Manfred Helldoppler ist seit 2001 Mitglied der TAA-Geschäftsführung und agierte ab 2006 als Geschäftsführer der Tyrolean Airways. Mitte 2010 wechselte er zur Welcome Aviation Group und wurde dort Chief Operating Officer (COO) der Air Alps, Welcome Air sowie Tyrol Air Ambulance.

AERO INTERNATIONAL: Was macht Ihren Job so herausfordernd?

Manfred Helldoppler: Wir bewegen uns in einem Umfeld mit einem Überangebot an Ambulanzfluganbietern. Jedes Unternehmen operiert nach unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben der jeweiligen Luftfahrtbehörden. Selbst innerhalb der Europäischen Union gibt es keine einheitlichen Regeln für Ambulanzflüge. Einige Beispiele dafür sind die bestehende Ungleichheit aufgrund von länderspezifischen Haftungsfragen, unterschiedliche medizinische Standards oder unterschiedliche Trainingsstandards der medizinischen Crews.

Hinzu kommen immer wieder zeitliche Verzögerungen bei der Abfertigung von Ambulanzflügen auf den Airports trotz der medizinischen Dringlichkeit sowie wirtschaftliche Aspekte, die teilweise nicht mit den medizinischen Aspekten deckungsgleich sind. Der Zeitpunkt des Erhalts aller Informationen für die Mission ist wesentlich für die gesamte Flugplanung. Politische Unruhen und Krisenherde können diese erschweren und zum Teil komplexe Umwege notwendig machen.

Sammeltransport nach Tsunami in Südostasien

Am späten Abend die erforderlichen Bodentransporte zu organisieren, ist ebenfalls herausfordernd. Verändert sich der medizinische Zustand des Patienten, ist er bei Übergabe an uns nicht mehr flugfähig oder Covid-positiv, müssen wir auch darauf reagieren. Und was viele so nicht auf dem Schirm haben: Viele Flughäfen mit besonderen Anforderungen wie beispielsweise Kathmandu in Nepal erfordern spezielle Genehmigungen, über die wir verfügen, um flexibel und schnell reagieren zu können.

Was waren die spektakulärsten Einsätze der Tyrol Air Ambulance?

Bei einem Japan-Flug war die Falcon 900 das erste in Österreich registrierte Flugzeug, das eine Route über Sibirien geflogen ist, also noch vor Aufnahme der Tokio-Flüge durch Austrian Airlines mit A310 via Moskau. Von Hawaii wurde ein Intensiv-Patient mit der Falcon 900 mit nur einem Stopp nach Graz geflogen. Es gab mit der Falcon 900 auch einen Flug von Australien nach Europa mit zwei Tank-Stopps. Auch die Citation ist weit gekommen: zum Beispiel bis nach Südafrika oder nach Thailand. Der längste Flug der Dornier 328 war nach dem Tsunami in Südostasien 2004 ein Sammeltransport mit vier Intensiv-Patienten von Phuket nach Europa. Das war eine große logistische Herausforderung.

Managing Director der Tyrol Air Ambulance über Zukunftspläne

Wie soll es mit Tyrol Air Ambulance weitergehen?

Kurzfristig ist geplant, die G100, Kennung OE-GBD, und die Citation Bravo mit der Registrierung OE-GPS durch Flugzeuge gleichen Typs mit weniger Flugstunden zu ersetzen. Beide Typen sind unserer Meinung nach für das jeweilige Einsatzspektrum ideal. Besonders für die G100 gibt es zurzeit kein Nachfolgemuster mit ähnlichen Leistungsmerkmalen, vor allem was die Reichweite anbelangt. Abhängig von der Entwicklung der Nachfrage denken wir mittelfristig an ein sechstes Flugzeug. Und die Medical Assistance Business Unit werden wir weiter zu einer Travel Assistance ausbauen.

Text: Lutz Schönfeld