Schwerer Zwischenfall bei TAP: A320 unterschreitet Höhe im Anflug auf Prag deutlich
Schwerer Zwischenfall bei TAP Air Portugal: Ein A320 unterschreitet im Anflug auf Prag die freigegebene Höhe deutlich. Die Untersuchung durch die ÚZPLN läuft.
Am 17. Januar 2026 ist ein Airbus A320-200N (CS-TVG) der TAP Air Portugal im Anflug auf Václav-Havel-Flughafen Prag in einen schweren Zwischenfall geraten. Die Maschine befand sich auf Flug TP1240 von Lissabon nach Prag.
Wie die tschechische Untersuchungsbehörde ÚZPLN am 12. Februar 2026 mitteilte, unterschritt die Besatzung im Endanflug die freigegebene Höhe von 4000 Fuß MSL deutlich. Der Vorfall wurde als „serious incident“ eingestuft, die Untersuchung dauert an.
Deutliche Unterschreitung der Mindestsicherheitshöhe
Rund 17 nautische Meilen vor der Schwelle der Piste 06 befand sich der Airbus stabil auf 4000 Fuß MSL – und damit oberhalb der veröffentlichten Mindestsicherheitshöhe (MSA) von 3600 Fuß.
In der Folge leitete die Crew jedoch einen steilen Sinkflug ein. Die Maschine sank auf etwa 2600 Fuß MSL; ADS-B-Daten zufolge – druckkorrigiert – sogar bis auf 2425 Fuß. Bei einer Geländehöhe von 1577 Fuß MSL entsprach dies nur noch rund 1000 Fuß über Grund – und damit etwa 1000 Fuß unter der Mindestsicherheitshöhe.
Die Flugsicherung erkannte die Abweichung und forderte die Besatzung umgehend zum Steigflug auf. Daraufhin stieg das Flugzeug auf rund 5200 Fuß MSL, flog eine linke 360-Grad-Kurve und wurde anschließend wieder auf 4000 Fuß stabilisiert.
Die Landung erfolgte etwa elf Minuten später ohne weitere Auffälligkeiten. Auch der Rückflug nach Lissabon startete planmäßig.
Anspruchsvolle, aber zulässige IFR-Bedingungen
Die Wetterbedingungen in Prag waren zum Zeitpunkt des Ereignisses winterlich anspruchsvoll, aber nicht außergewöhnlich für einen IFR-Betrieb.
In den frühen Morgenstunden herrschten bei Temperaturen um 2 °C und nahezu identischem Taupunkt dichter Bodennebel. Zeitweise lagen die Sichtweiten bei nur 500 bis 800 Metern, die RVR-Werte um 600 Meter und die vertikale Sicht bei 200 Fuß – begleitet von leichtem Sprühregen.
Gegen Mittag verbesserte sich die horizontale Sicht auf 2600 bis 3200 Meter. Die Wolkenuntergrenzen lagen jedoch weiterhin zwischen 400 und 600 Fuß, bei einer geschlossenen Schicht in 1100 bis 1300 Fuß. Der Luftdruck war mit QNH 1023 hPa stabil, die Winde wehten nur schwach.
Damit bewegte sich der Anflug klar im IFR-Rahmen mit niedrigen, jedoch für einen ILS-Anflug auf Piste 06 grundsätzlich zulässigen Bedingungen.
Hinweise auf mögliches Höhenmanagement-Problem
Die deutliche und bereits in größerer Entfernung vom Platz erfolgte Unterschreitung der freigegebenen Höhe spricht eher gegen ein reines Wetterphänomen. Vielmehr deutet vieles auf ein Problem im Höhenmanagement hin – etwa durch eine Mode-Verwechslung oder eine Fehlbedienung im Zusammenspiel von Autopilot und Flight Management System.
Die weiteren Ergebnisse der Untersuchung durch die ÚZPLN dürften hier entscheidende Klarheit bringen.
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