eVTOL für Patiententransport: ERC System startet Flugerprobung mit „Romeo“
In Erding bei München hat das Luftfahrt-Startup ERC System mit der Flugerprobung seines eVTOL-Prototyps „Romeo“ begonnen. Die bemannten Testflüge markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung eines hybrid-elektrischen Fluggeräts, das speziell für medizinische Transportaufgaben ausgelegt ist. Im Fokus stehen dabei insbesondere Verlegungsflüge zwischen Kliniken. Als strategischer Partner begleitet die DRF Luftrettung das Projekt und bringt […]
In Erding bei München hat das Luftfahrt-Startup ERC System mit der Flugerprobung seines eVTOL-Prototyps „Romeo“ begonnen. Die bemannten Testflüge markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung eines hybrid-elektrischen Fluggeräts, das speziell für medizinische Transportaufgaben ausgelegt ist. Im Fokus stehen dabei insbesondere Verlegungsflüge zwischen Kliniken. Als strategischer Partner begleitet die DRF Luftrettung das Projekt und bringt ihre umfassende Erfahrung aus dem täglichen Luftrettungsbetrieb ein.
eVTOL für Patiententransport als Ergänzung zur klassischen Luftrettung
Die Anforderungen an den medizinischen Lufttransport verändern sich spürbar. Krankenhäuser werden zunehmend spezialisiert, Versorgungsstrukturen zentralisiert und Transportwege länger. Gleichzeitig wächst der Druck auf bestehende Rettungssysteme durch Personalengpässe und steigende Einsatzahlen.
Nach Einschätzung der DRF Luftrettung bieten elektrisch angetriebene Senkrechtstarter vor allem im Interhospitaltransport klare Vorteile. Auch für post-primäre Verlegungen – etwa nach einer Erstversorgung, wenn keine notfallmedizinische Betreuung während des Flugs erforderlich ist – eröffnet das Konzept neue Einsatzmöglichkeiten. Ziel ist es, bestehende Hubschrauberflotten sinnvoll zu ergänzen und für bestimmte Missionen effizientere Lösungen bereitzustellen.
Großes und leistungsfähiges Fluggerät
Der Prototyp „Romeo“ zählt bereits heute zu den größten in Europa geflogenen vollelektrischen Fluggeräten. Mit einem maximalen Abfluggewicht von 2.735 Kilogramm und einer Spannweite von 16 Metern bewegt sich das Luftfahrzeug in einer Gewichtsklasse, die bislang nur selten bei eVTOL-Projekten erreicht wurde. Die laufenden Flugtests dienen dazu, zentrale Systeme, das Flugverhalten sowie betriebliche Abläufe unter realen Bedingungen zu erproben.
Hybrid-elektrisches Konzept für Reichweite und Wirtschaftlichkeit
Technisch setzt ERC System auf ein hybridelektrisches „Lift-and-Cruise“-Design. Das Fluggerät startet und landet senkrecht wie ein Hubschrauber, wechselt im Reiseflug jedoch in einen tragflächengestützten Vorwärtsflug. Diese Kombination soll die Vorteile beider Welten vereinen: flexible Einsatzmöglichkeiten auf engem Raum sowie höhere Geschwindigkeiten und größere Reichweiten im Vergleich zu rein rotorbasierten Konzepten.
Nach Angaben des Unternehmens ist die Musterzulassung für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen. Langfristig soll der eVTOL-Patiententransport so zu einem festen Bestandteil moderner Luftrettungskonzepte werden – insbesondere bei planbaren, zeitkritischen Verlegungen über mittlere Distanzen.
DRF Luftrettung als Entwicklungspartner
Die DRF Luftrettung begleitet das Projekt von Beginn an als strategischer Partner. Neben medizinischer Expertise fließen auch Kenntnisse aus Technik, Flugbetrieb und Einsatzplanung in die Entwicklung ein. Für die Organisation steht dabei nicht nur die technische Machbarkeit im Vordergrund, sondern vor allem der praktische Nutzen für Patientinnen und Patienten sowie für die Crews im täglichen Einsatz.
ERC System wurde 2020 gegründet und entwickelt in München elektrifizierte Luftfahrzeuge für besonders anspruchsvolle Missionen. Mit Unterstützung des Luft- und Raumfahrtkonzerns IABG und einem rund 60-köpfigen Team verfolgt das Unternehmen das Ziel, leistungsfähige und wirtschaftliche Fluggeräte zur Zulassung zu bringen.
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