Flug 4U9525 wirft weiter Fragen auf – Ermittler hoffen auf Blackbox
Warum stürzte der Airbus von Germanwings in den französischen Alpen ab? Die Ermittler rätseln weiter über die Hintergründe. Wichtige Hinweise soll der vermisste zweite Flugschreiber liefern. Paris/Düsseldorf (dpa) – Auch sechs Tage nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in Frankreich haben die Ermittler viele Fragen noch nicht beantworten können. Nach dem zweiten Flugschreiber des Airbus wurde ebenso […]
Warum stürzte der Airbus von Germanwings in den französischen Alpen ab? Die Ermittler rätseln weiter über die Hintergründe. Wichtige Hinweise soll der vermisste zweite Flugschreiber liefern.
Paris/Düsseldorf (dpa) – Auch sechs Tage nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in Frankreich haben die Ermittler viele Fragen noch nicht beantworten können. Nach dem zweiten Flugschreiber des Airbus wurde ebenso gesucht wie nach einem möglichen Motiv des verdächtigen Copiloten. Auch die Identifizierung der Opfer werde noch mehrere Tage in Anspruch nehmen, sagte der französische Staatsanwalt Brice Robin.
OPFER: Die Leichen der 150 Opfer sollten binnen sieben Tagen geborgen sein, teilte Robin am Sonntag mit. «Es gibt die Hoffnung, das bis Ende kommender Woche zu machen, das ist für uns die Dringlichkeit», sagte Robin. Bisher erhobene DNA-Proben seien noch nicht mit denen der Familien verglichen worden. Um die Bergungsarbeiten zu erleichtern, wird bis Montagabend eine provisorische Straße zur Absturzstelle der Germanwings-Maschine eingerichtet. Bisher werden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unzugängliche Absturzgebiet gebracht.
ERKENNTNISSE: Nach bisherigen Ermittlungen soll der Copilot den Airbus A320 am Dienstag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf mutwillig in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verließ. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Minuten später zerschellte die Maschine an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille. Genauere Erkenntnisse über das Geschehen im Flugzeug vor dem Absturz erhoffen sich die Experten vor allem vom zweiten Flugschreiber, der immer noch am Absturzort gesucht wird. Auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine wird noch nicht ausgeschlossen. «Wenn man eine Ermittlung beginnt, darf man sich nicht nur in eine Richtung begeben», erläuterte Staatsanwalt Robin.
ERKRANKUNG: Der Copilot verheimlichte nach Erkenntnissen der Ermittler vor seinem Arbeitgeber Germanwings eine Erkrankung. Die Fahnder, die in der Wohnung des 27-Jährigen dessen Krankschreibungen fanden, hatten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht. Es gab aber weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Das Luftfahrtbundesamt überprüfte nach Angaben seines Sprechers die Personalakte des Copiloten. Einzelheiten nannte er nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Für Berichte, wonach der Copilot unter starken psychischen Problemen und Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntag keine Bestätigung der Behörden zu erhalten. Frühestens am Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse bekanntgeben.
ORTSKENNTNIS: Der Copilot, der auch als Segelflieger aktiv war, kannte die Unglücksregion offenbar seit seiner Jugendzeit gut. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, berichtete Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französische Sender iTele. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.
TRAUER: Am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer gedacht werden. Im westfälischen Haltern, wo um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen getrauert wird, soll es am Mittwoch einen öffentlichen Gottesdienst geben. Die Airlines bekundeten mit ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen ihre Anteilnahme.
SOFORTHILFE: Angehörige der Opfer erhalten von der Lufthansa eine finanzielle Soforthilfe, um unmittelbare Ausgaben zu decken. «Lufthansa zahlt bis zu 50 000 Euro pro Passagier», zitierte der «Tagesspiegel» einen Germanwings-Sprecher.
KONSEQUENZEN: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will mit Fluggesellschaften und Aufsichtsbehörden über mögliche Konsequenzen aus dem Germanwings-Absturz beraten. «In der Luftfahrt gelten hohe Sicherheitsstandards, die aber auch immer wieder einer Weiterentwicklung bedürfen», sagte Dobrindt der «Bild am Sonntag». «Erst der Blick auf die Gesamtumstände des Unglücks wird Aufklärung über weitere notwendige Konsequenzen geben können.»