Es war eine unfassbare Tragödie: Auf dem Weg zum bisher größten Fußballspiel der Vereinsgeschichte stürzt das Team des Clubs Chapecoense ab, wegen Treibstoffmangels. Die Angehörigen der Toten warten noch immer auf Entschädigungen. Nun geht es vor Gericht. Medellín/Chapecó (dpa) – Ein Jahr nach dem Flugzeugabsturz mit dem brasilianischen Fußballteam Chapecoense an Bord pocht der Verein auf […]

Es war eine unfassbare Tragödie: Auf dem Weg zum bisher größten Fußballspiel der Vereinsgeschichte stürzt das Team des Clubs Chapecoense ab, wegen Treibstoffmangels. Die Angehörigen der Toten warten noch immer auf Entschädigungen. Nun geht es vor Gericht.

Medellín/Chapecó (dpa) – Ein Jahr nach dem Flugzeugabsturz mit dem brasilianischen Fußballteam Chapecoense an Bord pocht der Verein auf eine Millionenentschädigung. Wie der Club am Mittwoch mitteilte, werde man auf juristischem Wege gegen die Versicherung der Charterfluggesellschaft LaMia und den bolivianischen Staat vorgehen.

Ein Versicherungsunternehmen hatte sich nach der Tragödie geweigert, die fällige Police in Höhe von 25 Millionen Dollar zu zahlen, da LaMia bei den Versicherungszahlungen in Verzug gewesen sei. Zudem handele es sich wegen des Treibstoffmangels, der zum Absturz führte, um grobe Fahrlässigkeit. LaMia war in Bolivien gemeldet.

Es gibt auch Vorwürfe gegen die Flugsicherheitsbehörde des Landes, da die dort gestartete Maschine, die kurz vor dem Flughafen im kolumbianischen Medellin in der Nacht vom 28. auf den 29. November 2016 abstürzte, mit der zu knapp bemessenen Kerosinmenge womöglich nicht hätte starten dürfen.

Am Jahrestag wurde der 71 Todesopfer in einer bewegenden Zeremonie gedacht – sechs Menschen überlebten den Absturz, drei Spieler, ein Radioreporter und zwei Besatzungsmitglieder. In der kolumbianischen Gemeinde La Unión, wo das Flugzeug im Landeanflug auf Medellín an einem Berg abgestürzt war, wurden Blumen niedergelegt und eine Tafel mit den Namen aller Opfer und der Überlebenden enthüllt. Viele Menschen schrieben persönliche Botschaften, die in das brasilianische Chapecó geschickt werden sollen, dem Heimatort des Fußballvereins.

Dort gab es in der Nacht zum Zeitpunkt des Absturzes vor einem Jahr um 01.15 Uhr Ortszeit im Stadion des Clubs einen Gedenkgottesdienst. Der Flugzeugabsturz war ein Ereignis von kaum zu überbietender Tragik: Der 1973 gegründete Verein war auf dem Weg zum bisher größten Spiel seiner Geschichte: dem Hinspiel um die Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín. Atlético überließ «Chape» den Titel des Südamerika-Meisters 2016.

Der sportliche Neubeginn mit mehr als 20 neuen Spielern ist schwer. Zwei Trainer mussten gehen, nach langem Abstiegskampf feierte «Chape» in Brasiliens Serie A erst kurz vor dem Jahrestag den Klassenerhalt.

Von den drei überlebenden Spielern feierte Alan Ruschel im August bei einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona ein emotionales Comeback, Abwehrspieler Neto setzt auf eine Rückkehr 2018. Dem überlebenden Torwart Jackson Follmann musste der rechte Unterschenkel amputiert werden – er unterstützt den Neuanfang moralisch und war auch bei einem Empfang durch Papst Franziskus in Rom mit dabei.