BFU-Zwischenbericht zum Lufthansa-Bugfahrwerk-Unfall in Frankfurt nennt deutlich mehr Verletzte als bisher bekannt.

Der Zwischenfall mit einer Boeing 787-9 der Lufthansa am Frankfurter Flughafen Anfang Juni nimmt konkrete Formen an. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat einen Zwischenbericht veröffentlicht, der zeigt: Der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk war zum Unfallzeitpunkt nicht gesetzt. Gefunden wurde er später in der dafür vorgesehenen Aufbewahrungskiste unterhalb des Cockpits – nicht am Fahrwerk selbst.

Lufthansa-Dreamliner: Mehr Verletzte als ursprünglich bekannt

Der Bericht bringt zudem neue Zahlen zu den Personenschäden. Statt der von Lufthansa unmittelbar nach dem Vorfall genannten fünf Verletzten spricht die BFU nun von zwei Schwerverletzten und 21 Leichtverletzten. An Bord der Maschine mit der Kennung D-ABPQ befanden sich zum Unfallzeitpunkt keine Passagiere, wohl aber 13 Crewmitglieder sowie 13 Beschäftigte der Bodenabfertigung. Die Fluggäste des als LH450 nach Los Angeles geplanten Flugs warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf das Boarding am Gate A15 von Terminal 1.

Testlauf am Fahrwerk endete mit Bugaufschlag

Ausgelöst wurde der Unfall laut BFU während eines Wartungstests. Zwei Techniker saßen auf den Pilotensitzen und wollten eine offene technische Beanstandung an der Steuerung der Hauptfahrwerkstüren abarbeiten. Ein entsprechender Fehlerbericht zur Klappensteuerung war bereits am Vorabend im System des Flugzeugs vermerkt worden. Im Rahmen des Tests musste der Fahrwerkshebel in die Position „UP“ gebracht werden – ein Schritt, der bei korrekt gesetztem Sicherungsstift folgenlos bleiben sollte. Da der Stift jedoch fehlte, fuhr das Bugfahrwerk unmittelbar ein, und der vordere Rumpf der Maschine schlug auf dem Rollfeld auf. Nach BFU-Angaben schlug die Cockpittür durch den Aufprall zu, gleichzeitig fiel die Stromversorgung aus und die Kabinenbeleuchtung erlosch.

Schäden an der 787 noch nicht vollständig bewertet

Zu den konkreten Unfallursachen äußert sich die BFU im aktuellen Zwischenbericht ausdrücklich noch nicht – die Ermittlungen dazu laufen weiter. Dokumentiert sind bislang Rumpfschäden im Bereich der vorderen Frachttür sowie ein verbogener Türmechanismus. Lufthansa prüft derzeit, wie umfangreich die Instandsetzung der Maschine ausfallen wird; eine belastbare Einschätzung dazu lag dem Unternehmen Anfang Juli noch nicht vor. Die betroffene 787-9 ist erst seit Jahresbeginn 2026 im Liniennetz der Fluggesellschaft im Einsatz.

Auffällig wurde der fehlende Stift bereits am Unfallort selbst: Nachdem rund 60.000 Kilogramm Kraftstoff abgelassen und das Flugzeug mit Luftkissen wieder angehoben worden war, stellten die Ermittler fest, dass der Verriegelungsstift weder in der vorgesehenen Bohrung steckte noch sich sonst im Bereich des Bugfahrwerks befand.

Ähnlicher Fall bereits bei British Airways

Der Vorfall erinnert an ein vergleichbares Ereignis vor fünf Jahren bei British Airways in London, bei dem ebenfalls ein Fahrwerkstest problematisch verlief. Dort war der Sicherungsstift zwar gesetzt, allerdings falsch positioniert. Ob sich aus beiden Fällen ein systematisches Problem bei Wartungsabläufen an Boeing-787-Fahrwerken ableiten lässt, ist bislang offen. Der endgültige BFU-Bericht mit einer klaren Ursachenfeststellung steht noch aus.