Auf der ILA 2026 in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz Deutschlands neue Luftfahrtstrategie vorgestellt. Die Branche begrüßt erste Entlastungen – fordert aber deutlich mehr.

Deutschland will führende Luftfahrtnation bleiben – das ist die Kernbotschaft, die Bundeskanzler Friedrich Merz zur Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin aussandte. Das Bundeskabinett hatte kurz zuvor eine neue nationale Luftfahrtstrategie beschlossen, die den Kurs für die nächsten 15 Jahre abstecken soll.

„Unsere Luft- und Raumfahrtindustrie sichert nicht nur Innovation und Wirtschaftskraft – sie sichert eben auch unsere Souveränität und unsere Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Merz. Die Aussage spiegelt einen breiteren Wandel in der deutschen Politik wider: Industriepolitik und Verteidigungsfähigkeit werden zunehmend im selben Atemzug diskutiert.

Die Strategie begreift die Luftfahrt als globalen Wachstumsmarkt mit langfristiger Perspektive. Gemeinsam mit den europäischen Partnern soll Deutschland dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben. Verkehrsminister Patrick Schnieder bekräftigte den Kurs und stellte Investitionen in Modernisierung, nachhaltige Technologien und Digitalisierung in Aussicht.

Konkrete Entlastungen im Rahmen der Luftfahrtstrategie

Neben der strategischen Rahmensetzung kündigte die Bundesregierung ein Paket finanzieller Maßnahmen an. Der Bundestag hatte bereits im Mai die zuletzt beschlossene Erhöhung der Luftverkehrsteuer wieder zurückgenommen – eine Entscheidung, die noch den Bundesrat passieren muss. Merz ergänzte, dass die Flugsicherungsgebühren gesenkt und die entsprechenden Kosten für Regionalflughäfen künftig vollständig vom Bund übernommen werden sollen. Das Gesamtpaket werde den Luftverkehr um rund eine halbe Milliarde Euro entlasten.

Ob das ausreicht, bleibt umstritten. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) anerkannte die Schritte, fiel in seiner Einschätzung aber deutlich aus: Deutschland gehöre nach wie vor zu den schwächsten Luftfahrtmärkten Europas, was die Erholung nach der Corona-Pandemie betrifft. Hauptgeschäftsführer Joachim Lang machte überhöhe staatliche Standortkosten dafür verantwortlich, dass der Rückstand gegenüber dem restlichen Europa nicht aufgeholt werden könne. Wer Arbeitsplätze sichern und die internationale Anbindung des Exportlandes Deutschland erhalten wolle, müsse staatliche Kosten, Bürokratie und wettbewerbsverzerrende Belastungen konsequent abbauen, so Lang.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte weitergehende Entlastungen bei Luftverkehrsteuer und Sicherheitsgebühren. Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Holger Lösch verwies darauf, dass mehr als ein Fünftel des deutschen Handels mit Nicht-EU-Staaten über den Luftweg abgewickelt wird – und machte damit deutlich, was gesamtwirtschaftlich auf dem Spiel steht.

Nachhaltige Kraftstoffe und die Frage der Regionalflughäfen

Die Strategie widmet sich auch dem Umbau hin zu einer klimaschonenden Luftfahrt, unter anderem durch den Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe zur Senkung von CO₂-Emissionen. Der Grünen-Verkehrspolitiker Tarek Al-Wazir kritisierte jedoch, dass die Bundesregierung keine klare Zuständigkeit für den dringend notwendigen Hochlauf der SAF-Produktion benenne.

Al-Wazir übte zudem Kritik an der Entscheidung, das kleinteilige Netz regionaler Flughäfen dauerhaft mit Bundesmitteln zu fördern. Viele dieser Standorte schrieben regelmäßig rote Zahlen und konkurrierten aufgrund ihrer räumlichen Nähe miteinander. Flughäfen ohne tragfähige Zukunftsperspektive sollten zu Verkehrslandeplätzen umgewandelt werden, anstatt auf unbestimmte Zeit subventioniert zu bleiben.

750 Aussteller – und Proteste vor dem Eingang

Die ILA zog in diesem Jahr rund 750 Aussteller aus 37 Ländern auf das Gelände am Rande des Berliner Flughafens BER. Bis Freitag ist die Messe ausschließlich für Fachbesucher geöffnet; am Wochenende können dann auch alle Interessierten das Ausstellungsgelände besuchen.

Die Eröffnung wurde kurzzeitig durch Proteste gestört: Aktivisten der Gruppe „Peacefully against Genocide“ blockierten Zufahrtsstraßen zur ILA, mehrere Personen klebten sich auf der Fahrbahn fest. Die Polizei löste die Blockaden auf; den Beteiligten werden Verstöße gegen das Versammlungsfreiheitsgesetz sowie gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr vorgeworfen. Im Fokus der Protestaktion standen nach Angaben der Gruppe die Auftritte von Rüstungskonzernen auf der Messe.