Eve Air Mobility hat mit seinem eVTOL-Prototyp erstmals den Übergang vom Vertikal- zum Vorwärtsflug getestet.

Der brasilianische Flugtaxi-Entwickler Eve Air Mobility hat einen wichtigen Testschritt geschafft: Der Prototyp des elektrischen Senkrechtstarters hat erstmals einen sogenannten Transitionsflug eingeleitet. Jenen kritischen Moment, in dem ein eVTOL vom reinen Vertikalflug in den flügeltragenden Vorwärtsflug übergeht. Das Unternehmen, das an der New Yorker Börse unter dem Kürzel EVEX notiert ist, meldete den Testflug am 3. August 2026 aus seinem Sitz in Melbourne, Florida.

Pusher-Propeller erstmals in der Luft aktiviert

Kern des Tests war die erstmalige Aktivierung des rückwärtigen Schubpropellers während des Fluges. Dieser sogenannte Pusher-Antrieb ist neben den Hubrotoren eines der zentralen Elemente im Antriebskonzept vieler eVTOL-Modelle. Er soll das Fluggerät nach dem senkrechten Abheben in den effizienteren Vorwärtsflug überführen. Beim Test erreichte der Prototyp eine stabile Fluggeschwindigkeit von 27 Knoten sowie eine maximale Geschwindigkeit über Grund von 30 Knoten, während der Pusher-Propeller mit bis zu 1.200 Umdrehungen pro Minute lief.

Der eigentliche Flug war kurz: Insgesamt war der Prototyp 3 Minuten und 9 Sekunden in der Luft, legte dabei eine Strecke von rund 0,84 nautischen Meilen zurück und stieg bis auf eine maximale Höhe von 90 Fuß, umgerechnet etwa 27 Metern.

Warum der Übergangsflug für eVTOL-Konzepte entscheidend ist

Die Transitionsphase gilt in der Entwicklung von eVTOL-Fluggeräten als besonders anspruchsvoll. Anders als klassische Hubschrauber oder Starrflügler müssen diese Konzepte den Übergang zwischen zwei völlig unterschiedlichen Flugzuständen bewältigen: dem vertikalen Schweben mithilfe mehrerer Hubrotoren und dem klassischen Vorwärtsflug, bei dem die Tragflächen den Auftrieb erzeugen. Genau in diesem Übergang treten aerodynamisch komplexe Belastungen auf, die in der Konstruktion sauber beherrscht werden müssen.

Eve wertet den nun erfolgten Test als Bestätigung zentraler Auslegungsmerkmale des eigenen Fluggeräts. Nach Angaben des Unternehmens habe der Flug wichtige Leistungsvorgaben am Beginn der Transitionsphase erfüllt. Die dabei gesammelten Daten sollen nun in die weitere Erprobung einfließen, mit der das Flugenvelope, also der Bereich möglicher Geschwindigkeiten, Höhen und Lastzustände, schrittweise erweitert werden soll.

Nächste Schritte im Testprogramm

Parallel zur weiteren Flugerprobung führt das technische Team von Eve derzeit Last- und Strukturanalysen durch, die als Grundlage für künftige Erweiterungen des Flugenvelopes dienen sollen. Im Anschluss an die laufenden Flugtests ist zudem ein Test der Datenverbindung (Datalink) geplant, mit dem die Funkverbindung des Fluggeräts bei Betriebsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten überprüft werden soll.

In den kommenden Wochen will Eve nach eigenen Angaben das Geschwindigkeitsspektrum des Prototyps sukzessive ausweiten. Dazu gehören weitere Flüge mit aktiviertem Pusher-Antrieb, die Teil der umfassenderen Testkampagne zur Transitionsphase sind. Ob und wie schnell sich daraus ein vollständiger, freier Übergangsflug, also ein kompletter Wechsel vom Hover- in den reinen Vorwärtsflug, ergibt, dürfte sich in den kommenden Testrunden zeigen.

Eve Air Mobility zählt zu den zahlreichen Unternehmen, die derzeit an elektrisch angetriebenen Flugtaxis für den urbanen und regionalen Personentransport arbeiten. Der jetzige Test reiht sich in eine wachsende Zahl von Flugerprobungen der Branche ein, bei denen Hersteller weltweit ihre Konzepte Schritt für Schritt der Zulassungsreife näherbringen wollen.