Rauchen im Flugzeug: ein Kavaliersdelikt?
Das Rauchen an Bord eines im kommerziellen Einsatz stehenden Flugzeugs ist seit Jahrzehnten verboten. Dennoch werden immer wieder Menschen dabei in Bordtoiletten erwischt. Welche Strafen drohen?
Themen dieses Beitrags:
- Seit wann ist das Rauchen im Flugzeug verboten?
- Warum ist das Rauchen im Flugzeug gefährlich?
- Wie oft kommt es vor, dass Passagiere heimlich rauchen?
- Welche Strafen drohen beim Rauchen im Flugzeug?
Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch: Kaum in der Luft, wurden im zumeist hinteren Teil der Flugzeugkabine auch schon die Zigaretten aus diversen Hosentaschen gepult und zuweilen beim jeweiligen Sitznachbarn verlegen um Feuer gebeten. Nicht selten half dann sogar das Kabinenpersonal aus.
Rauchen an Bord von Flugzeugen gehörte in den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern zum guten gesellschaftlichen Ton. Wer am Flughafen eincheckte, wurde am Schalter höflich gefragt: „Raucher oder Nichtraucher?“ Qualm in der Kabine sorgte keinesfalls für Hysterie bei den Passagieren und löste nur selten eine umgehende Evakuierung des Flugzeugs aus. Der blaue Dunst war vielmehr ein sichtbares Zeichen der vermeintlichen Entspannung. Lungen-Yoga insbesondere für flugängstliche Menschen. Über die Gesundheit machte man sich erst später Gedanken.
Seit wann ist das Rauchen im Flugzeug verboten?
Mitte der neunziger Jahre folgte beim Rauchen während des Fluges jedoch sukzessive ein Umdenken. Vorreiter waren die US-Amerikaner, die zu Beginn des Jahrzehnts per Gesetz zunächst das Rauchen auf Inlandsflügen unter sechs Stunden verboten hatten.
Lufthansa schob dem Laster dann ab 1995 auf innerdeutschen Verbindungen einen Riegel vor. Ab Sommer 1998 galt das Rauchverbot beim Kranich schließlich auf allen Flügen.
Warum ist das Rauchen im Flugzeug gefährlich?
Heute ist das Rauchen im Flugzeug weltweit verboten – und zwar zugunsten der Gesundheit der Kabinenbesatzungen und der Mitreisenden, darunter schließlich auch Kinder. Denn bereits das Passivrauchen birgt ein hohes gesundheitliches Risiko.
Doch der Zigarettenqualm greift nicht allein menschliche Organe an, sondern auch die partiell sensible Flugzeugtechnik. Er kann beispielsweise die Sensoren des Kabinendrucksystems in die Irre führen. Fehlerhafte Informationen und Fehlinterpretationen wären die Folge.
Darüber hinaus darf das tatsächliche Brandrisiko nicht unterschätzt werden. In den engen Flugzeugkabinen bestehen schließlich nur beschränkte Möglichkeiten zur Brandbekämpfung. Kurzum: Es ist sinnvoll, dass in allen Flugzeugen nach wie vor kleine Warnlampen direkt neben den Anschnallzeichen visuell auf das bestehende Rauchverbot hinweisen. Und so schreiben es ICAO, FAA und EASA vor.
Wie oft kommt es vor, dass Passagiere heimlich rauchen?
Doch Verbote hin oder her: Immer wieder tauchen Meldungen über heimliches Rauchen in Bordtoiletten, insbesondere auf Langstreckenflügen, auf. Austrian Airlines hat einmal genauer in ihre Statistiken geschaut und für den Zeitraum Januar bis August 2025 insgesamt 37 Vorfälle gezählt.
Swiss oder Condor führen die zwanghaften Raucher nicht gesondert auf und sprechen allgemein von „Unruly Passengers“ – also von Passagieren, die sich nicht an die Regeln halten. Das können auch betrunkene Reisende sein beziehungsweise Gäste, die sich allgemein den Anweisungen der Kabinencrews widersetzen. Die Schweizer betonen, dass die Zahl der renitenten Passagiere an Bord ihrer Flotte in der jüngeren Vergangenheit jedoch abgenommen habe. Discover Airlines spricht von einem „wirklich sehr geringen“ Anteil unter all ihren Gästen.
Welche Strafen drohen beim Rauchen im Flugzeug?
Dass das verbotene Rauchen an Bord Konsequenzen nach sich zieht, ist gewiss. Welche Strafen drohen, lasse sich jedoch pauschal nicht beantworten, so die Swiss auf Anfrage. Lufthansa verweist in diesem Zusammenhang auf die jeweilige nationale Gesetzgebung.
Condor geht hingegen ins Detail: Könne eine Situation nicht vollständig deeskalierend gelöst werden, behalte sich die Airline vor, den Fluggast unverzüglich vom Flug auszuschließen. Sofern eine strafrechtliche Verfolgung stattfinden würde, kooperiere man mit den zuständigen Behörden. Und: „In besonderen Fällen werden Passagiere, die vermehrt an Bord geltende Regeln missachten, sich stark auffällig verhalten oder durch übergriffige, rassistische oder diskriminierende Verhaltensweisen auffallen, von der Beförderung ausgeschlossen.“
Austrian betont ihre Möglichkeit, Unruly Passengers schriftlich zu verwarnen. Im Wiederholungsfall beziehungsweise bei mangelndem Verständnis und fehlender Kooperationsbereitschaft könne ein Flugverbot ausgesprochen werden. In diesem Zeitraum sei es dem betreffenden Passagier nicht möglich, einen Austrian-Airlines-Flug zu buchen.
Und zuweilen muss sich sogar die Justiz mit rauchenden Übertätern beschäftigen: Am 13. August 2025 hat ein Gericht in Edinburgh, Schottland, einen Ryanair-Passagier zu Schadensersatz und 225 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der Mann hatte am 5. Juli 2024 kurz nach dem Start auf dem Flug von Edinburgh nach Lanzarote geraucht, seinen eigenen Alkohol getrunken und seine Mitreisenden verbal beleidigt. Die Maschine musste nach Edinburgh umkehren, sechs Besatzungsmitglieder und 178 Passagiere – darunter viele jungen Familien auf dem Weg in den Urlaub – waren betroffen.

