Archer Aviation übernimmt drei Boeing-Töchter und entwickelt sich damit vom eVTOL-Hersteller zu einem breiter aufgestellten Luftfahrtunternehmen.

Archer Aviation übernimmt Wisk Aero, Insitu und SkyGrid von Boeing und erweitert damit sein Geschäft. Boeing soll im Gegenzug Anteilseigner von Archer werden und mit dem Unternehmen technologisch zusammenarbeiten. Der Abschluss der Transaktion ist bis Ende 2026 vorgesehen und steht noch unter regulatorischen Vorbehalten.

Archer kommt aus dem eVTOL-Geschäft

Archer Aviation hat sich bislang vor allem auf elektrische Senkrechtstarter für den Passagierverkehr konzentriert. Das US-Unternehmen entwickelte zunächst den zweisitzigen Technologiedemonstrator Maker, der 2022 erstmals den vollständigen Übergang vom Schwebe- in den Flächenflug absolvierte. Darauf folgte Midnight als geplantes Serienmodell. Der elektrische Senkrechtstarter ist für einen Piloten und vier Passagiere ausgelegt und soll vor allem kurze Strecken bedienen.

Zu Archers wichtigsten Partnern zählen United Airlines und der Automobilkonzern Stellantis. United hatte bereits 2021 eine umfangreiche Bestellung für Archer-Flugzeuge angekündigt. Stellantis unterstützt Archer unter anderem beim Aufbau der Serienfertigung. In Covington im US-Bundesstaat Georgia entstand dafür ein neues Produktionswerk.

Vom Flugtaxi zum breiteren Luftfahrtkonzern

Mit der Boeing-Transaktion würde Archer sein Geschäft deutlich erweitern. Wisk entwickelt autonome eVTOL-Flugzeuge und entsprechende Flugsteuerungs-, Sensor- und Radartechnik. Insitu bringt unbemannte Flugsysteme für militärische Anwendungen ein. Das Unternehmen hat mehr als 3500 UAS produziert und ist nach eigenen Angaben in 35 Ländern aktiv.

SkyGrid entwickelt wiederum digitale Systeme für die Koordination und Steuerung des Luftraums. Nach Angaben von Archer soll allein das mit der Übernahme hinzukommende Verteidigungsgeschäft mehr als 200 Millionen US-Dollar Jahresumsatz erwirtschaften.

Autonomie und KI sollen zusammengeführt werden

Archer will die Technologien der drei Unternehmen mit seiner KI-Plattform ZEE verbinden. Damit sollen Anwendungen für autonome Luftfahrzeuge, Verteidigung und Luftraummanagement entstehen.

Für Archer bedeutet die Übernahme damit einen deutlichen Strategiewechsel: Aus einem Unternehmen, dessen Geschäft bislang wesentlich auf der Entwicklung und geplanten Vermarktung des Midnight basierte, soll ein Anbieter mehrerer Luftfahrt- und Autonomieplattformen werden.

Boeing bleibt beteiligt

Boeing zieht sich mit dem Verkauf nicht vollständig aus den Technologien zurück. Der Flugzeughersteller soll sich an Archer beteiligen und weiterhin Zugang zu den von Wisk entwickelten Technologien für autonomes Fliegen erhalten. Zudem vereinbarten beide Unternehmen eine weitere Zusammenarbeit und den Austausch von Technologie.

Finanzielle Details der Übernahme wurden zunächst nicht genannt. Der Abschluss ist nach Angaben der Unternehmen bis Ende 2026 geplant.