Expertin: Notfallseelsorger müssen schnell für Angehörige da sein
24.03.2015 Notfallseelsorger kümmern sich nach Katastrophen um die Angehörigen oder Opfer. Was machen diese Helfer genau? Eine Expertin erzählt von ihrer Arbeit. Berlin/Kaiserslautern (dpa) – Notfallseelsorger müssen Hinterbliebenen schnell das Gefühl geben, für sie da zu sein. «Wichtig ist, dass die Menschen merken, dass sie nicht alleine sind», sagt die Therapeutin Sybille Jatzko zur Aufgabe […]
24.03.2015
Notfallseelsorger kümmern sich nach Katastrophen um die Angehörigen oder Opfer. Was machen diese Helfer genau? Eine Expertin erzählt von ihrer Arbeit.
Berlin/Kaiserslautern (dpa) – Notfallseelsorger müssen Hinterbliebenen schnell das Gefühl geben, für sie da zu sein. «Wichtig ist, dass die Menschen merken, dass sie nicht alleine sind», sagt die Therapeutin Sybille Jatzko zur Aufgabe von Unfallseelsorgern nach einer Flugzeugkatastrophe. «Falsch ist der Spruch ‚Geteiltes Leid ist halbes Leid‘. Halbes Leid gibt es nicht», sagte Jatzko am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Nach ihrer Meinung aber gebe geteiltes Leid den Menschen das Gefühl, nicht alleine zu sein. Dieses Gefühl sei in dieser Situation etwas, was hilfreicher sei als alles andere, sagte die Expertin für Katastrophennachsorge aus Krickenbach in Rheinland-Pfalz.
Die Helfer müssen Fragen beantworten, wie, «mussten meine Angehörigen noch leiden? Haben sie noch etwas mitbekommen? Wieviel haben sie mitbekommen oder waren sie gleich tot?», sagte Jatzko, die seit der Katastrophe bei einem Flugtag in Ramstein im Jahr 1988 traumatisierte Hinterbliebene betreut.
Zusammen mit ihrem Mann, dem Arzt Hartmut Jatzko, hat sie seitdem neben weiteren Katastrophen Erfahrungen gesammelt – zum Beispiel beim Seilbahnunglück in Kaprun (2000), dem Amoklauf in Erfurt (2002) oder dem Tsunami-Unglück (2004) in Asien. Die Therapeutin berät zum Beispiel auch Bankangestellte nach Überfällen und Missbrauchsopfer.
Der erste Moment, wenn die Notfallseelsorger auf die Hinterbliebenen treffen, sei geprägt von großer Ungewissheit. «Die Betroffenen zittern am ganzen Körper und sind geschockt. Diese Phase sei noch geprägt vom großen Bangen der Angehörigen: «Sind meine Liebsten mit im Flugzeug gewesen? Man versucht, das so schnell wie möglich herauszufinden, um aus dieser Zeit der Ungewissheit herauszukommen», beschreibt Jatzko diese Phase.
Jetzt sei es sehr wichtig, auf der einen Seite die Angehörigen in einem Raum gut abzuschirmen, aber auch der Presse in einem anderen Bereich gute Arbeitsbedingungen zu bieten. «Gute Informationen müssen nach draußen dringen. Andere Angehörige, Bekannte oder Freunde außerhalb wollen auch Nachrichten erfahren, aber eben keine Falsch-Informationen», erklärt Jatzko.
Ein einfühlsamer Notfallseelsorger erkenne, ob ein Angehöriger Zuwendung über ein Gespräch sucht. Andere wünschen, in Ruhe gelassen zu werden. Als Helfer einfach nur da zu sein und die Ungewissheit gemeinsam auszuhalten, sei ebenfalls wichtig.