Lufthansa und Flughafen München versprechen Besserung
Die gemeinsame Aufarbeitung hat begonnen: Nachdem vor einer Woche rund 500 Passagiere bei schlechtestem Winterwetter nachts in Flugzeugen auf dem Vorfeld festgesessen haben, präsentierten Lufthansa und Flughafen München jetzt erste Maßnahmen, damit so etwas nie wieder passiert.
Aus Fehler lernen und besser werden: Das haben sich der Flughafen München und Lufthansa aus besonderem Anlass auf die Fahnen geschrieben. In der Nacht zum 20. Februar mussten rund 500 Lufthansa-Group-Passagiere, etwa 600 Fluggäste insgesamt, mehrere Stunden in Flugzeugen ausharren. Jetzt gingen Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer Aviation & Operation des Münchener Flughafens, sowie Heiko Reitz, Hubmanager der Lufthansa in München, mit einer gemeinsamen Entschuldigung an Passagiere und Crews an die Öffentlichkeit und gaben Einblick in die inzwischen gesammelten Erkenntnisse sowie daraus resultierenden Maßnahmen.
Warum saßen die Passagiere in den Flugzeugen fest?
Was war geschehen: Bei heftigem Schneefall lief am späten Abend des 19. Februar am Flughafen München eine ansonsten überaus eingespielte Abfertigungs-Choreografie aus dem Ruder. Reitz erinnert sich an eine „außergewöhnliche und sehr anspruchsvolle Wettersituation“. Die nötigen Enteisungen beispielsweise hätten statt der üblich 15 Minuten nun bis zu 30 Minuten pro Flugzeug gedauert. An pünktliche Starts war kaum noch zu denken.
Gleichzeitig sei das normalerweise von Mitternacht bis fünf Uhr morgens geltende Nachtflugverbot, das aufgrund des Wetters bereits dank Sondergenehmigung um eine Stunde verlängert worden war, immer nähergerückt, und der Schneefall habe weiter zugenommen. Kurz vor ein Uhr am 20. Februar ging dann nichts mehr. „Innerhalb kürzester Zeit mussten 16 Flüge ganz gestrichen werden – einige Flugzeuge standen noch am Gate, andere waren schon losgerollt“, erinnert sich Reitz. Auch fünf Lufthansa-Group-Flugzeuge mussten wieder umkehren und wurden auf eine Außenposition auf dem Vorfeld gelotst. „Das sind die Flugzeuge, über die wir hier reden“, so der Hub-Manager.
Wer ist schuld an der Situation?
Nun wäre es ein Leichtes gewesen, die betroffenen Passagiere – die Lufthansa-Gäste saßen in drei Maschinen des Kranichs und in zwei Jets der Air Dolomiti – per Bus abzuholen und ins Terminal zu bringen. Doch genau hier nahm das Unglück seinen Lauf: Beim Lufthansa-Team rauchten schnell die Köpfe. „Viele Optionen wurden geprüft und durchgespielt“, berichtet Reitz. Auch das Alarmieren der Feuerwehr habe zur Diskussion gestanden, „wurde aber verworfen. Das Team wollte lieber auf die Busse warten“.
Und jetzt kommt der Flughafen München ins Spiel, denn: „Es waren in der Nacht zu wenig Busfahrer im Dienst, und diejenigen, die da waren, wurden vom Disponenten aus heutiger Sicht falsch eingesetzt“, so Reitz. Thomas Hoff Andersson, verantwortlich für den Flugbetrieb in München, gesteht: „Wir hätten vieles besser machen können und vor allem auch müssen.“
Wie vorbereitet ist der Münchner Flughafen auf Winterwetter?
Hoff Anderson spricht von einer Verkettung unglücklicher Umstände in jener Nacht. Mit dem Wetter müsse der Flughafen München umgehen können, „wir sind auf solche Situationen vorbereitet“. Dennoch seien an verschiedenen Stellen Fehler passiert. „Unser Team am Boden ist davon ausgegangen, dass die Maschinen, die von der Flugsicherung eine Starterlaubnis bekommen hatten, auch starten werden.“
Drei Busfahrer seien bis 2.30 Uhr vor Ort eingeteilt gewesen – zwei mehr als normalerweise nachts üblich. Dennoch offensichtlich zu wenige. Jedes einzelne Rädchen im operativen Betrieb habe darauf vertraut, dass das Nötige schon getan werde, so der Geschäftsführer Aviation & Operation weiter. Ein Irrglaube, wie sich herausstellen sollte. Und Notfallprozesse seien nicht ausgelöst worden, weil es zu keinem Zeitpunkt ein sicherheitsrelevantes Problem gewesen sei.
Welche Lehren ziehen Lufthansa und Flughafen München?
„Wir und der Flughafen München haben in dieser Nacht Fehler gemacht, und dafür übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung“, versichert Heiko Reitz. „In der Luftfahrt gibt es eine eiserne Regel: Wir lernen aus Fehlern, und wir werden dadurch besser, sicherer und zuverlässiger.“ Gemeinsam hätten Lufthansa und der Flughafen München jetzt Maßnahmen ergriffen, damit sich solche Ereignisse nicht wiederholen.
Zunächst einmal werden die Teams noch enger miteinander verzahnt. Konkret „wird der Betriebsleiter von AeroGround rund um die Uhr im Münchner Flight Operation Center der Lufthansa sitzen. Das Ziel muss sein, dass Kommunikation in Echtzeit funktioniert. Probleme müssen schnell, gemeinsam und ohne Reibungsverlust gelöst werden“, sagt Reitz.
Außerdem werden die Informationsketten überarbeitet. Es gilt klarer zu definieren, wann besondere Prozesse ausgelöst werden – insbesondere dann, wenn keine klassische Krise mit Gefahr für Leib und Leben droht, so der Hub-Manager der Lufthansa. Und: „Wir werden außerdem die Personalkapazitäten für die Nachtstunden überprüfen“, verspricht Hoff Anderson. Zusätzlich werden die Leitzentralen für Busse, Bodenpersonal, Verkehrsleitung, der Airlines und Behörden noch enger miteinander vernetzt. Und sitzen die Protagonisten bislang dezentral in vielen einzelnen Büros, strebe der Flughafen jetzt ein gemeinsames Operation Center an. Das werde Zeit brauchen, bis dahin soll der tägliche operative Abschluss-Call helfen, der inzwischen eingeführt wurde. Alle zentralen Player besprechen hier die Ressourcen für die Nacht.
