Die Airline aus Helsinki ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Mit der Eröffnung von Hannover sind inzwischen sieben deutsche Städte an das Drehkreuz der Finnen angebunden. Vor allem Geschäftsreisende sollen die Sitze auf die vergleichsweise kurzen Umsteige-Verbindungen nach Fernost und an die Westküste der USA füllen. Doch die Konkurrenz auf den Strecken Richtung Asien wächst.

Von Catharina Puppel

Finnair fliegt auf Hannover. Nach einer rund einjahrigen Planungsphase bietet der finnische Carrier seit Ende April Fluge von der Leine nach Helsinki an. Bis Ende Mai startet die Embraer 190 der Finnair-Tochter Norra (Nordic Regional Airlines) zunachst funfmal pro Woche vom Airport der niedersachsischen Landeshauptstadt. Bereits ab Juni soll taglich ein Umlauf mit dem hundertsitzigen Jet in das Drehkreuz der Finnen offeriert werden.

Zeit zur Entwicklung

Fur Flughafen-Geschaftsfuhrer Dr. Raoul Hille und Finnair-Manager Jan Pellinen kommt die Verbindung zum richtigen Zeitpunkt. „Slots, Fluggerat, Anschlussverbindungen und Nachfrage der Kunden stimmen“, sagt der General-Manager für D, A, CH und Slowenien. Bis zum Ende des Jahres mochte er auf der neuen Route eine durchschnittliche Auslastung von 60 Prozent erreichen. Er muss davon ausgehen, dass es gut anderthalb Jahre dauert, bis sich die Strecke etabliert hat. Airlines, die weniger Geduld mitbringen, tun sich in Hannover erfahrungsgemaß schwer. Anders als in Ballungszentren wird in dem weitraumigen Einzugsgebiet, das mit uber 22 Millionen Einwohnern beziffert wird, haufig etwas mehr Zeit benotigt, bis ein Flugangebot angenommen wird.

Guter Draht zu Firmen

So kann es ein Vorteil sein, dass sich Finnair traditionell eher auf Businesspassagiere konzentriert. Um die Jets zu fullen, wurden bereits im Vorfeld Vertrage mit großen Unternehmen der Region – beispielsweise aus der Automobilbranche und ihren Zulieferern – geschlossen. Einige der Geschaftsbeziehungen bestehen bereits seit vielen Jahren. Allerdings mussten Geschaftsleute aus Hannover bislang auf die Finnair-Routen ex Berlin, Frankfurt oder Dusseldorf ausweichen. Nun konnen sie quasi vor der Haustur abheben, um via Helsinki funf Destinationen in den USA und 20 Ziele in Asien zu erreichen. 83 Prozent der Deutschen Passagiere nutzen den finnischen Airport als Umsteigeflughafen.

Schneller über Nordeuropa

Das eigentliche Plus der Langstreckenfluge aus Helsinki nach Fernost und Nordamerika sind die vergleichsweise kurzen Flugzeiten, die sich aufgrund des Routings uber Nordeuropa ergeben. Wer von Hannover via Helsinki fliegt, kann Tokio in 13:50 Stunden und Hongkong in 14:10 Stunden erreichen. Auch Verbindungen an die Westkuste der USA konnen davon profitieren – so ist Los Angeles beispielsweise in 15:25 Stunden zu erreichen. Die Verbindung nach Hollywood wurde erst im Marz 2019 eroffnet. San Francisco und Chicago werden seit 2018 angeflogen.

Codeshare mit China Southern

Nahezu jeder vierte Geschaftsreisende reist in nordamerikanische Ziele. Wie der Airplus Business Travel Index zeigt, gehoren Chicago, San Francisco und L. A. zu den sechs beliebtesten Destinationen bei deutschen Businesstravellern. Doch das Land der aufgehenden Sonne holt auf. Bereits jede siebte Geschäftsreise geht nach China. Von Finnair werden inzwischen sieben chinesische Destinationen – Peking, Shanghai, Chongqing, Guangzhou, Hongkong, Najing und Xian – direkt aus Helsinki angeflogen. Über ein jüngst vereinbartes Codeshare mit China Southern sind die AY-Flugnummern der Finnair ab 1.Juni auf weiterführenden Routen in den Süden Chinas zu finden. Via Guangzhou können Finnair-Passagiere künftig fünf neue Destinationen erreichen: Changsha, Hangzhou, Sanya, Wenzhou, Xiamen. Um die Transfers zu vereinfachen, ist die finnische Airline am Flughafen Guangzhou das neue Terminal 2 umgezogen.

