Neue Nervenprobe für Lufthansa-Passagiere
Frankfurt, 28. März 2014 Ab Mittwoch wollen die Lufthansa-Piloten drei Tage lang die Arbeit niederlegen. Die Auswirkungen werden weit größer sein als beim Verdi-Flughafenstreik gestern. Flugreisenden droht neues Ungemach. Die Lufthansa-Piloten wollen kommende Woche drei Tage in den Ausstand treten – es sei denn, es gibt eine Einigung in letzter Minute. Wie stehen die Chancen […]
Frankfurt, 28. März 2014
Ab Mittwoch wollen die Lufthansa-Piloten drei Tage lang die Arbeit niederlegen. Die Auswirkungen werden weit größer sein als beim Verdi-Flughafenstreik gestern.
Flugreisenden droht neues Ungemach. Die Lufthansa-Piloten wollen kommende Woche drei Tage in den Ausstand treten – es sei denn, es gibt eine Einigung in letzter Minute.
Wie stehen die Chancen auf eine kurzfristige Einigung?
Nicht gut. Schließlich verhandeln die Tarifpartner bereits seit zwei Jahren ohne Annäherung zu den Gehaltsfragen. Dass mit der zum Jahresende 2013 gekündigten Übergangsversorgung ein zweites komplexes und für die Piloten sehr emotionales Tarifthema dazugekommen ist, macht die Sache nicht einfacher. An der Entschlossenheit der Piloten zum Streik besteht kein Zweifel, wie die hohe Zustimmung von 99,1 Prozent in der Urabstimmung der Vereinigung Cockpit (VC) belegt. Das neue Angebot der Lufthansa vom Donnerstag hat unmittelbar die Ankündigung eines dreitägigen Streiks zur Folge gehabt.
Welche Folgen kann der Streik im Vergleich zum Verdi-Ausstand haben?
Weit größere. Mit drei Tagen ist der angekündigte Pilotenstreik schon mal deutlich länger als der rund zehnstündige Verdi-Warnstreik vom Donnerstag. Außerdem ist die Streikmacht der gut organisierten Piloten weit höher. Sie können annähernd den gesamten Flugplan der Lufthansa zum Erliegen bringen. Wichtige Überseeverbindungen werden sie kaum verschonen und zudem jeweils individuell erst in den Streik treten, wenn sie mit ihrer Maschine wieder in Deutschland gelandet sind. Damit besteht für Lufthansa die Gefahr, dass ihre Drehkreuze volllaufen und ein Neustart des Systems weit schwieriger wird als gestern.
Wie viele Passagiere und Flüge wären betroffen?
Ein Ausstand der Piloten trifft die Lufthansa, die Europa-Tochter Germanwings sowie die Lufthansa Cargo. Im Februar beförderten die beiden Passage-Fluggesellschaften zusammen 4,9 Millionen Passagiere. Rein rechnerisch sind das im Schnitt 175 000 Fluggäste täglich. Die Lufthansa will den Schaden so gering wie möglich halten und arbeitet an Notfallplänen. Details will die Kranichlinie am kommenden Montag mitteilen.
Wie teuer kommen Lufthansa die Streiks zu stehen?
Commerzbank-Analyst Frank Skodzik hat geschätzt, dass regionale Warnstreiks den Konzern täglich einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag kosten. Ein voller Streik auf den Lufthansa-Hauptrouten würde nach seinen Berechnungen jeden Tag mit 30 bis 40 Millionen Euro zu Buche schlagen. Ein Ausstand in den Osterferien richtet aus seiner Sicht den größten Schaden an. In Niedersachsen und Bremen beginnen die Ferien am Donnerstag (3.4.) und damit am zweiten Tag des geplanten Streiks. Börsenprofis hatten mögliche Verluste offenbar bereits eingepreist: Der Aktienkurs reagierte zunächst nicht mit Abschlägen auf die Streikandrohung. Die Lufthansa-Aktie legte heute Nachmittag sogar um 1,8 Prozent zu.
Wie oft haben Lufthansa-Piloten schon gestreikt?
Bislang hat die VC eher selten gestreikt. Beim ersten Konflikt im Mai 2001 kam es zu einem mehrtägigen Arbeitskampf, an dessen Ende der erste Tarifvertrag für die Pilotenvertretung stand. Seitdem haben die Piloten bei der Lufthansa-Mutter genau einen weiteren Tag gestreikt, am 22. Februar 2010. Der damals auf vier Tage ausgerufene Ausstand wurde schon nach einem Tag abgebrochen, als sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Frankfurt auf neue Verhandlungen einigten. Damals waren an einem Streiktag rund 1000 Flüge ausgefallen. Auch bei anderen Fluggesellschaften hat die VC bereits Streiks organisiert, die meist einen Tag dauerten.
Wie lange könnte der Streik maximal dauern?
Die Piloten haben zunächst einen dreitägigen Ausstand angekündigt, der am Mittwoch (2.4.) um 00.00 Uhr beginnt und am Freitag (4.4.) um 23.59 Uhr enden soll. Weitere Aktionen bis zum Ende der Osterferien schließt Cockpit derzeit aus – letzter Ferientag ist in einigen Bundesländern der 2. Mai. Allerdings betont VC: „Das beeinträchtigt jedoch nicht die Entschlossenheit unserer Mitglieder, die Lufthansa dazu zu bewegen, ein verhandlungsfähiges Angebot zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages Übergangsversorgung zu unterbreiten“. Weitere Ausstände nach den Ferien sind also möglich, falls es bis dahin nicht zu einer Einigung gekommen ist.