Nach tagelangem Chaos um die Nachfolge von Patrick Schnieder steht fest: Steffen Bilger wird neuer Bundesverkehrsminister.

Nach tagelangem Ringen um die Besetzung eines der wichtigsten Kabinettsposten ist die Entscheidung gefallen: Steffen Bilger soll neuer Bundesverkehrsminister werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) werde den 47-jährigen Baden-Württemberger für den Posten vorschlagen, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Die offizielle Entlassung von Amtsinhaber Patrick Schnieder sowie die Ernennung Bilgers durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollen voraussichtlich am Mittwoch erfolgen.

Damit endet ein politisches Durcheinander, das die Union tagelang beschäftigt hatte und das selbst erfahrene Beobachter im Regierungsviertel überrascht zurückließ.

Wie es zur Ministerkrise kam

Merz hatte Schnieder bereits am Donnerstagabend eröffnet, dass er ihn aus dem Amt entfernen wolle. Als Nachfolgekandidat war zunächst der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler im Gespräch, der zusagte, seine Zusage aber über Nacht wieder zurückzog. Der Finanzexperte hatte offenbar Zweifel bekommen, ob er der fachlichen Anforderung des Postens gerecht werden könnte.

Weil damit kein Nachfolger feststand, verzichtete Merz am Freitagmorgen bei einem öffentlichen Auftritt im Kanzleramtsgarten darauf, die geplante Ablösung Schnieders offiziell zu verkünden, obwohl sich dieser bereits per SMS bei mehreren Abgeordneten verabschiedet und für die Zusammenarbeit bedankt hatte. Diese Nachrichten wurden bekannt und sorgten für zusätzliche Verwirrung.

Kritik an Merz‘ Umgang mit Schnieder

Das wochenendliche Schweigen aus dem Kanzleramt löste in der Union deutliche Verstimmung aus. Kritisiert wurde vor allem, wie unklar und öffentlich der Umgang mit einem amtierenden Minister ausgetragen wurde. Schnieder selbst zog schließlich die Konsequenz: Er kündigte an, Merz und Steinmeier persönlich um seine Entlassung zu bitten, um den von ihm so bezeichneten „unwürdigen Zustand“ zu beenden.

Merz, der zu diesem Zeitpunkt am Ort eines Anschlags in Berlin der Opfer gedachte, rief Schnieder kurz darauf an. Laut Regierungssprecher Kornelius drückte der Kanzler dabei sein Bedauern aus, dass der Wechsel im Amt „wegen unvorhergesehener Umstände“ nicht wie geplant hätte kommuniziert werden können.

Bilger gilt als erfahrener Verkehrspolitiker

Mit Steffen Bilger fällt die Wahl nun auf einen Politiker, der mit dem Ressort bereits vertraut ist. Von 2009 bis 2018 saß er im Verkehrsausschuss des Bundestags, anschließend war er bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, damals unter dem heutigen CSU-Ressortchef a. D. Andreas Scheuer. Seit Mai 2025 ist Bilger Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion und dort für das Fraktionsmanagement zuständig.

In dieser Funktion sammelte er in den vergangenen 15 Monaten der schwarz-roten Koalition durchweg positive Bewertungen aus der eigenen Partei. Ihm wird nachgesagt, auch unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren, eine Eigenschaft, die angesichts der chaotischen Vorgeschichte seiner Berufung nicht schaden dürfte.