Die Air-Berlin-Pleite hat Lucas Flöther deutschlandweit als Insolvenzverwalter bekannt gemacht. Die Abwicklung der Airline ist weit vorangeschritten. Weitere, große Insolvenzen könnten bald folgen. Halle (dpa) – Die Krisenanzeichen mehren sich in der Wirtschaft – wenn Unternehmen in Schieflage geraten, ist ein Insolvenzverwalter oft die letzte Hoffnung. Lucas Flöther ist spätestens seit der Pleite von Air […]

Die Air-Berlin-Pleite hat Lucas Flöther deutschlandweit als Insolvenzverwalter bekannt gemacht. Die Abwicklung der Airline ist weit vorangeschritten. Weitere, große Insolvenzen könnten bald folgen.

Die Krisenanzeichen mehren sich in der Wirtschaft – wenn Unternehmen in Schieflage geraten, ist ein Insolvenzverwalter oft die letzte Hoffnung. Lucas Flöther ist spätestens seit der Pleite von Air Berlin einer der bekanntesten Vertreter seiner Zunft – und spricht auch für den Verband führender Insolvenzverwalter. Mit der Deutschen Presse-Agentur sprach er über die Angst vor dem Abschwung und die Abwicklung von Air Berlin.

Frage: Die Wirtschaft taumelt ein bisschen vor sich hin, der Aufschwung stockt, ist jetzt Zeit für Rezessionsangst?

Antwort: Ich glaube schon, dass man da Sorge haben muss, weil zumindest in einigen Branchen sehr dunkle Wolken aufkommen. Da habe ich jetzt nicht nur die Automobilzulieferer vor Augen, die ja schon seit einiger Zeit in aller Munde sind. Ich denke da etwa an den Einzelhandel, Krankenhäuser oder Immobilienunternehmen. Da sind im Moment einige Geschäftsmodelle im Feuer, das könnte innerhalb dieser Branchen zu Flächenbränden führen.

Frage: Haben Sie denn schon Anzeichen für eine Pleitewelle?

Antwort: Eine akute Pleitewelle sehe ich zurzeit nicht. Wir sehen aber an Anfragen, dass sich viele Unternehmer momentan Gedanken machen und auch Ängste haben, was da in Zukunft auf sie zukommt. Weil nicht wenige merken, dass ihnen ihr gesamtes Geschäftsmodell um die Ohren fliegen könnte. Das sind nicht nur Unternehmen in Schieflage, sondern auch gut beratene Firmen, die sich frühzeitig kümmern.

Frage: Die Insolvenz von Air Berlin hat viele Passagiere vor zwei Jahren kalt erwischt. Wie ist die Lage in der Air-Berlin-Zentrale am Saatwinkler Damm?

Antwort: Da steht ein emotionaler Moment an, gerade für die verbliebene Air-Berlin-Mannschaft mit knapp 30 Beschäftigten: Wir müssen aus der alten Zentrale am Saatwinkler Damm in neue Räumlichkeiten umziehen. Der Vermieter will den Komplex sanieren. Momentan sitzen wir dort in einer halben Etage auf einer Baustelle. Wir ziehen zum Jahreswechsel in kleinere und kostengünstigere Räume um.

Frage: Es gab längere Zeit die Angst, dass Air Berlin einen Millionenkredit des Bundes nicht zurückzahlen kann – inzwischen stehen nur noch die Zinsen aus. Können Sie die zurückzahlen?

Antwort: Wir sind auf einem guten Weg und guter Hoffnung, dass wir dank weiterer Verwertung vom verbliebenen Vermögen auch die Zinsen zurückzahlen können.

Frage: Das Air-Berlin-Verfahren hat sie sehr bekannt gemacht, es ist aber auch sehr groß und entsprechend groß ist die Verantwortung – hatten Sie je Angst, dass Sie nicht auf dem richtigen Dampfer sind?

Antwort: Natürlich macht sich auch ein Verwalter dann und wann ernste Gedanken, ob er die richtigen Entscheidungen gefällt hat. Gerade bei Air Berlin waren wir von einigen Ereignissen komplett überrascht, zum Beispiel davon, dass die EU-Kommission den Verkauf der Airline-Tochter Niki an die Lufthansa abgelehnt hat. Mitten im Verkaufsprozess mussten wir noch mal komplett neu starten. Das führt durchaus zu schlaflosen Nächten. Denn mir ist bewusst: Ich muss die Probleme irgendwie lösen – und stehe dafür höchstpersönlich in der Verantwortung.

ZUR PERSON: Lucas Flöther wurde 1974 in Leipzig geboren, studierte in Halle Jura und übernahm mit 25 Jahren, frisch promoviert, seinen ersten Fall als Insolvenzverwalter. Inzwischen gibt er als Professor selbst Vorlesungen zum Insolvenzrecht in Halle und gehört mit seiner dortigen Kanzlei zu den führenden Köpfen der Branche. Er übernahm neben dem Fall Air Berlin unter anderem auch den Fahrradhersteller Mifa, den Leipziger Internetkonzern Unister oder derzeit als Sachwalter die Fluglinie Condor sowie die kommunale Burgenlandklinik.

dpa hnl yysa n1 pos