dpa-Nachrichtenüberblick WIRTSCHAFT, Montag, 3.2.2020 – 16.00 Uhr
Merkel fordert «faire Beziehungen» zwischen Handel und Landwirten Berlin (dpa) – Angesichts von Kampfpreisen für Lebensmittel in vielen Supermärkten hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern aufgerufen. «Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer starken regionalen Versorgung unserer Bevölkerung mit einheimischen Produkten», sagte Merkel bei einem Treffen mit Vertretern […]
Merkel fordert «faire Beziehungen» zwischen Handel und Landwirten
Berlin (dpa) – Angesichts von Kampfpreisen für Lebensmittel in vielen Supermärkten hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern aufgerufen. «Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer starken regionalen Versorgung unserer Bevölkerung mit einheimischen Produkten», sagte Merkel bei einem Treffen mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie am Montag in Berlin. Dabei ziele die Politik nicht auf staatlich verordnete Mindestpreise, aber auf «faire Beziehungen» zwischen den Akteuren im Markt. Eine EU-Richtlinie gegen Praktiken, mit denen Händler kleinere Lieferanten bisher oft unter Druck setzen, soll schnell umgesetzt werden. Merkel sagte, es gehe darum, gute Lebensmittel zu verkaufen und dafür zu sorgen, dass Landwirte «auskömmlich» ihr Geld verdienten. Sie verwies auf eine «gewachsene Sensibilität» für Qualität und Umweltauflagen, die sinnvoll und richtig seien – aber natürlich auch ihren Preis hätten.
Gewerkschaften fordern mehr Rechte für Betriebsräte
Berlin (dpa) – Zum 100. Jahrestag des Betriebsrätegesetzes fordern die Gewerkschaften eine Ausweitung der Mitbestimmung in Deutschland. Die Rechte der Belegschaftsvertreter bei der Digitalisierung müssten gestärkt werden, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montag). «Überall wo es Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und – bedingungen gibt, brauchen wir Mitbestimmung.» Auch die IG Metall verlangte, die Mitbestimmungsrechte an den technischen Wandel anzupassen. Am 4. Februar 1920 war das Betriebsrätegesetz in Kraft getreten, das zu den Vorläufern des heutigen Betriebsverfassungsgesetzes zählt. Arbeitnehmer in Deutschland erhielten damit erstmals einen gesetzlichen Anspruch auf eine betriebliche Interessenvertretung.
Kurz warnt Bundesregierung: Steuer auf Aktienkäufe so nicht
Berlin (dpa) – Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz stemmt sich weiter gegen die deutschen Pläne für eine Steuer auf Aktienkäufe auf EU-Ebene. Die von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer werde sein Land so nicht akzeptieren, sagte Kurz am Montag nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Merkel betonte, Deutschland werde trotzdem weiter Gespräche führen – und zeigte sich dabei kompromissbereit. «Es darf nur nicht so sein, dass mit einer Veränderung dann gleich fünf andere Länder wieder abspringen», betonte die Kanzlerin. Die Finanztransaktionssteuer sei «eine sehr schwierige Kiste». Über diese Steuer wird auf EU-Ebene seit 2011 verhandelt. Unter den Staaten gab es keine Mehrheit, einige Länder versuchen nun, die Abgabe per «vertiefter Zusammenarbeit» einzuführen.
Virus lässt Chinas Börsen absacken: Verluste von 600 Milliarden Euro
Shanghai (dpa) – Die Furcht vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat Chinas Aktienmärkten die größten Verluste seit Jahren beschert. Die Shanghaier Börse meldete am Montag einen Kursrutsch um 7,72 Prozent und verlor damit innerhalb eines Handelstages 2,8 Billionen Yuan an Wert, umgerechnet etwa 360 Milliarden Euro. Der zweite Aktienmarkt des Landes im südchinesischen Shenzhen brach um 8,45 Prozent ein, was einen Verlust von zwei Billionen Yuan (260 Milliarden Euro) bedeutete. Es war der erste Handelstag nach den wegen der Lungenkrankheit verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahrsfest, die schon am 23. Januar begonnen hatten. Die Verluste waren so groß wie seit der Börsenkrise 2015 in China nicht mehr.
Flugverbot für 737 Max wirft Ryanair bei Wachstumsplänen zurück
Dublin (dpa) – Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max wirft Europas größten Billigflieger Ryanair bei seinen Wachstumsplänen weit zurück. Die Gesellschaft werde die Schwelle von jährlich 200 Millionen Passagieren ein bis zwei Jahre später erreichen als bisher geplant, teilte die irische Gesellschaft am Montag in Dublin mit. Statt im Geschäftsjahr bis Ende März 2024 werde dieses Ziel erst 2025 oder 2026 erreicht. Mit der Auslieferung der ersten Boeing 737 Max rechnet Ryanair-Chef Michael O’Leary inzwischen nicht mehr vor September oder Oktober 2020. Ursprünglich wollte er im Sommer 58 Maschinen des Typs in der Luft haben. Von den Einsparungen, die sich die Airline durch den geringeren Kerosinverbrauch des Modells verspricht, dürfte wegen der verspäteten Auslieferungen erst in etwa einem Jahr etwas zu sehen sein. Für das laufende Geschäftsjahr peilt O’Leary aber weiter einen Milliardengewinn an.
Dax stagniert knapp über 13 000 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) – Im Schatten des Coronavirus hat sich der deutsche Aktienmarkt am Montag vom großen Verlust der Vorwoche geringfügig erholt. Der Dax hielt sich bis zum Nachmittag knapp über der Marke von 13 000 Punkten. Zuletzt notierte der Leitindex 0,18 Prozent höher bei 13 004,72 Punkten, nachdem er mit minus 4 Prozent die schwächste Börsenwoche seit August 2019 hinter sich gebracht hatte. Für den MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten ging es am Montagnachmittag um 0,05 Prozent auf 27 969,19 Zähler abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann rund 0,3 Prozent. Der Eurokurs wurde zuletzt bei 1,1063 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1052 Dollar festgesetzt. Die Kurse deutscher Bundesanleihen stiegen tendenziell. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von minus 0,42 Prozent am Freitag auf minus 0,44 Prozent.
dpa kf yyzz n1 kf