Ängste der Beschäftigten überschatten Tui-Hauptversammlung
06.02.2015 Der Tui-Konzern steht nach seinem Aufstieg zum Weltmarktführer vor dem ersten Treffen seiner Aktionäre. Mitarbeiterängste wegen eines befürchteten Stellenabbaus beim Ferienflieger TuiFly überschatten das Treffen. Hannover (dpa) – Der Beifall ist verklungen, der Alltag ist in die Tui-Zentrale in Hannover eingezogen. Am kommenden Dienstag stellt sich der Reisegigant nach der Komplettfusion mit seiner britischen […]
06.02.2015
Der Tui-Konzern steht nach seinem Aufstieg zum Weltmarktführer vor dem ersten Treffen seiner Aktionäre. Mitarbeiterängste wegen eines befürchteten Stellenabbaus beim Ferienflieger TuiFly überschatten das Treffen.
Hannover (dpa) – Der Beifall ist verklungen, der Alltag ist in die Tui-Zentrale in Hannover eingezogen. Am kommenden Dienstag stellt sich der Reisegigant nach der Komplettfusion mit seiner britischen Tochter erstmals seinen Aktionären. Die Hauptversammlung ist überschattet von Mitarbeitersorgen. Vor allem am Konzernsitz in Hannover reißen die Schlagzeilen über die Ängste der Belegschaft bei der Tochter TuiFly nicht ab. Bei dem Ferienflieger wird ein Abbau von mehreren hundert Stellen befürchtet.
Der Tui-Aufsichtsratschef und frühere Daimler-Manager Klaus Mangold kennt solche Probleme noch aus einer Zeit, als sein früherer Arbeitgeber mit dem US-Unternehmen Chrysler eine Fusion eintütete. Er weiß daher um die Sprengkraft interkultureller Missverständnisse. Es geht um Befindlichkeiten, die Verunsicherungen aller Art Tür und Tor öffnen können. «Wenn hier Briten mit selbstbewusstem Auftreten nach Hannover kommen, Werkbänke fotografieren oder Anweisungen geben – dann schafft das schon Verunsicherung», so ein Arbeitnehmervertreter. Dabei ist bei TuiFly noch gar nichts entschieden.
Mangold hat daher schon früh versucht, den Betriebsrat ins Boot zu holen und an den Integrationsplänen zu beteiligen. Auch der von den Aktionären gefeierte Tui-Chef Friedrich Joussen hat eine emsige Reisetätigkeit entwickelt, um Mitarbeitern im In- und Ausland die Fusion nahe zu bringen.
Der Konzernbetriebsratschef Frank Jakobi sieht das Projekt bisher auf Kurs. «Der Prozess steht ja erst am Anfang, aber bisher sind die Grundlagen hervorragend», sagt er und betont: «Da ist bisher eigentlich alles offen und fair gelaufen.» Joussen habe auch die Ängste der TuiFly-Mitarbeiter ernst genommen und das Thema nun zur Chefsache erklärt. Jakobi: «Es sind alles Signale, wo ich denke: Die haben es verstanden.» Auch bei den britischen Mitarbeitern gebe es Aufbruchstimmung, nachdem die Fusion im zweiten Anlauf geklappt hat.
Doch die Aktionäre erwarten Einsparungen. Über Kräftebündelung, Sparchancen und sinkende Steuerlasten will der im Londoner Leitindex FTSE gehandelte neue Konzern ein jährliches Gewinnplus von rund 100 Millionen Euro verdienen. Daher steht erst einmal die Neuordnung des Konzerns an. Sich überlappende Doppelstrukturen sollen abgebaut werden. «Wir wollen schnelle Entscheidungswege: Ich bin ein Freund von flachen Hierarchien», hatte Joussen vor der Fusion betont, aber auch, dass keine Entlassungswelle anstehe: «In Summe brauchen sich die Leute keine Sorgen machen: Das wird kein Kahlschlag werden.»
Zentralfunktionen sollen aber gestrafft werden. Etwa bei der IT-Abteilung, wo aus 30 Standorten zwei werden sollen. Die gesamten Kosten der Fusion hatte Joussen auf 45 Millionen Euro veranschlagt. Die Aktionäre schätzten seinen Kurs: Die Tui-Aktie ist von unter vier Euro Anfang 2012 auf 15,43 Euro gestiegen. Durch die Fusion ist der Reisekonzern aus Hannover zu einem Weltmarktführer aufgestiegen, der sechs Airlines mit 140 Maschinen, weltweit hunderte Hotels mit gut 200 000 Betten sowie ein Dutzend Kreuzfahrtschiffe kontrolliert.
Ralf E. Krüger, dpa