Die US-Regierung erwägt, Zollbeamte aus Flughäfen großer Städte abzuziehen. Was das für internationale Reisende und die Luftfahrt bedeutet – und warum die WM 2026 zum Zündfaktor wird.

Washington diskutiert derzeit einen Schritt, der die internationale Luftfahrt in den Vereinigten Staaten grundlegend erschüttern könnte: Der US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin prüft, Beamte der Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP von Flughäfen in sogenannten „Sanctuary Cities“ abzuziehen. Betroffen wären die Drehkreuze New York-JFK, Los Angeles, Chicago O’Hare und San Francisco – allesamt Knotenpunkte des transatlantischen und transpacifischen Luftverkehrs.

Ohne Zollbeamte vor Ort können internationale Flüge an diesen Airports schlicht nicht abgefertigt werden. De facto würde das einem Einreiseverbot für Passagiere aus dem Ausland gleichkommen – zumindest solange keine Ausweichlösung greift.

Was sind Sanctuary Cities – und warum stehen sie im Fokus?

Der Begriff „Sanctuary City“ bezeichnet Städte oder Kommunen in den USA, deren Behörden grundsätzlich keine aktive Zusammenarbeit mit der Bundeseinwanderungsbehörde ICE leisten. Sie teilen etwa keine Informationen über den Aufenthaltsstatus von Personen und führen keine Festnahmen im Auftrag der Bundesbehörden durch. Rechtlich ist das nicht verboten – es ist vielmehr eine politische Positionierung, die vor allem von demokratisch regierten Städten vertreten wird. Die Regierung unter Präsident Trump sieht darin jedoch eine gezielte Behinderung der nationalen Einwanderungspolitik.

WM 2026 als politischer Druckpunkt

Der Zeitpunkt der Debatte ist brisant. Im Sommer 2026 richtet Nordamerika die Fußball-Weltmeisterschaft aus – gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko. Mehr als fünf Millionen Besucher aus aller Welt werden erwartet, viele davon mit Direktflügen in genau jene Städte, die nun auf der Abschussliste stehen. New York und Los Angeles gehören zu den wichtigsten WM-Ausrichterstädten.

Heimatschutzminister Mullin selbst hat gegenüber Fox News eingeräumt, dass die Pläne noch nicht umgesetzt werden – aber: „Wir erarbeiten derzeit entsprechende Konzepte.“ Eine sachliche Begründung für den Schritt blieb die Regierung bislang schuldig. Stattdessen klingt die Botschaft eindeutig politisch: Wer sich der Einwanderungspolitik widersetzt, soll wirtschaftliche Konsequenzen spüren.

Tourismusbranche alarmiert, Luftfahrt hält sich bedeckt

Die Reaktionen aus der Industrie fallen gedämpft, aber besorgt aus. Der US-Reiseverband, der vergangene Woche in einem Gespräch mit Mullin von den Plänen erfuhr, warnte unmissverständlich vor dem wirtschaftlichen Schaden. Die betroffenen Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber halten sich öffentlich noch zurück – wohl auch, weil eine formelle Entscheidung noch aussteht.

Technisch gäbe es einen Ausweg: Internationale Passagiere könnten über Flughäfen mit US-Zoll-Vorabfertigung im Ausland einreisen und anschließend mit einem Inlandsflug weiterreisen. Doch das wäre ein enormer Umweg, der Kosten, Zeit und Planbarkeit massiv beeinträchtigt.