Boeing rechnet mit fast 44.000 neuen Flugzeugen bis 2045. Der aktuelle Marktausblick zeigt, wie sich Passagieraufkommen, Luftfracht und Flottenbedarf weltweit entwickeln.

Boeing blickt trotz aktueller geopolitischer Unsicherheiten optimistisch in die Zukunft der zivilen Luftfahrt. Am Wochenende hat der US-Flugzeugbauer seinen jährlichen Commercial Market Outlook (CMO) für die Jahre 2026 bis 2045 vorgelegt. Das zentrale Ergebnis: Kurzfristige Störungen im Luftverkehr dürften das langfristige Wachstum der Branche nicht ausbremsen. Boeing geht davon aus, dass sich die weltweite Nachfrage nach Flugreisen in den kommenden zwei Jahrzehnten verdoppeln wird.

Boeing: Fast 44.000 neue Maschinen bis 2045

Nach der aktuellen Prognose benötigen Fluggesellschaften und Frachtbetreiber weltweit rund 44.000 neue Flugzeuge, um die steigende Nachfrage im Passagier- und Frachtverkehr zu decken. Etwa die Hälfte dieser Auslieferungen entfällt auf Ersatzbeschaffungen: Ältere, weniger effiziente Modelle sollen durch treibstoffsparendere Maschinen ersetzt werden. Damit wächst die globale Verkehrsflugzeugflotte laut Boeing um knapp 80 Prozent auf mehr als 50.000 Maschinen.

Den größten Anteil an den Auslieferungen haben mit rund 33.500 Einheiten Schmalrumpfflugzeuge, die vor allem im Kurz- und Mittelstreckenverkehr zum Einsatz kommen. Hinzu kommen etwa 7.700 Großraumflugzeuge für Langstrecken sowie knapp 1.500 Regionalflugzeuge und rund 930 reine Frachtmaschinen.

Nachfrage verschiebt sich, bricht aber nicht ein

Die Krise im Nahen Osten wirkt sich laut Boeing spürbar auf einzelne Streckennetze aus, ohne die grundsätzliche Reiselust der Menschen zu bremsen. Statt auf Flugreisen zu verzichten, weichen Passagiere demnach auf andere Ziele und Routen aus. Besonders der Punkt-zu-Punkt-Verkehr sowie Kurzstrecken im Freizeitsegment legen zu, während der Langstreckenverkehr in einigen Regionen, darunter der Nahe Osten, derzeit am stärksten betroffen ist.

Langfristig bleibt laut Boeing der Ausbau familiärer und freundschaftlicher Beziehungen über Landesgrenzen hinweg, wachsender Tourismus sowie internationaler Handel eine treibende Kraft für die Luftfahrt. Boeing rechnet mit einem jährlichen Wachstum des Passagierverkehrs von rund 4 Prozent, was bis 2045 zu einer Verdopplung des globalen Flugaufkommens gegenüber 2026 führen würde.

Airlines setzen auf neue Strecken und differenzierte Angebote

Seit 2015 haben Fluggesellschaften laut Boeing weltweit rund 5.500 neue Streckenverbindungen eingerichtet, ein Netzwachstum von fast 30 Prozent. Gleichzeitig differenzieren Airlines ihr Angebot zunehmend: Während in Nordamerika und Nordostasien Premium-Angebote wegen steigender Einkommen an Bedeutung gewinnen, bauen Billigfluggesellschaften ihr Angebot vor allem in Schwellenländern wie Lateinamerika, Osteuropa und Südostasien aus. Kostengünstige Airlines wachsen dabei mit knapp 4 Prozent pro Jahr schneller als klassische Netzwerk-Carrier mit etwa 3 Prozent.

Bei der regionalen Verteilung der Neubestellungen erwartet Boeing ein ausgewogenes Bild: Etablierte Märkte wie Nordamerika, Eurasien, Ozeanien und Nordostasien kommen auf einen Anteil von rund 45 Prozent, während Schwellen- und Übergangsmärkte wie China, der Nahe Osten, Lateinamerika sowie Süd- und Südostasien mit etwa 55 Prozent den größeren Teil der Auslieferungen ausmachen.

Luftfracht wächst trotz geopolitischer Spannungen

Auch im Frachtgeschäft zeigt sich die Branche widerstandsfähig. Trotz weltweiter Marktstörungen ist die internationale Frachterkapazität im laufenden Jahr bereits um 5 Prozent gestiegen. Bis 2045 rechnet Boeing mit einem jährlichen Wachstum des Luftfrachtverkehrs von etwa 3,7 Prozent, schneller als das globale Wirtschafts- und Handelswachstum. Getrieben wird diese Entwicklung durch den Transport hochwertiger, verderblicher und zeitkritischer Güter sowie durch den grenzüberschreitenden Online-Handel.