Die Piloten der Lufthansa-Regionaltochter Cityline haben in einer Urabstimmung für einen Streik gestimmt. Die Gewerkschaft Cockpit fordert höhere Gehälter, Lufthansa lehnt bisher ab.

Die Piloten der Lufthansa-Regionaltochter Cityline haben in einer Urabstimmung mehrheitlich für einen Streik gestimmt. Laut der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nahmen 95 Prozent der Mitglieder an der Abstimmung teil, davon unterstützten 99 Prozent die vorgeschlagenen Schritte der Group-Tarifkommission (GTK). Ein konkreter Termin für den möglichen Arbeitskampf steht noch nicht fest.

Tarifstreit bei Lufthansa Cityline: Gehaltsforderung von elf Prozent

Die Cockpit-Gewerkschaft fordert für die Cityline-Piloten einen neuen Vergütungstarifvertrag. Aktuell liegt die Gehaltsforderung bei rund elf Prozent. Hintergrund ist der geplante Umbau der Regionaltochter: Lufthansa will Cityline bis 2026 weitgehend reduzieren und die Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München an die neue, noch untarifierte Tochtergesellschaft City Airlines übertragen.

Mehrere Verhandlungsrunden hatten bisher kein tragfähiges Angebot von Lufthansa hervorgebracht. Zwar unterbreitete die Airline am 25. Februar ein Angebot ohne Gegenfinanzierungsforderung, doch VC-Präsident Andreas Pinheiro bezeichnete dieses als unzureichend. Insbesondere kritisiert die Gewerkschaft die geplante Friedenspflicht bis Ende 2027, die alle tariflich regelbaren Themen blockieren würde.

Auswirkungen eines Cityline-Streiks auf Lufthansa

Cityline betreibt rund 30 Jets und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten. Ein Streik bei der Regionaltochter hätte daher direkte Auswirkungen auf den Lufthansa-Konzern und könnte zu massiven Flugausfällen führen – ähnlich wie beim letzten Streik der Lufthansa-Kerngesellschaft, bei dem mehr als 800 Flüge ausfielen und etwa 100.000 Passagiere betroffen waren.

Zudem besteht eine enge Verbindung zwischen den Tarifverhandlungen von Cityline und der Lufthansa-Kerngesellschaft. Beide Betriebe werden von einer gemeinsamen Tarifkommission betreut, die auch die Betriebsrenten der rund 4.800 Cockpitkräfte regelt. Daher könnten koordinierte Aktionen in beiden Gesellschaften wahrscheinlich sein.

Lufthansa setzt auf Moderation und Reformvorschläge

Lufthansa hat nach dem jüngsten Streik bei der Kerngesellschaft externe Moderation vorgeschlagen, um über die Organisation des Flugbetriebs zu verhandeln. Gleichzeitig wurden Reformen im Betriebsrentensystem angeboten. Für die Piloten sind diese Verhandlungen auch relevant für Karriereperspektiven innerhalb der Konzernflugbetriebe.

Die Gewerkschaft VC lehnt bisherige Management-Vorschläge ab und kritisiert die Konzernstrategie, neue Tochtergesellschaften wie City Airlines und Discover Airlines einzusetzen, um Druck auf die Arbeitsbedingungen älterer Konzernflieger auszuüben. Rechtlich konzentriert sich die VC jedoch ausschließlich auf Forderungen, die tarifvertraglich umsetzbar sind.