Steve Fossett: Weltrekord vor genau 20 Jahren
Heute vor 20 Jahren, am 11. Februar 2006, feierte die Luftfahrtwelt Steve Fossett für einen neuen Langstreckenrekord. Der abenteuerlustige Milliardär hatte mit seiner Global Flyer nonstop 41.467 Kilometer zurückgelegt. Ein Jahr später verschwand er bei einem (Aus-)Flug. Was war passiert?
Der US-amerikanische Milliardär Steve Fossett war ein Abenteurer, wie er im Buche steht, seine Jagd nach Ruhm und Ehre gilt als legendär. Mehr als 100 Weltrekorde hatte der 1944 in Jackson, Tennessee, Geborene im Laufe seines Lebens aufgestellt – zu Wasser wie in der Luft. Zwischen März 2004 und Februar 2005 galt Fossett beispielsweise als schnellster Weltumsegler, reichten ihm zur maritimen Erdumrundung doch gerade einmal 58 Tagen, neun Stunden und 32 Minuten.
Im Bereich Luftfahrt machte er zunächst als Ballonfahrer von sich reden: 1995 überquerte Fossett als erster Mensch in einem Ballon den Pazifik. 2004 unterbot er als Zeppelin-NT-Pilot den bis dato geltenden Geschwindigkeitsrekord für Luftschiffe: Auf einer einen Kilometer langen Messstrecke kam er partiell auf 115 km/h. Und: 2005 umrundete er als erster Pilot die Erde in einem Motorflugzeug solo in 67 Stunden, zwei Minuten und 38 Sekunden; fast 36.900 Kilometer legte er dabei nonstop zurück.
Langstreckenrekord: Wie weit flog Steve Fossett?
Am 11. Februar 2006, also heute vor 20 Jahren, endete ein weiterer Rekordversuch des damals 61-Jährigen erfolgreich: Steve Fossett, drei Tage zuvor im Kennedy Space Center in Florida gestartet, schloss einen 41.467 Kilometer langen Nonstop-Flug im englischen Bournemouth ab und galt fortan als Langstrecken-Weltrekordler!
Dafür war er 76 Stunden und 45 Minuten ohne Unterbrechung in der Luft. Die Maschine namens „Global Flyer“ ist übrigens ein Produkt (Modell 311) der Scaled Composites, an der Fossett beteiligt war. In den 13 Tanks war Platz für 11.034 Liter Treibstoff. Zu den ersten Gratulanten zählte sein Freund Richard Branson, der Gründer des Virgin-Imperiums.
Interessierte sich Steve Fossett auch für die Tiefsee?
Doch auch die Tiefsee faszinierte Fossett. Mit einem von Hawkes Ocean Technologies in Kalifornien entwickelten und gebauten U-Boot „Deep Flight Challenger“ wollte er einen Tieftauchrekord aufstellen. Das Ziel seines Traums: das Witjastief 1 im Marianengraben in 11.034 Metern Tiefe. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
Anfang September 2007 kehrte er von einem simplen (Aus-)Flug in die Sierra Nevada nicht zur Flying M Ranch seines Fliegerfreundes Barron Hilton zurück. Dort hatte der in den USA als Mythos verehrte Hotel-Erbe, Großvater des It-Girls Paris Hilton, in jenen Tagen sein legendäres Fliegertreffen veranstaltet.
Die Flying M Ranch von Barron Hilton
Regelmäßig versammelte Barron Hilton die Crème de la crème der Luft- und Raumfahrt auf seinem fliegerischen Landsitz etwa 100 Kilometer südlich von Reno, um das Fliegen zu feiern. Die Sierra Nevada bietet schließlich beste Bedingungen für Ballonfahrer, Segel- und Motorflieger. Und im Ranch-Hangar stand in jenen Tagen zur Verfügung, wovon Luftfahrt-Enthusiasten nur träumen konnten: Segelflugzeuge, historische Maschinen, seltene Sammlerstücke, aber ebenso Learjets. Dachte Oscar-Preisträger Cliff Robertson an die Ranch, sprach einmal von einem „Shangri-la, diesem Ort der Magie“. Eine Einladung dorthin galt als Ritterschlag.
Der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, war regelmäßig zu Gast. Mit Chuck Yaeger ließ sich abends an der Bar vortrefflich über das Durchbrechen der Schallmauer plaudern. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, passionierter Privatpilot, soll ebenfalls bereits vorbeigeschaut haben. Selbst die AERO-Redaktion, Herausgeber Dietmar Plath und der langjährige Autor Karl Morgenstern, war bereits zu Gast.
Warum verschwand Steve Fossett so plötzlich?
Am Morgen des 3. September 2007 also startete Steve Fossett um 8.30 Uhr in einer AviaBellanca Citabria Super Decathlon zu einem Flug. An Bord hatte er laut Hilton „Sprit für vier Stunden“, bis zum Lunch wollte er zurück sein. War er aber nicht. Seine Frau Peggy wurde unruhig. Am Nachmittag machte sich ein erster Trupp auf die Suche nach Fossett.
Damit begann eine der wohl umfangreichsten Suche in der Geschichte der USA – von Barron Hilton höchstpersönlich koordiniert und größtenteils aus eigener Tasche bezahlt. Rund 52.000 Quadratkilometer wurden überflogen und durchkämmt. Anfang Oktober musste die Suche jedoch ergebnislos eingestellt werden.
Parallel rankten sich bald die wildesten Gerüchte um sein Verschwinden. Zu viele Ungereimtheiten waren aufgetaucht. Hatte Fossett seinen Tod aufgrund finanzieller und persönlicher Probleme vielleicht nur inszeniert?
Nein. Knochen des Abenteurers wurden schließlich im Oktober 2008 nahe Mammoth Lakes in Kalifornien gefunden. Der Rekordjäger war mit seinem Leitflugzeug vermutlich während eines Gewitters in der Sierra Nevada in etwa 3200 Metern Höhe gegen eine Felswand geprallt. Eine DNA-Analyse ergab, dass es sich bei den sterblichen Überresten um Steve Fossett gehandelt hat.
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