18.03.2014 Hamburg – Wirtschaftskrise und politische Unruhen ziehen den Luftverkehr Venezuelas immer stärker in Mitleidenschaft. Erste internationale Carrier ziehen sich zurück. Diese Woche setzte Air Canada den Flugverkehr nach Caracas einfach aus. Für Kanadas größte Fluggesellschaft macht es offenbar keinen Sinn mehr, das südamerikanische Land anzusteuern, weil die dortigen Einnahmen nicht in US-Dollar umgetauscht werden […]

18.03.2014

Hamburg – Wirtschaftskrise und politische Unruhen ziehen den Luftverkehr Venezuelas immer stärker in Mitleidenschaft. Erste internationale Carrier ziehen sich zurück.

Diese Woche setzte Air Canada den Flugverkehr nach Caracas einfach aus. Für Kanadas größte Fluggesellschaft macht es offenbar keinen Sinn mehr, das südamerikanische Land anzusteuern, weil die dortigen Einnahmen nicht in US-Dollar umgetauscht werden können. Jüngst warnte Iata-Chef Tony Tyler die linksgerichtete venezolanische Regierung unter Präsident Nicolas Maduro davor, dass genau dies unausweichlich sei. Nach Angaben der Iata stünden Mitgliedern des Verbunds Einnahmen von insgesamt 3,7 Mrd. US-Dollar zu, die sie nicht aus dem Land erhalten würden. Grund dafür ist ein staatlich reguliertes Wechselsystem, das den Umtausch von Bolivar in US-Dollar limitiert.

Auch die Lufthansa beklagt laut Finanzchefin Simone Menne Außenstände von 100 Mill. US-Dollar in Venezuela. Im Gegensatz zur Air Canada wagt die Lufthansa allerdings nicht, die Flüge ganz auszusetzen. Dies könnte auch daran liegen, dass der venezolanische Präsident Maduro Fluggesellschaften ganz unverhohlen droht: „Alle Airlines, die sich aus Venezuela zurückziehen, werden während unserer Regierungszeit nicht mehr in das Land zurückkehren.“ Laut „Latinapress“ behauptet Maduro, dass das Land seinen Verpflichtungen im Ausland nachkommen würde. Das Ganze sei schlicht ein gegen Venezuela angezettelter Wirtschaftskrieg.

Dass dies keinesfalls so sein dürfte, zeigen allerdings Beispiele anderer Fluggesellschaften aus Lateinamerika. So musste der kleine Regio-Carrier Tiara Air auf Curacao wegen der Außenstände im Nachbarland bereits finanzielle Unterstützung der Inselregierung erhalten, damit der Flugbetrieb nicht gänzlich eingestellt werden musste. Nach Angaben der „Asociación de Lineas Aéreas de Venezuela“ (Alav) reduzierten die 26 Fluggesellschaften, die von und innerhalb Venezuelas verkehren, ihr Angebot jüngst um 38,5 Prozent. Im grenzüberschreitenden Verkehr reduzierten beispielsweise Avianca um 81 Prozent, Aeromexico um 57 Prozent sowie Lufthansa um 37 Prozent – hauptsächlich durch den Einsatz kleinerer Fluggeräte. (Lutz Schmidt, fvw)