Airbus Beluga: Abschied von einer Luftfahrt-Ikone
Nach der „Super Guppy“ verabschiedet Airbus nun auch seine auf dem A300 basierenden „Beluga“-Transporter. Bis auf eine Ausnahme sollen sie in europäischen Museen erhalten bleiben.
Nach 30 Dienstjahren fliegen sie nun nach und nach in den Ruhestand – die fünf Großraumtransporter vom Typ A300-600ST, die unter dem Namen „Beluga“ Bekanntheit erlangt haben. Seit 1996 transportierte Airbus mit der Beluga-Flotte Flugzeugsektionen aus den verschiedenen europäischen Produktionsstätten zur Endmontage nach Südfrankreich – Flügel aus Großbritannien, Rümpfe und Seitenleitwerke aus Deutschland, Höhenleitwerke aus Spanien.
Seit 2020 erledigen nun sechs Beluga-XL-Transporter den Job. Grund genug also, zurück in die Anfangsjahre der Großraumtransporter zu schauen. Die ersten Großbauteile aus den elf europäischen Flugzeugwerken hatten die letzte Etappe zur Endmontage noch auf dem Landweg zurückgelegt. Es ging über Feldwege und Landstraßen, über Behelfsbrücken, durch Städte und Dörfer mit engen kurvigen Straßen. Hochspannungsleitungen mussten entfernt, Bäume gefällt werden, damit das voluminöse Transportgut passieren konnte.
Airbus Beluga: Das ist die Geschichte dahinter
Das konnte keine Dauerlösung sein. Also entschied sich Airbus für den Lufttransport und erwarb von der US-amerikanischen Aero Spacelines zwei Großtransporter vom Typ SGT-201, die „Super Guppy“. Das Fluggerät mit dem seitlich aufklappbaren Bug hatte bis dato Raketenteile für die Nasa transportiert. Nun flog sie für Airbus, und der europäische Flugzeugbauer ließ gleich zwei weitere nachbauen. 16 Jahre pendelte das Quartett mit Flugzeugteilen aus Großbritannien, Spanien und Deutschland nach Toulouse, mehrmals an jedem Werktag und ohne besondere Vorkommnisse.
Doch die Airbus-Flugzeuge wurden größer, der Laderaum der Guppy erwies sich als zu klein für die mächtigen Rumpfsektionen. Ein neuer Transporter musste her. Die französischen und deutschen Airbus-Partner gründeten die Firma Satic (Special Aircraft Transport International Company), sie baute eine A300-600 um. Das Team um Satic-Präsident Udo Dräger sorgte dafür, dass der Super Transporter frist- und kostengerecht seine riesige Klappe für die Airbus-Sektionen aufreißen konnte. Und weil das Flugzeug große Ähnlichkeit mit einem weißen Wal hatte, wurde es „Beluga“ genannt.
Jeder Frachter absolvierte vier Flüge an jedem Werktag
Rund 10 000 Flugstunden waren die A300-600ST pro Jahr in der Luft. Jeder Frachter absolvierte vier Flüge an jedem Werktag. Weil sowohl die Ausmaße der Bauteile als auch die Produktionszahlen stiegen, übernahmen ab 2020 nach und nach sechs Beluga XL diesen Job, Transporter auf der Basis einer A330. Doch zurück zur Vorgängerin: Bis 1997 war die Guppy-Flotte für Airbus im Einsatz.
Eine wurde verschrottet. Eine hat ihren Platz im Luftfahrtmuseum Aeroscopia in Toulouse-Blagnac, gefunden, eine steht auf dem Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder auf der Museumswiese. Doch die Nummer vier fliegt noch! 1997 wurde sie von der Nasa übernommen und transportiert gelegentlich Module für die Raumfahrt.
Eine der beiden Belugas, die noch bis zum kommenden Jahr im Dienst unterwegs sind, soll ihren Ruhesitz im Technikmuseum Speyer finden. Die fünfte in der Flotte fliegt noch fleißig. Wo sie ab 2027 ihren Lebensabend verbringen wird, ist offen. Und die anderen drei dickbäuchigen Rentnerinnen? Die sind inzwischen attraktive Exponate im Museum – eine in Bordeaux, eine in Chester, eine weitere soll sich demnächst in Toulouse präsentieren.
Text: Sigrid Andersen, Fotos: Dietmar Plath











