Air Berlin bleibt angeschlagen, das zeigt die jüngste Bilanz. Der neue Vorstandschef Pichler muss erst zeigen, dass seine Rezepte wirken. Leichter wird es angesichts starker Konkurrenz nicht. Berlin (dpa) – Wer rettet Air Berlin? Nach Joachim Hunold, Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer versucht Stefan Pichler als vierter Chef Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nach jahrelangem Trudeln auf […]

Air Berlin bleibt angeschlagen, das zeigt die jüngste Bilanz. Der neue Vorstandschef Pichler muss erst zeigen, dass seine Rezepte wirken. Leichter wird es angesichts starker Konkurrenz nicht.

Berlin (dpa) – Wer rettet Air Berlin? Nach Joachim Hunold, Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer versucht Stefan Pichler als vierter Chef Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nach jahrelangem Trudeln auf Gewinnkurs zu bringen. Mit einem Rekordverlust 2014 und hohen Schulden steht das neue Management noch stärker unter Druck, mit der Fliegerei endlich Geld zu verdienen. Die größte Hoffnung liegt auf höheren Preisen für die Flugtickets. Zur Not bleibt immer noch der reiche Onkel aus Abu Dhabi, die Partner-Airline Etihad, die auch der größte Aktionär bei Air Berlin ist.

«Natürlich hat die Firma keine Zeit zu verlieren», sagt Pichler. «Alles was wir angehen, muss möglichst effizient, konsequent und schnellstmöglich umgesetzt werden.» Der 57-Jährige streicht noch mehr unrentable Flüge, tauscht Manager aus und versucht die Online-Verkäufe zu steigern. Trotz der Eile steht zunächst eine Verschiebung an: Die endgültige Bilanz für 2014 legt Air Berlin erst Ende April vor, einen Monat später als geplant. Man müsse sich nicht beeilen, wenn der Gesetzgeber dem Unternehmen bis dahin Zeit lasse, sagt der scheidende Finanzchef Ulf Hüttmeyer.

Doch klar ist auch: Die Sanierung kostet Millionen. Und je mehr Kosten Air Berlin noch rückwirkend im alten Jahr verbucht, desto leichter wird es, das Ergebnis im neuen Jahr zu steigern. Einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stellt Pichler ohnehin erst für 2016 in Aussicht. Für den Konzernumbau im vergangenen Jahr nennt das Unternehmen am Freitag erst einmal eine Spanne von 85 bis 110 Millionen Euro. Entsprechend höher oder niedriger fällt am Ende der Verlust aus.

Auch bei Pichlers Vorgängern hieß es oft: «Nächstes Jahr wird besser.» Geklappt hat es meist nicht. Warum das diesmal anders sein soll als bisher? Pichler reagiert am Freitag leicht gereizt auf die Frage. «Was in der Vergangenheit passiert ist, kann mich nicht interessieren», stellt er klar.

Die Ausgangssituation ist ernst: Mit einer Ausnahme flog Air Berlin seit sieben Jahren Verluste ein, zuletzt war das Minus mit mindestens 362 Millionen Euro so hoch wie nie zuvor. Der Schuldenberg ist mit 810 Millionen Euro zum Jahreswechsel noch gewachsen. Das Eigenkapital ist seit Jahren negativ.

Immerhin: Erste Erfolge sind zu sehen. Seit Oktober bekam Air Berlin im Durchschnitt mehr Geld je Ticket als ein Jahr zuvor, während die Lufthansa nach 2014 auch für 2015 weiteren Preisverfall erwartet. Allerdings hat Air Berlin bei den Ticketpreisen auch erheblichen Nachholbedarf, wie man selbst im Unternehmen einräumt.

Schließlich kann man es auch so sehen: Wer mit knapp 32 Millionen Fluggästen den genannten Verlust einfliegt, hat jedem Fluggast elf Euro geschenkt. Bei den Kosten versucht die Airline schon das letzte herauszuquetschen. Sie sanken 2014 um mehr als vier Prozent. Dabei verdienen die Mitarbeiter weniger als beim Branchenprimus Lufthansa, der trotz Streiks immer noch Gewinne schreibt. Und die Konkurrenz schläft weiterhin nicht: Europas größter Billigflieger Ryanair baut gerade sein Streckennetz in Deutschland deutlich aus.

Dafür dass Air Berlin dennoch nicht untergeht, wird nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Johannes Braun schon Etihad sorgen. Die staatliche arabische Fluglinie hält Air Berlin schon seit 2012 mit Kapitalspritzen und Krediten im Geschäft, damit das deutsche Unternehmen Fluggäste zum Etihad-Drehkreuz Abu Dhabi bringt.