Philippine Airlines sieht Oneworld-Beitritt als Wendepunkt
Im Gespräch mit AERO-INTERNATIONAL-Autor Kurt Hofmann erklärt Richard Nuttall, Präsident der Philippine Airlines, warum sich die positive Transformation der Airline insbesondere im geplanten Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld widerspiegelt.
AERO: Philippine Airlines hat verkündet, der Oneworld beitreten zu wollen. Was bedeutet das für den Carrier?
Richard Nuttall: Ich hoffe, dass Philippine Airlines im Laufe des kommenden Jahres in die Oneworld integriert wird. Wir ergänzen deren Streckennetz in Südostasien auf hervorragende Weise. Philippine Airlines bedient gegenwärtig 29 Ziele innerhalb der Philippinen sowie 40 internationale Destinationen. Derzeit zählt Oneworld 15 Mitgliedsairlines, darunter auch die asiatischen Fluggesellschaften Cathay Pacific, Japan Airlines, Malaysia Airlines und SriLankan Airlines.
Ich denke, dass Philippine Airlines der Allianz mit Manila ein wichtiges Drehkreuz in einer Region bietet, in der sie bislang weniger stark vertreten war. Zugleich wären wir im Bündnis eine weitere attraktive, neue Marke. Dies ist ein Wendepunkt für Philippine Airlines, die in diesem Jahr ihr 85-jähriges Bestehen feiert.
Wird der Beitritt zur Oneworld auch das Image der Fluggesellschaft fördern?
Ich habe bereits einmal vor 25 Jahren für Philippine Airlines gearbeitet und deren Veränderung verfolgt. Ich habe aber auch die Veränderungen im Land, vor allem in Manila, beobachtet. Die Realität ist, dass die Qualität der Fluggesellschaft höher ist als von vielen Beobachtern bisher wahrgenommen wird. Die Allianz wird unsere Marke stärken, und der Beitritt ist eine Auszeichnung für die Anstrengungen, die wirklich harte Arbeit, die wir in den vergangenen Jahren geleistet haben.
Somit dürfte Ihr Drehkreuz Manila noch mehr an Bedeutung gewinnen. Wie sehr sind Sie mit der Infrastruktur des Flughafens zufrieden?
Die Kapazitäten unseres Drehkreuzes sind vergleichsweise begrenzt. Wir konzentrieren uns darauf, größere Flugzeuge einzusetzen und mehr Interkontinentalverbindungen anzubieten. Das Wachstum der Fluggesellschaft wird sich meiner Einschätzung nach durch den Allianzbeitritt künftig auf etwa vier bis fünf Prozent pro Jahr belaufen. Einige Partnergesellschaften fliegen ja schon nach Manila, und ich hoffe, es werden noch mehr.
Ticketpreise rauf, Kapazität runter
Wie geht es Philippine Airlines bei der aktuellen Marktlage und den hohen Treibstoffpreisen?
Hohe Treibstoffpreise und die geopolitischen Ereignisse haben die Nachfrage nach Flugreisen beeinträchtigt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Marge. Deshalb haben wir auf einigen Strecken die Zahl der Frequenzen leicht angepasst und die Kapazität insgesamt um rund 15 Prozent reduziert. Aber das ist keine strukturelle Veränderung, sondern eine vorübergehende Maßnahme. Leider müssen wir die Ticketpreise etwas höher halten, denn sonst verlieren wir mit jedem einzelnen Flug Geld.
Höhere Ticketpreise decken momentan etwa die Hälfte der Treibstoffkosten, die je nach Strecke unterschiedlich hoch ausfallen. Zudem hat Philippine Airlines geplante Investitionen in Höhe von umgerechnet rund 100 Millionen US-Dollar aufgeschoben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine langfristige Verschiebung. Der Airline geht es gut. Wir hatten vier, fünf erfolgreiche Jahre. Falls erforderlich, haben wir Zugang zu Finanzierungen – wir werden diese jedoch nur nutzen, wenn wir sie wirklich benötigen. Zudem haben die Behörden in Manila unserer Fluggesellschaft für diesen Sommer eine Ausnahmegenehmigung für 20 Slots, die wir derzeit nicht benötigen, aber nun behalten können, am Flughafen Manila erteilt.
Philippine Airlines hat A350-1000 in die Flotte aufgenommen. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Flugzeug?
Die A350-1000 hat sich zum wichtigsten Langstreckenflugzeug in unserer Flotte entwickelt. Die Auslieferungen weiterer neuer A350-1000 werden weitgehend planmäßig erfolgen, und noch in diesem Jahr erwarten wir fünf weitere Airbusse dieses Typs. Im Gegensatz dazu ist es bei den Mittelstreckenflugzeugen so, dass sich die Auslieferung von 13 bestellten A321neo etwas verschieben wird.
Wir haben insgesamt 30 dieser Maschinen geordert. Die Verspätung stört uns derzeit jedoch nicht allzu sehr, denn dadurch ergibt sich etwas mehr Zeit, die technische Ausgereiftheit der Triebwerke zu erreichen. Von den bereits acht im Einsatz stehenden A321neo sind zwei aufgrund der bekannten Probleme mit den GTF-Triebwerken von Pratt & Whitney an den Boden gezwungen. Eines dieser Flugzeuge soll jedoch in Kürze wieder in den Betrieb zurückkehren.
Philippine Airlines hält sich Europa-Comeback offen
Welche Flugzeuge setzen Sie außerdem noch auf der Mittelstrecke ein?
Wir setzen A321 ein – aber auch A320, die wir für Airports im Inland benötigen, an denen keine A321 abgefertigt werden können. Ein Flottenmix ist daher notwendig. Aber unser Inlandsmarkt ist sehr preissensibel.
Apropos Streckennetz: Die Verbindung nach Doha wurde inzwischen wieder aufgenommen, nachdem sie wegen des Kriegs im Iran vorübergehend ausgesetzt worden war. Wie wichtig ist diese Region?
Flüge von und in den Nahen Osten machen rund sieben Prozent unserer gesamten Kapazität aus. Es betrifft uns also nicht in dramatischem Ausmaß. Und es ist beherrschbar, wenn auch nicht ideal. Problematisch sind die hohen Treibstoffpreise. Dennoch haben wir bereits die Aufnahme von Flügen nach Nordamerika, genauer Chicago, angekündigt und prüfen weitere neue Strecken. Es gibt eine sehr starke Diaspora an Philippinos, mehr als fünf Millionen, in Nordamerika.
Wann kehrt Philippine Airlines wieder nach Europa zurück?
Gegenwärtig fliegen wir nicht nach Europa, das ist richtig. In Europa ist die Diaspora anders, da lebt beispielsweise mehr medizinisches Pflegepersonal, was preissensibel bucht. Zudem gibt es so viele Fluggesellschaften, die zwischen Europa und den Philippinen mit nur einem Stopp fliegen. Emirates oder Turkish Airlines beispielsweise. Wir können Europa mit unseren Partnern bedienen, was perfekt für uns ist. Aber: Sag niemals nie.
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Kurt Hofmann schreibt seit 30 Jahren über die Luftfahrtindustrie. Er tritt auch regelmäßig im österreichischen, schweizerischen und deutschen Fernsehen und bei Rundfunksendern auf, um Themen zu diskutieren, die die kommerzielle Luftfahrt betreffen. Für AERO INTERNATIONAL kümmert er sich um die Österreich-News und schreibt regelmäßig Airline-Porträts oder Interviews mit Airline-Chefs weltweit.

