Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ruft zum 48-Stunden-Streik bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Cityline auf. Was Passagiere jetzt wissen müssen und warum der Tarifkonflikt eskaliert.

Der Tarifkonflikt zwischen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Lufthansa spitzt sich weiter zu. Für Donnerstag und Freitag dieser Woche hat die Gewerkschaft mehr als 5.000 Pilotinnen und Piloten zu einem 48-stündigen Arbeitskampf aufgerufen. Betroffen sind Flüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Töchter Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline. Branchenbeobachter rechnen erneut mit umfangreichen Flugausfällen und erheblichen Einschränkungen im europäischen Luftverkehr.

Lufthansa: Pilotenstreik betrifft mehrere Airlines

Der angekündigte Lufthansa Pilotenstreik richtet sich nicht nur gegen die Hauptairline des Konzerns. Erstmals ist auch die Regionaltochter Lufthansa Cityline Teil der Arbeitsniederlegung. Ebenfalls betroffen sind Flüge der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo.

Für Passagiere bedeutet das: Vor allem Abflüge aus Deutschland könnten ausgedünnt oder komplett gestrichen werden. Wie viele Flüge tatsächlich ausfallen, hat der Konzern zunächst nicht beziffert. Erfahrungsgemäß reagieren Airlines bei Streiks mit einem deutlich reduzierten Flugplan.

Allerdings hat die Gewerkschaft bestimmte Ziele ausdrücklich ausgenommen. Flüge in mehrere Staaten im Nahen Osten und in der Golfregion sollen planmäßig stattfinden. Dazu zählen unter anderem Verbindungen nach Israel, Saudi-Arabien, Katar oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hintergrund ist die weiterhin angespannte Sicherheitslage im Luftverkehr in dieser Region.

Zweite Eskalation im Tarifkonflikt

Die aktuelle Arbeitsniederlegung ist bereits die zweite größere Streikrunde in diesem Jahr. Schon im Februar legten Piloten der Kernmarke für einen Tag die Arbeit nieder. Damals fielen mehr als 800 Flüge aus, rund 100.000 Passagiere waren betroffen.

Auslöser des Arbeitskampfes ist ein festgefahrener Tarifstreit über die betriebliche Altersversorgung. Nach Darstellung der Gewerkschaft liegen trotz mehrerer Gesprächsrunden bislang keine konkreten Verbesserungsangebote des Arbeitgebers vor.

Die Tarifkommission der VC kritisiert, dass nach sieben Verhandlungsrunden weiterhin kein verhandlungsfähiger Vorschlag zur Reform des Rentensystems präsentiert worden sei. Erst wenn ein substanzielles Angebot vorliege, könne der Dialog wieder aufgenommen werden.

Strukturelle Veränderungen im Konzern

Parallel zum Tarifkonflikt steht im Lufthansa-Konzern auch ein struktureller Umbau an. Besonders im Fokus steht dabei Lufthansa Cityline. Die Regionalfluggesellschaft betreibt rund 30 Regionaljets und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten.

Nach Konzernplänen soll der Flugbetrieb der Cityline mittelfristig eingestellt werden. Ein Teil der bisherigen Strecken soll von der neu gegründeten Lufthansa City Airlines übernommen werden. Die Gewerkschaft sieht solche Konzernstrategien seit Jahren kritisch, weil sie einen zunehmenden Wettbewerb zwischen verschiedenen Flugbetrieben innerhalb des Konzerns befürchtet.

Lufthansa-Pilotenstreik: Unterschiedliche Sichtweisen

Während die Gewerkschaft vor allem Verbesserungen bei der Altersversorgung fordert, betont das Management andere Aspekte. Konzernchef Carsten Spohr hatte zuletzt erklärt, dass für viele Piloten langfristige Karriereperspektiven innerhalb des Konzerns eine größere Rolle spielten als das bestehende Rentensystem.

Die Lufthansa hatte vorgeschlagen, zunächst kostenneutrale Anpassungen der Betriebsrente umzusetzen und anschließend mit externer Moderation über strukturelle Fragen des Flugbetriebs zu sprechen. Die Gewerkschaft reagierte darauf bislang zurückhaltend.