Norwegian lässt IAG zappeln – Streiks quälen Air France-KLM
Streiks reißen den Lufthansa-Konkurrenten Air France-KLM tiefer in die roten Zahlen. Bei der British-Airways-Mutter IAG sorgen dagegen höhere Ticketpreisen für ein sattes Gewinnplus. Ärger gibt es aber auch dort. Paris/London/Fornebu (dpa) – Teure Streiks bei Air France, sprudelnde Gewinne bei der British-Airways-Mutter IAG: Für die Lufthansa-Rivalen aus Frankreich und Großbritannien könnte es unterschiedlicher kaum laufen. […]
Streiks reißen den Lufthansa-Konkurrenten Air France-KLM tiefer in die roten Zahlen. Bei der British-Airways-Mutter IAG sorgen dagegen höhere Ticketpreisen für ein sattes Gewinnplus. Ärger gibt es aber auch dort.
Paris/London/Fornebu (dpa) – Teure Streiks bei Air France, sprudelnde Gewinne bei der British-Airways-Mutter IAG: Für die Lufthansa-Rivalen aus Frankreich und Großbritannien könnte es unterschiedlicher kaum laufen. Der von Verlusten gebeutelte Air-France-KLM-Chef Jean-Marc Janaillac hat seine berufliche Zukunft mit dem schwelenden Tarifstreit verknüpft. Und IAG-Chef Willie Walsh schlägt sich mit dem norwegischen Billigflieger Norwegian herum, der sich keineswegs billig von IAG schlucken lassen will.
So ist IAG mit ihren Übernahmeplänen für Norwegian bisher abgeblitzt. Zwei von IAG vorgelegte Gebote hätten die Airline und ihre Perspektiven zu niedrig bewertet, teilten die Norweger am Freitag in Fornebu mit. Zu IAG gehören neben British Airways bereits die spanischen Fluggesellschaften Iberia und Vueling, die irische Aer Lingus und die neue Billig-Langstrecken-Airline Level.
Das eigentliche Geschäft lief bei IAG im ersten Quartal glänzend. Dank höherer Ticketpreise erzielte der Konzern abseits von Sondereffekten einen operativen Gewinn von 280 Millionen Euro und damit 75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich sprang der Gewinn sogar von 72 auf 794 Millionen Euro in die Höhe, weil IAG nach einer Einigung auf ein neues Betriebsrenten-System ihre Verpflichtungen deutlich reduzieren konnte. Der Umsatz legte um gut zwei Prozent auf 5 Milliarden Euro zu.
Ganz anders erging es Air France-KLM zum Jahresstart. Die Streiks von Piloten und anderen Mitarbeitern kosteten den französisch-niederländischen Konzern im ersten Quartal bereits 75 Millionen Euro. Im Gesamtjahr dürften die Streiks in Frankreich den operativen Gewinn dem Management zufolge um mindestens 300 Millionen Euro drücken. Von Januar bis März verbuchte Air France-KLM einen operativen Verlust von 118 Millionen Euro nach einem Minus von 33 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Auch am Freitag streikten Beschäftigte bei der französischen Sparte Air France für höhere Gehälter. Die Gesellschaft strich rund ein Viertel ihrer Verbindungen. Es war bereits der 13. Streiktag seit Ende Februar. Die Schwester-Airline KLM ist davon nicht betroffen. Am Freitagabend sollte das Ergebnis einer Mitarbeiterabstimmung über den jüngsten Vorschlag des Managements veröffentlicht werden, mit der das Unternehmen Bewegung in den festgefahrenen Tarifkonflikt bringen will. Konzernchef Janaillac hat für den Fall einer Abstimmungsniederlage seinen Rücktritt angedroht.
Die französischen Gewerkschaften fordern für die Air-France-Beschäftigten eine sofortige Gehaltserhöhung um 5,1 Prozent, nachdem der Konzern seinen Gewinn 2017 kräftig gesteigert hatte. Das Unternehmen bietet 7 Prozent gestreckt über vier Jahre an. Finanzchef Frederic Gagey sagte, es sei bedauerlich, dass Air France-KLM von der starken Nachfrage nach Flugtickets derzeit nicht profitiere.
Klassische Airlines wie Lufthansa, British Airways und Air France-KLM kämpfen seit Jahren mit der Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet. Wie IAG mit Vueling und Level, hat Air France-KLM mit Transavia und Joon eigene Billig-Ableger am Start.