Air New Zealand testet Elektroflugzeug
Air New Zealand schließt Testprogramm mit dem batterieelektrischen ALIA CX300 von BETA Technologies ab. Über 100 Flüge liefern neue Erkenntnisse.
Die Zukunft der nachhaltigen Luftfahrt nimmt in Neuseeland konkrete Formen an. Air New Zealand hat gemeinsam mit BETA Technologies die erste Phase eines viermonatigen Demonstrationsprogramms für ein batterieelektrisches Flugzeug erfolgreich abgeschlossen. Im Mittelpunkt stand die ALIA CX300 – ein vollelektrisches Muster, das unter realen Airline-Bedingungen erprobt wurde.
Mehr als 100 Flüge, rund 13.000 Kilometer Strecke sowie Einsätze an zwölf Flughäfen auf der Nord- und Südinsel markieren einen Meilenstein für das Projekt „Electric Aircraft New Zealand“. Ziel war es, praktische Erfahrungen zu sammeln und die Integration neuer Antriebstechnologien in bestehende Strukturen zu testen.
ALIA CX300 im realen Flugbetrieb
Das Demonstrator-Programm setzte bewusst auf reale Einsatzbedingungen. Zwei Piloten von Air New Zealand sowie acht Testpiloten von BETA Technologies flogen die ALIA CX300 auf unterschiedlichen Routen, darunter auch anspruchsvolle Strecken über die Cookstraße.
Ein besonderer Höhepunkt war der erste emissionsarme IFR-Flug (Instrument Flight Rules) Neuseelands im Dezember. IFR-Flüge sind essenziell für den Linienbetrieb, da sie unabhängiges Fliegen von Sichtbedingungen ermöglichen. Dass ein batterieelektrisches Flugzeug unter IFR-Bedingungen operieren kann, gilt als entscheidender Schritt für die Alltagstauglichkeit solcher Konzepte.
Gemeinsam mit der neuseeländischen Zivilluftfahrtbehörde sowie Flughafenpartnern in Wellington, Marlborough und Hamilton wurden Prozesse rund um Flugplanung, Energieversorgung, Bodenabfertigung und Luftraumintegration analysiert. Die Erkenntnisse sollen künftig in Flottenstrategie und Netzwerkplanung einfließen.
Wirtschaftlichkeit als Treiber
Neben ökologischen Aspekten spielte die Wirtschaftlichkeit eine zentrale Rolle. Auf der Regionalroute Wellington–Blenheim zeigte sich das Einsparpotenzial deutlich: Während eine konventionelle Turboprop wie die Cessna Caravan Treibstoffkosten von rund 110 US-Dollar verursacht, lagen die Energiekosten der ALIA CX300 bei etwa 20 US-Dollar pro Flug.
Solche Differenzen könnten insbesondere auf Kurzstrecken neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Während des Programms transportierte das Testflugzeug zudem über 20 Tonnen simulierte Fracht. Rund 700 Besucher – darunter Branchenvertreter, Partner und Interessierte – konnten das Flugzeug aus nächster Nähe erleben. Das direkte Erleben habe die Diskussion über elektrische Luftfahrt deutlich vorangebracht, so Unternehmensvertreter.
Strategische Bedeutung für Air New Zealand
Für Air New Zealand ist das Programm weit mehr als ein Technologietest. Es geht um langfristige strategische Weichenstellungen. Die gesammelten Daten liefern eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Herstellern, Regulierungsbehörden und Infrastrukturpartnern.
Neuseeland gilt aufgrund seiner geografischen Struktur mit vielen Regionalverbindungen als idealer Testmarkt für elektrische Flugzeuge. Kurze Distanzen, anspruchsvolle Wetterbedingungen und ein engmaschiges Inlandsnetz bieten realistische Rahmenbedingungen für die Einführung emissionsarmer Technologien.
Die getestete ALIA CX300 wird nun an BETA Technologies zurückgegeben, wo die nächste Entwicklungsphase ansteht. Für Air New Zealand jedoch beginnt die eigentliche Arbeit jetzt: Die Integration der Erkenntnisse in konkrete Flottenentscheidungen.