Was es braucht, um in der Hochsaison einen möglichst stabilen Flugbetrieb zu gewährleisten, erfuhr AERO-INTERNATIONAL-Mitarbeiter Thomas Strässle während einer Medienveranstaltung von Swiss.

Der 30. Juni, abends um 21 Uhr, hatte es in sich: In jenem Moment ging über Zürich ein heftiges Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen nieder. Man mag einwenden, dass ein solches Wetterphänomen im Sommer angesichts der Klimaerwärmung keine Seltenheit mehr ist, hätte da nicht auch der Zufall seine Hände im Spiel gehabt: Ausgerechnet am nächsten Vormittag wollte Swiss – als hätte die Airline eine Vorahnung gehabt – die Medien nämlich über die betrieblichen Herausforderungen zu Beginn der Hochsaison informieren.

Dazu zählen die Launen des Wetters. Swiss-COO Oliver Buchhofer konnte also fast im Live-Modus darüber informieren, dass an jenem Abend 26 Flugzeuge – mehr als 30 Prozent der Swiss-Flotte – an die umliegenden Flughäfen Basel, Genf, Stuttgart, Mailand und Lyon umgeleitet worden waren. Davon waren rund 2000 Passagiere betroffen, 70 Flüge mussten annulliert werden. Neben dem Wetter spielen für die Bewältigung des Aufkommens freilich noch andere Faktoren wie die geopolitische Lage und die reduzierten Luftraumkorridore, eingeschränkte ATC-Kapazitäten in Europa sowie Ressourcenknappheiten eine Rolle.

Wie bewältigt Swiss den Flugbetrieb in der Hochsaison?

Was nun bedeutet „Hochsaison“ genau? Buchhofer illustrierte das einem Beispiel: 2025 führte Swiss in einer April-Woche 2680 Flüge mit rund 331.000 Passagieren durch. Zum Vergleich: In einer Woche im aufkommensstarken Juli waren es 3044 Flüge (+ 13 Prozent) mit 422.000 Fluggästen (+ 27 Prozent).

Groß war der Unterschied auch bei der Sitzauslastung: Lag sie in der April-Woche bei 79,7 Prozent, betrug sie im Juli 90,5 Prozent. Trotz des Hochbetriebs setzen sich die Airlines minimale betriebliche Ziele. So möchte Swiss für das ganze Jahr 2026 mindestens 70 Prozent der Flüge pünktlich durchführen, die Verspätungen sollen 14 Prozent nicht überschreiten und die Flugplanstabilität soll mindestens 98 Prozent betragen.

Krisenstab, Umbuchungen, Ausweichflughäfen

Damit das gelingt, sind einige Anstrengungen nötig: „Unser Krisenstab trifft sich während des Jahres viermal, in der Hochsaison dagegen etwa einmal pro Woche“, sagt Buchhofer. Eine große Bedeutung kommt auch dem Passenger Care Center zu, wo rund 140 Personen rund um die Uhr in einem Dreischichtbetrieb im Einsatz sind. Dort nimmt man Umbuchungen vor, kümmert sich um Anschluss- und Sonderflüge und organisiert Busse, um gestrandete Passagiere an ihre Zielorte zu bringen.

Gut betuchte Reisende erhalten sogar eine spezielle Betreuung. Der „Mission Support“ wiederum, der zum Flight Dispatch gehört, unterstützt die Crews mit aktuellen Wetterdaten, informiert über Luftraum- und Flughafenschließungen und schlägt den Besatzungen Ausweichflughäfen vor. Anfragen aus den Cockpits treffen via Kommunikationssystem ACARS im Mission Center ein.

Wie Wetterdaten den Swiss Flugbetrieb sicherer machen

Für die Wetterdaten ist Meteo Schweiz verantwortlich. Der Bundesbetrieb erstellt zwei Arten von Prognosen: Die langfristigen sind etwa 30 Stunden gültig und werden alle drei Stunden erneuert, die kurzfristigen sind für zwei Stunden ausgelegt und werden alle 30 Minuten angepasst. Für ihre Vorhersagen stützt sich Meteo Schweiz auf Satelliteninformationen, Radarbilder sowie Wetterballone und nutzt auch KI-Modelle. Ein Abgleich der verschiedenen Quellen ergibt schließlich die Prognose.

Auch bei Meteo Schweiz wird rund um die Uhr gearbeitet. Während des Tages sind es vier bis fünf Personen, nachts zwei bis drei. Sie werden wohl auch in Zukunft alle Hände voll zu tun haben, ist das nächste heftige Gewitter doch nur eine Frage der Zeit.