Am liebsten Double-Daily

Die neue Verbindung von Hannover ist die siebte, auf der Passagiere aus Deutschland in den Hub der Finnen fliegen können. Sowie es die Nachfrage erlaubt, soll der Service auf zweimal taglich aufgestockt werden. Ziel ist es, die Umsteigezeiten zu optimieren und dafür zu sorgen, dass deutsche Geschäftsreisende im finnischen Drehkreuz noch besser an die beiden Flugwellen um 17 Uhr und kurz vor Mitternacht angebunden werden, um auf die Langstrecke zu gehen. Das Konzept, kleine kostengünstige Maschinen als Feeder einzusetzen, hat sich bewährt. Entsprechende Double-Daily-Services aus Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München bestehen bereits. Berlin wird sogar viermal täglich bedient. Lediglich vom Flughafen Stuttgart, der im April 2018 an das Streckennetz der Finnen angebunden wurde, gibt es bislang auch nur einen täglichen Service. Die Kapazitäten werden jedoch auch hier ausgebaut. An starken Reisetagen wird die Route mit größerem Fluggerät wie dem A319 (126 Sitze) oder dem A320 (168 Sitze) aus der Finnair-Flotte bedient.

20 Prozent Umsatzplus geplant

Mit einem Kapazitätszuwachs von insgesamt 16 Prozent auf deutschen Strecken will Pellinen 2019 einen Umsatzzuwachs von 20 Prozent einfliegen. Trotz einer gewissen Reisezurückhaltung bei einigen deutschen Firmen, ist er optimistisch: „Wir sind auf gutem Weg und die starken Sommermonate kommen erst noch.“ Im September sollen günstige Preisangebote die Nachfrage nach Finnland und in die Fernziele zusätzlich stimulieren.

Keine Angst vor Billigfliegern

Von saisonalen Preisaktionen abgesehen, möchte der Generalmanager, der seit zehn Jahren für die Entwicklung der deutschsprachigen Märkte verantwortlich ist, eher ein Preisgefüge mit soliden Raten bieten. Doch das dürfte immer schwieriger werden. Denn nicht nur die Märkte in Europa und den USA sind hart umkämpft, auch die Preise Richtung Asien geraten zunehmend unter Druck. So wird die Strecke von Berlin nach Singapur bereits von Scoot, einem Low-Cost-Ableger der Singapore Airlines bedient. Doch Pellinen sieht darin so gut wie keine Konkurrenz zum Finnair-Produkt. In Berlin stellt der Finnair-Manager eher eine starke Nachfrage für Verbindungen in asiatische Businessmetropolen, wie Tokio und Seoul fest, die für Low-Cost-Anbieter weniger interessant sind.

Premium-Eco für die Langstrecke

Um das Langstrecken-Produkt weiter aufzuwerten, wird ab 2020/21 eine Premium Economy Class mit neuen Sitzen im A350 und A330 eingeführt. Trotz der neuen Sitzplatzklasse sollen die Sitze der Comfort Class – einer Economy-Klasse mit mehr Beinfreiheit – weiterhin bestehen bleiben. Die Premium-Sitzplätze sind die Antwort auf eine verstärkte Nachfrage aus den skandinavischen Ländern, doch Pellinen erwartet auch bei deutschen Geschäftsreisenden positive Resonanz.

Auslastung steigern – Stückkosten senken

Nachdem Finnair in den vergangenen Jahren auf vielen Strecken stark gewachsen ist, muss nun eine nachhaltige Nachfrage zu den Destinationen aufgebaut werden, um die Stückkosten zu senken. Angesichts hoher Kerosinkosten und Überkapazitäten durch die vorgezogenen Auslieferungen von zwei Airbus A350 musste der Carrier konzernweit im ersten Quartal 2019 einen operativen Verlust von 16,2 Millionen Euro ausweisen. Auch der Lufthansa Konzern hat im traditionell schwächsten Quartal einen Verlust vor Steuern hinnehmen müssen.

Fernost via München oder Helsinki 

Als Antwort auf das in den kommenden 20 Jahren von der IATA prognostizierte Passagierwachstum aus dem asiatischen Markt hat der Kranich-Carrier sein Asien-Drehkreuz unlängst am Flughafen München eingerichtet. Zusätzlich zu den täglichen Flügen nach Tokio-Haneda wurde die Strecke nach Osaka-Kansai von Frankfurt ins Erdinger Moos verlagert. Zudem hebt die Lufthansa täglich nach Bangkok ab. Münchner Passagiere für die Langstrecke via Helsinki zu gewinnen, dürfte damit für die Finnen ungleich schwieriger werden.