Die Lufthansa Group und die portugiesische Regierung haben gestern in Lissabon den Kauf einer 44,9-prozentigen Beteiligung an TAP Air Portugal vertraglich besiegelt. Die Kartellwächter der EU müssen allerdings noch zustimmen. Die Details.

Jetzt trocknet die Tinte: Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa, und Vertreter der portugiesischen Regierung haben gestern in Lissabon den Vertrag über den Kauf einer Minderheitsbeteiligung an der TAP Air Portugal unterzeichnet. Das sei „ein hervorragendes und weit in die Zukunft reichendes Signal für die gemeinsame Zukunft und die Weiterentwicklung der Lufthansa Group“, ist sich Spohr sicher.

Der bereits im Vorfeld festgelegt Kaufpreis für zunächst 44,9 Prozent der TAP-Anteile beträgt 1,025 Milliarden Euro. Die Investition stemmt Lufthansa vollständig aus verfügbarer Liquidität. Sollte Lufthansa auch die zunächst den TAP-Mitarbeitenden angebotenen Anteile an dem portugiesischen Nationalcarrier übernehmen, könnte sich die Beteiligung der Kranich-Gruppe auf bis zu 49,9 Prozent erhöhen.

Die portugiesischen Gewerkschaften zeigten sich einverstanden mit der (Teil-)Übernahme durch die Lufthansa Group, versicherte Spohr bereits tags zuvor während der Präsentation der Quartalszahlen vor Medienvertretern. Jetzt ist in einem weiteren Schritt jedoch die EU-Kommission am Zuge, deren grünes Licht noch ausstehe. Der Vollzug der Transaktion wird erst nach Erteilung aller erforderlichen behördlichen Genehmigungen erfolgen.

Was verspricht die Lufthansa von TAP?

Spohr sieht in TAP Air Portugal einen bedeutenden Mehrwert für den Lufthansa-Konzern, könne man so doch auch bestehende Lücken schließen: „Unsere Netzwerke ergänzen sich ideal, wir haben eigentlich kaum Überlappungen“, und der Schritt eröffne Lufthansa nicht nur in Portugal, sondern auch gen Südamerika und Brasilien neue Wachstumsperspektiven. Doch man wolle auch TAP Air Portugal weiterentwickeln. Deren portugiesische Identität soll bewahrt werden und Lissabon als Drehkreuz Bestand haben.

Mit dem Deal setzt Lufthansa ihre Europäisierungsstrategie konsequent fort. Vor allem aber begrüßt die Lufthansa die Perspektive einer vollständigen Privatisierung von TAP Air Portugal. Zwar lasse sich bereits mit einer Minderheitsbeteiligung der Großteil der auf bis zu 450 Millionen Euro geschätzten Synergien realisieren. Doch eine Mehrheitsbeteiligung biete zusätzliche Möglichkeiten – beispielsweise das Wachstum von TAP zu beschleunigen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und weitere Potenziale im Airline-Verbund auszuschöpfen.

Was hat Lufthansa mit TAP vor?

Geht es nach Lufthansa, dann wird TAP Air Portugal ihr Streckennetz – insbesondere die Verbindungen nach Brasilien, ins portugiesisch-sprachige Afrika und nach Nordamerika – ausbauen. Für die Lufthansa Group ist dabei vor allem die stärkere Präsenz im Verkehr zwischen Europa und Lateinamerika von strategischer Bedeutung.

In diesem Markt liegt der Kranich-Anteil derzeit bei rund neun Prozent „und liegen damit auf dem Südatlantik nur auf dem sechsten Platz“, berichtet Spohr immer wieder. Gemeinsam mit TAP ergebe sich rechnerisch ein Marktanteil von rund 20 Prozent. Damit würde die Lufthansa Group zu ihren wesentlichen Wettbewerbern, beispielsweise der IAG um Iberia und British Airways, aufschließen.

Welche Rolle soll Lissabon im Lufthansa-Netzwerk spielen?

Lissabon soll perspektivisch zum siebten Drehkreuz der Lufthansa Group werden. Neben Lissabon sind allerdings auch Porto, die Azoren, Madeira und die Algarve feste Bestandteile der Wachstumsstrategie des Kranichs.

Die Lufthansa Group ist seit mehr als 70 Jahren in Portugal aktiv und langjähriger Industriepartner des Landes. Die Airlines der Group bieten derzeit 353 wöchentliche Flüge zu sechs portugiesischen Zielen an – ein Zuwachs von 75 Prozent gegenüber 2019.

Mehr als 500 Fachkräfte arbeiten heute in Portugal für Unternehmen der Lufthansa Group. Mit dem neuen Lufthansa-Technik-Standort in Santa Maria da Feira bei Porto, für den im Juni die Spatenstich-Zeremonie stattfand, soll diese Zahl bis 2030 auf rund 1000 direkte Arbeitsplätze steigen.