vor dem Serviervorgang für alle Passagiere an den Platz .