Die Geschichte von Air de Cologne war nur von kurzer Dauer. Dennoch gehörte die Tochtergesellschaft der SAS in den Jahren 1986 bis 1988 zu den Wegbereitern der Expressfracht am Flughafen Köln/Bonn. Sie ging in TNT Express auf, die ihrerseits von FedEx geschluckt wurde.

Dass es im Jahr 1986 zur Gründung der kleinen Frachtfluglinie Air de Cologne (A de C), mit ihrem Hub am Flughafen Köln/Bonn kam, hing mit der Frachtabteilung der skandinavischen Airline SAS zusammen.

Douglas DC-9-33AF, SAS, SAS Cargo
Die DC-9-33AF mit dem Kennzeichen SE-DBN und dem Taufnamen „Sigtrygg Viking“ flog für SAS zwischen 1969 und 1990 Frachtsendungen bei Tag und Nacht. Bild: SAS
Citroen Loadrunner, SAS Cargo
Die „Loadrunner“ waren dreiachsige Umbauten normaler Pkw der Typs Citroen CX. Ursprünglich wurden sie für die nächtliche Beförderung von druckfrischen Tageszeitungen zu den Kiosken gebaut. Bild: Luftfahrtarchiv Wolfgang Borgmann

Ein Jahr Zeit für SAS Cargo

Deren Management war zu Beginn der achtziger Jahre mit der finanziellen Entwicklung von SAS Cargo unzufrieden. Schließlich stand diese ganz im Gegensatz zum damaligen Boom der Passagierseite der selbst ernannten „Businessman’s Airline“. Ein Jahr gaben die Fliegenden Wikinger ihrer Frachtabteilung Zeit, um profitabel zu werden.

Fred. Olsen, Lockheed L-188, Electra
Die Lockheed L-188 Electra der norwegischen Fluglinie Fred. Olsen bildeten unter anderem das fliegende Rückgrat der Air de Cologne. Bild: Luftfahrtarchiv Wolfgang Borgmann

Und so ersannen die Skandinavier eine vom Rest der Airline unabhängige Tochtergesellschaft – eben jene Air de Cologne –, die im Jahr 1986 ihr nächtliches Drehkreuz am Flughafen Köln/Bonn aufschlug. Dafür übernahm sie das bereits existierende SAS-Frachtterminal am rheinischen Airport und den dort angesiedelten Hub des bestehenden Door-to-Door Overnight-Serivces von SAS Cargo.

Dass es zur Gründung einer eigenständigen Gesellschaft mit einer eigenen Identität kam, hing mit der Überlegung zusammen, dass SAS zwar in Skandinavien, jedoch nicht unbedingt auf dem europäischen Kontinent bekannt war. Der Name Air de Cologne und die Corporate Identity mit einem gelben Halbmond auf schwarzem Grund waren hingegen „Eyecatcher“, die nicht nur in der Cargobranche für Aufsehen sorgten.

SAS Cargo, Douglas DC-9-33AF
Auch die beiden Douglas DC-9-33AF von SAS Cargo flogen auf dem Streckennetz von Air de Cologne. Bild: SAS Museet

Nicht nur aus Skandinavien, sondern aus ganz Europa trafen die angemieteten Frachtmaschinen Nacht für Nacht in Köln/Bonn ein, um ihre Ladung untereinander sowie mit kleinen Transportern und „Loadrunner“-Kurierfahrzeugen auf Basis des Citroën CX zu tauschen. Das Versprechen lautete, vor 14 Uhr an Air de Cologne übergebene Frachtsendungen bereits am kommenden Werktag vor 14 Uhr am Zielort auszuliefern. Falls nicht, gab es das Geld zurück.

Air de Cologne, Citroen Loadrunner
Mit Anzeigen wie dieser warb Air de Cologne für ihr Expressfracht-Angebot.

Nacht für Nacht in Köln/Bonn

Ursprünglich aus gewöhnlichen Pkw für die schnelle nächtliche Verteilung druckfrischer Tageszeitungen umgebaut, rasten die bis zu 200 km/h schnellen „Loadrunner“ nun im Auftrag von Air de Cologne quer durch Europa. Selbst von Köln, über die Alpen hinweg nach Norditalien, was oft in schneereichen Wintern mit glatten Strassen für erhebliche Verspätungen sorgte – die A de C hohe Erstattungskosten bescherten.

Für den Lufttransport setzte Air de Cologne hingegen auf die beiden Douglas-DC-9-33AF-Frachter der SAS sowie auf die L-188-Turbopropflotte der norwegischen Fred. Olsen. Dazu kam eine Fokker F-27 der deutschen WDL (heute German Airways). Lediglich die „Electras“ erhielten die Hausfarben von Air de Cologne, während die übrige, angemietete Flotte weiterhin in ihren ursprünglichen Lackierungen flog.

Ärger mit den Speditionen

Das Geschäft brummte, und Air de Cologne machte sich unter den Verladern einen guten Namen. Nicht jedoch bei den Speditionen. Vor allem eine Werbekampagne auf dem skandinavischen Markt, die einen gelangweilten Spediteur einer bekannten Spedition zeigte, deren Logo zwar spiegelverkehrt, aber dennoch leicht zu erkennen war, löste einen Aufschrei der Empörung in der Branche aus.

Die Speditionen drohten SAS Cargo mit einem Boykott ihrer regulären Frachtdienste, was selbst die florierende Passagiersparte der Airline nicht hätte ausgleichen können.

Flughafen Köln/Bonn Luftfracht
Auf dieser Aufnahme sind, neben einem Frachtjumbo der Lufthansa unter anderem eine L-188 Electra in den Farben der Air de Cologne sowie zwei BAe 146 der TNT auf dem Frachtvorfeld in Köln/Bonn zu sehen. Das Foto entstand Mitte der achtziger Jahre. Bild: Luftfahrtarchiv Wolfgang Borgmann

Von SAS über TNT zu FedEx

Um die gesamte Airline nicht in Gefahr zu bringen, verkaufte SAS ihre Air de Cologne nach nur zwei Jahren für eine symbolische schwedische Krone an das niederländische Expressfrachtunternehmen TNT-Ipec. Zwar konnte Air de Cologne monatliche Zuwachsraten des Frachtvolumens von über 20 Prozent vorweisen, und die Tonnage überstieg jene von TNT um mehr als das Doppelte, doch war der Betrieb noch defizitär.

TNT führte das Konzept der SAS zehn Jahre lang erfolgreich in Köln/Bonn fort und machte sich als Pionierin von Nachtflügen, mit den sehr leisen vierstrahligen BAe-146-Frachtern, einen Namen.

FedEx, die im Jahr 2010 ihr deutsches Drehkreuz von Frankfurt/Main nach Köln/Bonn verlegt hatte, übernahm TNT Express im Mai 2016 für 4,4 Milliarden Euro. So ging in dem US-amerikanischen Global Player der Expressfrachtbranche auch ein Stück jener einst so eng mit Köln/Bonn verbundenen Expresspionierin mit skandinavischen Wurzeln auf.