02.06.2016 Verzögerung: 107 Monate. Kostensteigerung: 1,47 Milliarden Euro. Und die Pannen beim Transportflugzeug Airbus A400M gehen noch weiter. Die Verteidigungsministerin konnte sich jetzt bei der Luftfahrtschau ILA ein Bild von der Lage machen. Machte sie aber nicht. Schönefeld (dpa) – Die A400M ist 45 Meter lang, 15 Meter hoch und hat eine Spannweite von 42 […]

02.06.2016

Verzögerung: 107 Monate. Kostensteigerung: 1,47 Milliarden Euro. Und die Pannen beim Transportflugzeug Airbus A400M gehen noch weiter. Die Verteidigungsministerin konnte sich jetzt bei der Luftfahrtschau ILA ein Bild von der Lage machen. Machte sie aber nicht.

Schönefeld (dpa) – Die A400M ist 45 Meter lang, 15 Meter hoch und hat eine Spannweite von 42 Metern. An dem Transportflugzeug mit dem riesigen Rumpf und den auffällig geschwungenen Propellern kommt man kaum ohne einen staunenden Blick vorbei, wenn man das Ausstellungsgelände der Bundeswehr auf der Luftfahrtmesse ILA betritt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schaffte es am Donnerstag trotzdem, den grauen Riesen komplett zu ignorieren. Sie schaute sich lieber die Hubschrauber und das Sanitätszelt gegenüber an. Die A400M würdigte sie keines Blickes.

Vor zwei Jahren, bei der letzten ILA in Schönefeld bei Berlin, hatte die Ministerin noch weniger Berührungsängste. Wie selbstverständlich stieg sie ins Cockpit des Transporters und lächelte für die Fotografen aus dem offenen Fenster.

Es war das Jahr, an dessen Ende die erste A400M an die Bundeswehr übergeben wurde. Schon damals galt der Flieger als Pannenobjekt mit erheblichen Verzögerungen und Kostensteigerungen. Es gab aber die Hoffnung, dass damit nun endlich mal Schluss sein könnte – dass der neue Transportflieger doch noch zu einem Vorzeigeprojekt werden würde, auf das die Bundeswehr stolz sein kann.

Doch daraus wurde nichts. Im Gegenteil: Eineinhalb Jahre nach der Übergabe der ersten Maschine ist die A400M zurück in den Negativ-Schlagzeilen. Wegen massiver Probleme mit den Triebwerken müssen die vier an die Bundeswehr ausgelieferten Maschinen alle 20 Stunden gewartet werden. Das reicht gerade für einmal Mali und zurück. Auch das Schutzsystem für gefährliche Einsätze fehlt der Maschine noch. Außerdem wurden mal wieder Risse im Rumpf entdeckt.

Von der vollen Einsatzfähigkeit ist die Maschine damit ein ganzes Stück entfernt. So kann sie die fast ein halbes Jahrhundert alte Vorgänger-Maschine «Transall» nicht ersetzen. Eigentlich sollte der Übergang 2018 geschafft sein. Auch eine Verschiebung der «Transall»-Ausmusterung auf 2022 scheint jetzt nicht mehr zu reichen. Inzwischen arbeitet das Ministerium ganz konkret an Übergangslösungen wie Kooperationen mit Bündnispartnern oder Anmietung von Maschinen.

Nach einem im April veröffentlichten Rüstungsbericht des Ministeriums werden sich die Verzögerungen bis zum Jahr 2019 auf 107 Monate – also fast neun Jahre – summieren. «Es ist gut in diesem Fall, dass wir einen sehr handfesten Vertrag haben, in dem Schadenersatzleistungen ganz klar geregelt sind», sagte von der Leyen auf der ILA. «Wir werden auch diese Schadenersatzansprüche geltend machen.»

Die Luftwaffe präsentiert den Pannenflieger auf der ILA dennoch tapfer. Zum Messe-Auftakt veranstaltete sie sogar ein Pressefrühstück im Laderaum. Sie schwankt beim A400M zwischen Frust und Begeisterung. Auf der einen Seite nerven die Pannen. Andererseits sind die Piloten begeistert davon, was der Flieger so alles kann. «Das ist hier Bundesliga, die Transall ist Bezirksliga gegen dieses Ding», sagt Oberst Richard Offinger, der für den Bundeswehr-Auftritt bei der ILA verantwortlich ist.

Der Hersteller Airbus zeigt sich weiterhin optimistisch, dass die A400M am Ende Erfolg haben wird. Vorstandschef Tom Enders räumte auf der ILA zwar ein, dass bei dem Projekt «der Wurm drin» sei. Dennoch sei er sicher, dass der Transporter «einmal der Stolz der Europäer sein» werde.

Aber auch Airbus verschonte von der Leyen vom Anblick des Militärtransporters. Ein A400M-Modell wurde kurz vor ihrem Besuch auf dem Messestand des Unternehmens wieder abgebaut. Zur Begründung hieß es, der Vertrieb habe das Modell für eine Verkaufsveranstaltung in Kasachstan benötigt.

Michael Fischer, dpa