Rot leuchtende Bodenlichter, die Piloten vor dem Befahren einer Start- oder Landebahn warnen: Der Flughafencheck 2026 der Vereinigung Cockpit zeigt, wo diese sogenannten Stopbars bereits durchgängig im Einsatz sind und wo Nachholbedarf besteht.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihren jährlichen Flughafencheck vorgelegt, und München steht wieder ganz oben. Ausschlaggebend für den Sprung an die Spitze ist ein technisch unspektakuläres, aber wirkungsvolles Detail: rot leuchtende Bodenlichter, sogenannte Stopbars, die an mehreren Rollbahnkreuzungen des Flughafens dauerhaft in Betrieb sind. Auf Platz zwei folgt Leipzig/Halle, Rang drei geht an Zürich.

Stopbars als Schlüssel zur Flughafensicherheit

Im Zentrum der Untersuchung steht ein Risiko, das in der Luftfahrt zu den gefährlichsten überhaupt zählt: die sogenannte Runway Incursion, also das unerlaubte Vordringen von Flugzeugen oder Bodenfahrzeugen auf eine aktive Start- oder Landebahn. Stopbars markieren dabei die letzte optische Grenze vor der Piste. Sind sie eingeschaltet, signalisieren sie Piloten und Fahrzeugführern unmissverständlich, dass ein Weiterfahren tabu ist, unabhängig von Tageszeit, Nebel oder Regen.

Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte bereits 2025 in einem Bulletin empfohlen, Stopbars grundsätzlich und witterungsunabhängig durchgängig zu betreiben. Genau an dieser Umsetzung misst die VC die Flughäfen in ihrem Ranking. Sven Graßmück, der bei der Gewerkschaft für den Bereich Airport and Ground Environment verantwortlich ist, verweist auf den direkten Zusammenhang zwischen der Maßnahme und der tatsächlichen Sicherheitsbilanz der Flughäfen.

Schwere Unfälle rücken das Thema in den Fokus

Dass es sich bei Runway Incursions nicht um ein theoretisches Risiko handelt, zeigen zwei Unglücke der jüngeren Vergangenheit. Anfang 2024 krachte am Flughafen Tokio-Haneda ein gerade gelandeter Airbus A350 der Japan Airlines in ein Fahrzeug der Küstenwache, das ohne Freigabe die Bahn gekreuzt hatte. Fünf Insassen des Fahrzeugs kamen dabei um. Im März 2026 ereignete sich am New Yorker Flughafen LaGuardia ein ähnlich tragischer Vorfall: Ein Regionalflugzeug von Air Canada Express stieß mit einem Feuerwehrwagen zusammen, der die Startbahn querte. Beide Piloten überlebten den Zusammenstoß nicht.

Deutsche Flughäfen im Vergleich

Neben München verzeichnet auch Düsseldorf einen deutlichen Sprung nach vorn: Der Flughafen hat an mehreren Kreuzungen zusätzliche Stopbars in Betrieb genommen und klettert dadurch um drei Ranking-Plätze. Frankfurt und Leipzig/Halle nutzen die Systeme zwar bereits auf einem Teil ihrer Rollwege dauerhaft, aus Sicht der VC bleibt hier aber noch Luft nach oben, bis eine flächendeckende Lösung erreicht ist. Insgesamt hält die Gewerkschaft fest, dass sämtliche bewerteten deutschen Flughäfen ein hohes Sicherheitsniveau aufweisen. Die Unterschiede im Ranking beruhen auf einzelnen technischen Details, nicht auf grundsätzlichen Mängeln.

Mitsprache der Piloten wird zum zweiten Kriterium

Ein zweiter Schwerpunkt des Checks betrifft die sogenannten Local Runway Safety Teams (LRST), in denen Flughafenbetreiber, Flugsicherung und weitere Beteiligte gemeinsam an Sicherheitskonzepten arbeiten. Die VC bemängelt, dass unabhängige Pilotenvertretungen in vielen dieser Gremien noch immer keinen Platz haben, aus ihrer Sicht ein vermeidbarer Verlust an praktischer Flugerfahrung, die in solchen Runden gebraucht würde.

Wie stark sich eine engere Zusammenarbeit auf das Ranking auswirken kann, zeigt der Flughafen Genf: Durch die Einbindung der Pilotenverbände AEROPERS und SwissALPA verbesserte er sich von Platz 26 auf Platz 11. Auch der Flughafen Lübeck profitierte von seiner Aufnahme ins LRST und legte vier Plätze zu. Der Flughafen Rostock-Laage bildet dagegen das Schlusslicht des Rankings, nachdem die Zusammenarbeit mit der VC dort eingestellt wurde.