Flughafen Frankfurt: Passagiere testen neues Terminal 3
Am 23. April soll das neue Terminal in Betrieb gehen. AERO INTERNATIONAL war bei den derzeitigen Testdurchläufen mit dabei.
8000 Testpassagiere, 21 Tage und 6000 Koffer – die Probephase für den Betrieb von Terminal 3 am Flughafen Frankfurt soll der Realität möglichst nahekommen. Spatenstich für den neuen Teil des Flughafens war der 15. Oktober 2015. Am 23. April diesen Jahres soll das Terminal nun mit dem ersten Flug offiziell in Betrieb genommen werden. Doch das geht nicht von heute auf morgen – zuvor stehen 21 Testprozesstage an.
Der Probebetrieb läuft bereits seit Ende Januar. Rund 120.000 Statisten hätten sich dafür beworben – nur 15 Prozent wurden ausgewählt, so der Pressesprecher des Terminal 3, Andreas Mehring. Ein Durchlauf dauert rund fünf Stunden. Für ihren Einsatz erhalten alle Teilnehmenden eine Vergütung in Höhe von 13,90 Euro pro Stunde. Mit den Testpassagieren sowie dem Flugpersonal werden dabei alle Systeme und Abläufe getestet – auch Ausnahmesituationen, wie Stromausfälle oder Störungen. AERO INTERNATIONAL nutzte die Gelegenheit und nahm gemeinsam mit rund 500 anderen Statisten und Pressevertretern am Probebetrieb teil.
Testbetrieb am Fraport: Ereigniskarte für Statisten
Bevor die Testpassagiere das neue Terminal erkunden können, gibt es für alle ein imaginäres Ausweisdokument und eine Ereigniskarte. Diese enthält etwa folgende Informationen: ‚Carl Zörner fliegt mit Emirates nach Dubai und möchte sich zuvor die Mehrwertsteuer seiner Einkäufe zurückerstatten lassen.‘ Nachdem sich alle mit ihrer Rolle für die nächsten Stunden vertraut gemacht haben, gibt es für jeden und jede das Gepäck. Die 6000 Koffer, die im Zuge dessen im Einsatz sind, seien dafür zum Teil neu angeschafft worden, sagt Andreas Mehring. Einige Reisetaschen habe man jedoch auch gebraucht vom Flughafen Berlin Brandenburg aus den dortigen Probeprozessen bekommen.
Mit den Gepäckstücken und Dokumenten steht den Teilnehmenden dann nichts mehr im Weg. Eigenständig können sie die komplette Reisekette im Terminal 3 durchlaufen. Die erste Station ist für die meisten der Check-In-Schalter der jeweiligen Airline. Einige müssen dort beispielsweise – wie es die Ereigniskarte vorgibt – Sperrgepäck aufgeben. Andere werden aufgrund von Rückerstattungen der Mehrwertsteuer direkt zum Zoll weiter verwiesen.
So auch Mike, der durch Facebook auf den Testbetrieb aufmerksam wurde und sich daraufhin beworben hat. Laut ihm funktionieren die Prozesse bereits sehr gut – lediglich in Bezug auf Schilder und Wegweiser bestehe für ihn noch etwas Verbesserungsbedarf. Dem schließt sich auch Statistin Angela an. Sie sei mit dem Auto angereist und empfand die Beschilderung am Parkhaus als „nicht so prickelnd“. Der Betrieb im Gebäude laufe für sie dagegen geordnet ab. Mit Cathay Pacific ging ihre simulierte Flugreise nach Hong Kong.
Kontrollen der Bundespolizei: Security-Check in der Testphase
Sobald das Gepäck eingecheckt wurde, machen sich die Fluggäste im Probebetrieb weiter auf den Weg in Richtung Sicherheitskontrollen. Das Handgepäck wird gescannt und die Bundespolizei kontrolliert – wie im realen Flughafenalltag auch – Reisepässe und Personalausweise. Damit sind die wichtigsten Schritte abgehakt und die Testpassagiere befinden sich im Abflugbereich. Rund um den futuristisch angelegten Marktplatz gibt es einige Sitzmöglichkeiten und Geschäfte. Während den Versuchsdurchläufen befinden sich diese allerdings zu großen Teilen noch in den Umbauarbeiten.
Und wie geht es dann weiter? Auf der Bordkarte finden die Teilnehmenden die Nummer ihres Gates und verbringen die verbleibende Zeit dort bis das Boarding beginnt. An einem der Flugsteige wartet Testpassagier Sönke auf seinen Flug. Der Betrieb laufe seinem Eindruck nach gut. Und auch die Gestaltung des neuen Terminals – etwa die Farben im Innenraum – gefalle ihm. „Es ist sehr modern“, fügt er hinzu.
Ankunft und Gepäckausgabe in Terminal 3
Doch mit der Abfertigung ist der Probedurchlauf noch nicht beendet, denn: Auch die Ankunft am dritten und neuesten Terminal des Frankfurter Airports wird geprobt. Nach dem simulierten Eintreffen des Flugzeugs geht es zuletzt weiter zur Gepäckausgabe. Alles Statisten nehmen ihre Koffer vom Gepäckband und damit endet ein kompletter Versuchsdurchlauf in Terminal 3. Im Anschluss geht es per Flughafenbahn oder über das Parkhaus mit dem Auto wieder zurück.
Testbetrieb in Frankfurt – Verantwortliche ziehen positive Bilanz
Schlussendlich gehe es bei dem Testbetrieb darum, das neue Gebäude auf „Herz und Nieren“ zu testen, so Andreas Mehring von der Fraport AG. Die komplette Prozesskette sei nah an der Realität angelehnt. Dafür seien auch die Testpassagiere so ausgewählt worden, dass diese die Gesamtgesellschaft bestmöglich repräsentieren. Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts sowie mobilitätseingeschränkte Personen seien daher Teil der Probedurchläufe – anmelden konnten sich ausschließlich Erwachsene.
Neben den Statisten lag der Fokus weiterhin auf dem Flughafenpersonal, das im Rahmen der Simulationstage schon mit dem künftigen Arbeitsplatz vertraut werden soll, so Mehring. 57 Airlines werden nach der Inbetriebnahme von Terminal 3 aus abfliegen. Darunter Emirates, Etihad Airways, China Southern oder Cathay Pacific. Alle seien verpflichtet im Vorfeld mit ihrem Personal an den Probeprozessen teilzunehmen.
Und auch laut Esther Nitsche, der Projektdirektorin für den Testbetrieb in Terminal 3, laufe die Testphase mit den externen Statisten „sehr, sehr gut“. Damit könne man gut fest stellen, „wo es noch ein bisschen hakt und klemmt“, sagt Nitsche. Kleinere Ungenauigkeiten in Sachen Beschilderung habe man so bereits feststellen und angehen können. Nach der Projektdirektorin hätten alle Teilnehmenden im Nachhinein die Möglichkeit, Feedback via QR-Code abzugeben. Daraus ließen sich gute Erkenntnisse gewinnen. Das neue Terminal bezeichnet Nitsche schließlich als „architektonisches Highlight“.
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