Azores Airlines baut ihr Stopover-Programm zwischen Europa und Nordamerika aus. Die portugiesische Airline setzt dabei auf ein Modell ähnlich wie Icelandair.

Die portugiesische Fluggesellschaft Azores Airlines richtet ihre Strategie neu aus. Nach finanziellen Turbulenzen und einer gescheiterten Privatisierung konzentriert sich die Airline stärker auf ihr Kerngeschäft: die Anbindung der Azoren an Europa. Gleichzeitig rückt eine andere Chance stärker in den Fokus: Transatlantikflüge mit Zwischenstopp im Atlantik. Mit einem ausgebauten Stopover-Angebot will die Airline ihre geografische Lage zwischen Europa und Nordamerika gezielt nutzen.

Azores Airlines: Stopover als strategische Chance

Die Inselgruppe der Azoren liegt nahezu auf halber Strecke zwischen Europa und Nordamerika. Genau dieses geografische Potenzial will Azores Airlines künftig stärker vermarkten. Das Konzept orientiert sich dabei an einem erfolgreichen Vorbild: dem Geschäftsmodell von Icelandair.

Die isländische Fluggesellschaft verbindet seit Jahren europäische und nordamerikanische Ziele mit einem Zwischenstopp in Keflavík. Reisende können dort einen mehrtägigen Aufenthalt einlegen, ohne zusätzliche Flugkosten zu zahlen. Ein ähnliches Konzept verfolgt nun auch Azores Airlines.

Drehkreuz für diese Strategie ist der Flughafen Ponta Delgada Airport auf der Hauptinsel São Miguel. Von dort dauert der Flug nach Lissabon rund viereinhalb Stunden, während Ziele an der US-Ostküste wie Boston in etwa fünfeinhalb Stunden erreichbar sind. Damit eignet sich der Standort ideal für Transatlantikverbindungen mit Zwischenstopp.

Europanetz als Basis für Azores Airlines

Trotz der neuen transatlantischen Ambitionen bleibt Europa das Fundament des Streckennetzes. Neben den portugiesischen Flughäfen Porto, Lissabon und Faro bedient Azores Airlines derzeit drei weitere europäische Metropolen: Paris, Barcelona und Frankfurt.

Neue Ziele sind kurzfristig allerdings nicht geplant. Stattdessen will die Airline die bestehenden Verbindungen stabilisieren und stärker mit dem Nordamerika-Verkehr verknüpfen.

Auf der Langstrecke fliegt Azores Airlines aktuell mehrere wichtige Ziele an der nordamerikanischen Ostküste an. Dazu zählen unter anderem New York City, Boston sowie die kanadischen Metropolen Toronto und Montreal.

Flotte der Azores Airlines bleibt vorerst stabil

Technisch setzt die Airline konsequent auf eine Flotte aus Schmalrumpfflugzeugen des Herstellers Airbus. Insgesamt betreibt Azores Airlines derzeit neun Jets der A320-Familie. Dazu gehören Modelle wie der Airbus A320neo sowie der für längere Strecken optimierte Airbus A321LR.

Gerade der A321LR ermöglicht wirtschaftliche Transatlantikflüge mit geringer Kapazität – ein Ansatz, der gut zum Stopover-Modell passt. Größere Langstreckenflugzeuge spielen in der Flottenstrategie daher aktuell keine Rolle.

Wegen der angespannten Finanzlage ist allerdings auch kein kurzfristiger Ausbau der Flotte vorgesehen. Im Gegenteil: Kürzlich wurde sogar ein Flugzeug aus dem Betrieb genommen.

Marktlücke nach Rückzug von Ryanair

Eine zusätzliche Chance ergibt sich für Azores Airlines aus dem Rückzug von Ryanair aus Teilen des Azoren-Marktes. Die irische Billigfluggesellschaft transportierte zuvor rund 400.000 Passagiere jährlich auf mehreren Strecken zu der Inselgruppe.

Seit dem Rückzug verzeichnet Azores Airlines zwar steigende Buchungszahlen. Die eigene Kapazität reicht jedoch derzeit nicht aus, um die gesamte Nachfrage zu übernehmen.

Dennoch könnte genau diese Entwicklung der Airline in die Karten spielen: Weniger Konkurrenz im Low-Cost-Segment und ein klar positioniertes Stopover-Angebot könnten die Azoren stärker als transatlantisches Drehkreuz etablieren.