American Airlines erwartet für 2026 einen Verlust. Trotz Rekordumsatz im dritten Quartal fressen die Kerosinkosten die Marge auf. 2027 soll das Netz langsamer wachsen.

So viel Umsatz wie lange nicht, und trotzdem rote Zahlen: American Airlines hat seine Prognose für 2026 gesenkt und erwartet nun einen Verlust. Der Grund sind Kerosinpreise, die schneller steigen, als die Airline ihre Tickets verteuern kann. Für das kommende Jahr bremst der Carrier bereits sein Wachstum.

Die größte Fluggesellschaft der USA hat am Donnerstag ihre Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr deutlich zurückgenommen. American rechnet jetzt mit einem bereinigten Verlust zwischen 1,00 und 1,60 US-Dollar je Aktie. Zuvor hatte die Spanne noch von 65 Cent Gewinn bis 65 Cent Verlust gereicht, ein ausgeglichenes Ergebnis schien also möglich. An der Börse kam die Nachricht schlecht an: Die Aktie gab vorbörslich 3,5 Prozent nach.

American Airlines: Verlust im dritten Quartal trotz Umsatzsprung

Auf der Erlösseite lief das dritte Quartal glänzend. Der Umsatz kletterte um 19,3 Prozent auf 16,3 Milliarden US-Dollar und lag damit über der eigenen Prognose. Konzernchef Robert Isom sprach vom stärksten Wachstum, das er in seiner Laufbahn erlebt habe.

Unter dem Strich blieb dennoch ein Nettoverlust von 269 Millionen US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal mit 114 Millionen. Bereinigt um Sondereffekte stand ein Minus von 182 Millionen US-Dollar. Der Hauptgrund: Die Treibstoffrechnung stieg um 1,9 Milliarden US-Dollar oder 67,5 Prozent. Im Durchschnitt zahlte American 3,85 US-Dollar pro Gallone, umgerechnet rund 1,02 US-Dollar je Liter.

Premiumkabinen als Umsatztreiber bei American Airlines

Getragen wurde das Erlöswachstum vor allem von zahlungskräftigen Passagieren. In den Premiumkabinen nahm American 22,9 Prozent mehr ein, in der Economy 19,5 Prozent. Das Geschäft mit Firmenkunden, die über Rahmenverträge buchen, wuchs sogar um 27,6 Prozent. Besonders stark entwickelten sich die Lateinamerika-Strecken, wo der Passagiererlös je angebotener Sitzmeile um 21,1 Prozent zulegte.

Wie wichtig die vorderen Reihen inzwischen sind, zeigt eine Zahl der Airline: Etwa 30 Prozent der Sitze in Premiumklassen bringen rund die Hälfte der Ticketerlöse ein. Auf der Schmalrumpfflotte soll dieser Anteil durch Umrüstungen in den kommenden Jahren auf 40 Prozent steigen.

Kerosinpreis verschärft den Verlust von American Airlines im Schlussquartal

Im vierten Quartal dürfte sich die Lage weiter zuspitzen. Auf Basis der Terminmarktpreise vom 19. Oktober kalkuliert American mit durchschnittlich 4,70 US-Dollar je Gallone, etwa 1,24 US-Dollar pro Liter. Das ist fast das Doppelte des Vorjahreswerts und würde die Treibstoffkosten um rund 2,8 Milliarden US-Dollar erhöhen. Selbst bei einem erwarteten Umsatzplus von 19,5 bis 22,5 Prozent rechnet die Airline für das Quartal mit einem bereinigten Verlust zwischen 50 Cent und 1,10 US-Dollar je Aktie.

Die Kapazität soll zum Jahresende noch um 5,5 bis 6,5 Prozent wachsen. Für 2027 hat American jedoch angekündigt, das Netzwerk langsamer auszubauen als in diesem Jahr.

Branche ringt mit Ticketpreisen und Kapazität

American steht mit dem Problem nicht allein. Seit Beginn des Iran-Kriegs haben die US-Airlines ihre Preise kräftig erhöht. Laut US-Arbeitsministerium lagen die Flugpreise in den sieben Monaten bis September im Schnitt fast 23 Prozent über dem Vorjahr. Mit dem Anstieg der Kerosinpreise konnten sie trotzdem nicht Schritt halten.

Die Carrier stehen damit vor einem Balanceakt: Wie viel der Mehrkosten lässt sich an die Kunden weitergeben, ohne die bislang robuste Nachfrage abzuwürgen? Delta Air Lines und United Airlines haben bereits signalisiert, dass die Branche womöglich Kapazität abbauen muss, um das Preisniveau zu halten. Delta-Chef Ed Bastian hatte Anfang Oktober angedeutet, das Wachstum im kommenden Jahr könne weiter gedrosselt werden. Mit seiner Ankündigung für 2027 zieht American nun nach.