Waldbrände in Europa: Warum die EU auf neue Löschflugzeuge setzt
Waldbrände wüten in Spanien, Frankreich, Griechenland, Kroatien und Deutschland. Die EU rüstet mit neuen Canadair DHC-515 nach, während ein neues Modell die Zukunft der Löschluftfahrt einläutet.
Europa brennt. Und das in einem bisher beispiellosen Ausmaß. Spanien, Frankreich, Griechenland, Kroatien und Portugal kämpfen seit Wochen gegen verheerende Waldbrände, doch auch nördlichere Länder sind längst betroffen: Bis Anfang August verzeichneten Österreich, Dänemark, die Niederlande, Deutschland und Großbritannien deutlich mehr verbrannte Fläche als im langjährigen Durchschnitt. In der EU wurden bis Ende der 31. Kalenderwoche bereits knapp 490.000 Hektar Land ein Raub der Flammen – 13 Prozent mehr als im Mittel der vergangenen 14 Jahre. Besonders dramatisch ist die Lage in Spanien, wo mehr als 276.000 Hektar verbrannten, gefolgt von Frankreich mit rund 93.000 Hektar und Italien mit etwa 81.000 Hektar. In Kroatien sprach Feuerwehrchef Slavko Tucakovic von einem der schlimmsten Waldbrände in der Geschichte des Landes, während in Griechenland eine drei Kilometer lange Feuerwand Hunderte Urlauber an der Küste Chalkidikis ins Meer trieb.
Die EU hilft mit einer betagten Flotte
Angesichts der Ausmaße greifen betroffene Staaten regelmäßig auf den europäischen Katastrophenschutzmechanismus rescEU zurück. Die EU unterhält dafür eine eigene Löschflugzeugflotte, stationiert unter anderem in Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien, Kroatien und Schweden. Das Kernstück dieser Flotte bilden 14 Maschinen des Typs Canadair CL-215 und CL-415 – im Schnitt jedoch bereits über 30 Jahre alt. Die Verfügbarkeit dieser Flugzeuge sinkt zunehmend, während der Bedarf durch immer heftigere und häufigere Brände weiter steigt.
Die EU hat auf diese Entwicklung reagiert: Gemeinsam mit sechs Mitgliedstaaten – Frankreich, Kroatien, Italien, Portugal, Spanien und Griechenland – wurden insgesamt 22 neue Löschflugzeuge des Nachfolgemodells De Havilland Canadair DHC-515 bestellt, finanziert mit rund 600 Millionen Euro aus EU-Mitteln. Griechenland hat zusätzlich auf eigene Kosten weitere Maschinen geordert, Frankreichs Zivilschutzbehörde Sécurité Civile stockte ihre Bestellung ebenfalls auf. Das Problem: Die neuen Canadair-Flugzeuge existieren bislang größtenteils nur auf dem Papier. Der Hersteller kann weder verbindliche Liefertermine noch eine konkrete Jahresproduktion nennen. Erste Auslieferungen werden frühestens ab 2027 oder 2028 erwartet. Bis dahin bleibt Europa auf seine in die Jahre gekommene Flotte angewiesen.
Hynaero und die Fregate-F100: Ein französischer Neuanfang
Genau hier setzt ein junges französisches Unternehmen an: Hynaero mit Sitz in Mérignac bei Bordeaux entwickelt mit der Fregate-F100 ein komplett neu konstruiertes amphibisches Löschflugzeug, das erste seiner Art seit Jahrzehnten, das nicht auf einer bestehenden Canadair-Plattform basiert. Hinter dem Projekt steht David Pincet, ehemaliger Pilot der französischen Luftwaffe und Katastrophenschutzexperte.
Die Eckdaten sind beeindruckend: Die Fregate-F100 soll bis zu 10.000 Liter beziehungsweise rund zehn Tonnen Löschwasser aufnehmen können. Etwa 50 Prozent mehr als die künftige DHC-515 und deutlich mehr als die aktuelle CL-415 mit gut 6.100 Litern. Als Amphibienflugzeug mit Scooping-Fähigkeit kann die Maschine Wasser direkt aus Seen, Flüssen oder dem Meer aufnehmen, was kurze Einsatzrotationen ermöglicht, ohne am Boden betankt werden zu müssen. Mit modernster Fly-by-Wire-Steuerung, Head-up-Display und einer Reisegeschwindigkeit von rund 250 Knoten soll das Flugzeug technologisch neue Maßstäbe setzen. Auch Passagier-, Fracht-, Sanitäts- und Seefernaufklärungsvarianten sind geplant.
Seit März 2025 unterstützt zudem Airbus das Projekt im Rahmen einer strategischen Partnerschaft, insbesondere bei der Auslegung des elektrischen Bordnetzsystems. Der Erstflug ist für 2030 vorgesehen, die Indienststellung für 2031. Hynaero versteht das Vorhaben dabei nicht nur als technische, sondern auch als industriepolitische Antwort: Europa soll unabhängiger von außereuropäischen Herstellern werden und langfristig eine eigene, moderne Löschflugzeugflotte erhalten. Dringend nötig angesichts einer Waldbrandsaison, die 2026 erneut zu den schlimmsten der vergangenen 15 Jahre zählt.
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