Die Lufthansa Group muss aktuell die Auswirkungen der Nahost-Krise meistern und will dennoch außerhalb ihrer Heimatmärkte wachsen. Passt das zusammen?

Dass Krisen belasten, aber auch Chancen bieten, ist in der Verkehrsluftfahrt eine gängige Floskel. Doch sie bewahrheitet sich immer wieder. Jetzt tritt einmal mehr die Lufthansa Group den Beweis an – und zwar am aktuellen Beispiel Nahostkrieg.

Die derzeit wahrlich anspruchsvolle Zeit müssten alle Fluggesellschaften weltweit meistern, daran ließ Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group, vor Medienvertretern während der Präsentation der Quartalszahlen keine Zweifel aufkommen, „denn die aktuelle Krise bleibt für die Branche herausfordernd, weil drei Faktoren zusammenkommen“.

Wie sehr leidet Lufthansa unter dem Nahostkrieg?

Erstens: die direkten Auswirkungen auf das Streckennetz. „Bis zu 13 Destinationen im Krisengebiet mussten wir im Verlauf dieses Jahres zeitweise aussetzen“, zählt Spohr auf. Aktuell werden immer noch elf Ziele nicht angeflogen. „Das sind zwar nur drei Prozent unseres Angebots, aber dennoch eine spürbare Belastung“, so der CEO.

Zweitens, „und das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt“, fallen die enorm gestiegenen Treibstoffkosten ins Gewicht. „Wir sind zwar mit deutlich mehr als 80 Prozent gegen Preisschwankungen abgesichert, aber dennoch erwarten wir in diesem Jahr Mehrkosten von Höhe von 1,5 Milliarden Euro.“

Und, drittens, habe die hohe Dynamik des Konflikts mit diesem ständigen Wechsel zwischen Eskalation und Deeskalation „das Buchungsverhalten vieler Passagiere verändert. Buchungen erfolgen weitaus kurzfristiger“, berichtet der Konzern-Chef.

Wie gut ist die ITA in die Lufthansa Group integriert?

Andererseits würden sich aber auch Gelegenheiten bieten, längst beschlossene Strategien „schneller und entschiedener umzusetzen“, so Spohr. Ein in seinen Augen gelungenes Beispiel dafür sei die Eingliederung der ITA Airways in die Gruppe. Vor 18 Monaten habe die Lufthansa Group die schnellste Airline-Integration in ihrer Geschichte versprochen. „Wir haben Wort gehalten!“

ITA Airways am Flughafen München.
ITA Airways wird jetzt, nach der Integration in die Lufthansa Group, in München im Terminal 2 abgefertigt. Bild: Lufthansa Group

Der Carrier mit seinem Fünf-Sterne-Drehkreuz Rom-Fiumicino sei jetzt als fünfte Netzwerkairline der Lufthansa Group fest etabliert. „Die Zahl der Codeshare-Passagiere ist in den vergangenen zwölf Monaten um 720 Prozent gestiegen. Seit Miles & More das Vielfliegerprogramm von ITA Airways ist, hat sich die Zahl der Status-Kunden in Italien mehr als verdoppelt. Die Zahl neuer Mitglieder ist auf 300.000 angewachsen.“ In Sachen Synergien sei man „auf Kurs“. Bis 2028 sollen die jährlichen Einsparungen 450 Millionen Euro erreichen.

Im Juni habe die Lufthansa die Option zum Erwerb von weiteren 49 Prozent der Anteile an der ITA ausgeübt. Für Spohr war das eine „folgerichtige Entscheidung“. Den Abschluss dieser Transaktion erwartet er Anfang 2027, „und wir werden dann, die behördlichen Genehmigungen vorausgesetzt, zu 90 Prozent an der ITA Airways beteiligt sein.“

Lufthansa bekräftigt Interesse an TAP Air Portugal

Eine weitere Erfolgsgeschichte möchte der Konzern mit der zum Verkauf stehenden TAP Air Portugal schreiben. Die Lufthansa Group hat aktuell ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung eingereicht. Dass der portugiesische Nationalcarrier ebenfalls „von den Synergien und Wachstumsperspektiven der Lufthansa Group profitieren wird“, verspricht der Konzernchef.

Zudem könne TAP Air Portugal so Teil der Star Alliance bleiben, der sie bereits seit 2005 angehört. Die Allianz biete laut Spohr täglich mehr als 15.000 Sitzplätze von und nach Portugal an, „das sind 65 Prozent mehr als die zweitplatzierte Allianz“. Davon profitiere das TAP-Drehkreuz Lissabon schon heute.

Im Gegenzug würde die Gruppe ihre Position auf den Südatlantik-Strecken deutlich stärken. Gemeinsam mit TAP Air Portugal dürfte der Lufthansa-Konzern hier zur Nummer eins aufrücken. Bisher ist die Gruppe mit einem Marktanteil von neun Prozent auf Position sechs zu finden, die Portugiesen belegen mit elf Prozent der Marktanteile Rang vier, die Spitzenposition hält die International Airlines Group (IAG) um Iberia und British Airways mit 20 Prozent.