Air India: Konzern prüft Führungswechsel nach Sicherheitskrise
Air India prüft einen möglichen CEO-Wechsel. Nach schweren Sicherheitsmängeln und wachsendem Druck sucht der Tata-Konzern offenbar nach einer neuen Führungsspitze.
Bei Air India zeichnet sich ein möglicher Führungswechsel an der Spitze ab. Der Verwaltungsrat der Fluggesellschaft sondiert offenbar den Markt nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden, der den aktuellen CEO Campbell Wilson ablösen könnte. Hintergrund sind anhaltende Sicherheits- und Betriebsprobleme, die das Unternehmen seit Monaten unter massiven Druck setzen. Laut Reuters, das sich auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen beruft, laufen entsprechende Gespräche bereits im Hintergrund.
Der Zeitpunkt ist heikel: Nach einem schweren Flugzeugunglück im Juni mit 260 Todesopfern steht Air India unter besonderer Beobachtung von Behörden und Öffentlichkeit. Es handelt sich um das schwerste zivile Luftfahrtunglück weltweit seit mehr als zehn Jahren.
Air India: CEO-Suche vor dem Hintergrund massiver Sicherheitsmängel
Im Zuge der Untersuchungen nach dem Absturz deckten Aufsichtsbehörden eine Reihe gravierender Mängel auf. Dazu zählten unter anderem unzureichende Kontrollen von Notfallausrüstung, verspäteter Austausch kritischer Triebwerkskomponenten sowie Unregelmäßigkeiten in Wartungsdokumentationen. Auch Defizite im Management von Ruhezeiten und Ermüdung des fliegenden Personals wurden beanstandet.
Diese Vorwürfe treffen eine Airline, die sich eigentlich mitten in einem umfassenden Erneuerungsprozess befindet. Umso stärker wiegt der Eindruck, dass operative Kontrolle und Sicherheitskultur nicht mit dem Wachstum und den ambitionierten Plänen Schritt gehalten haben.
Rolle von Campbell Wilson
Campbell Wilson übernahm die Führung von Air India im Sommer 2022, kurz nachdem der Tata-Konzern die traditionsreiche, aber chronisch defizitäre Airline vom indischen Staat zurückgekauft hatte. Der gebürtige Neuseeländer brachte umfangreiche Erfahrung aus seiner 26-jährigen Karriere bei Singapore Airlines mit, wo er unter anderem leitende Funktionen beim Premium-Carrier und bei der Billigtochter Scoot innehatte.
Sein Vertrag bei Air India läuft regulär bis 2027. Dennoch mehren sich nun die Anzeichen, dass der Verwaltungsrat einen vorzeitigen Wechsel in Erwägung zieht. Berichten zufolge war der Mehrheitseigner Tata Group bereits im vergangenen Jahr unzufrieden mit der operativen Entwicklung – trotz weitreichender finanzieller und strategischer Freiräume, die Wilson zur Sanierung des Unternehmens erhalten hatte.
Air India: CEO-Suche mit internationalem Blick
Medienberichten zufolge soll Tata-Group-Chairman N. Chandrasekaran Gespräche mit Top-Managern großer internationaler Airlines aus Großbritannien und den USA geführt haben. Ziel sei es, mögliche externe Kandidaten für die Nachfolge auszuloten. Chandrasekaran ist nicht nur Vorsitzender von Air India, sondern auch Chef des Tata-Konzerns, der die Mehrheit an der Airline hält. Singapore Airlines ist mit 25 Prozent beteiligt.
Parallel dazu könnten auch bei der Billigflugtochter Air India Express personelle Veränderungen anstehen, was auf eine umfassendere Neuausrichtung der Führungsstruktur hindeutet.
Herausforderung Transformation trotz Milliardeninvestitionen
Seit der Privatisierung hat Tata Milliarden in neue Flugzeuge, Kabinenmodernisierungen und den Ausbau des Streckennetzes investiert. Ziel ist es, Air India wieder als globale Premium-Airline zu positionieren. Doch Lieferverzögerungen bei Flugzeugen, langsame Umrüstungen und operative Schwächen haben den Turnaround erschwert.
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