Nervenkrieg bei Lufthansa verunsichert Passagiere
Frankfurt am Main Die Streiks der Flugbegleiter bei der Lufthansa sind angekündigt. Unklar blieb zunächst der genaue Zeitpunkt. Passagiere und Fluggesellschaft werden mit der Unsicherheit umgehen müssen. Bei Europas größter Fluggesellschaft Lufthansa ist ein Nervenkrieg um Streiks der Flugbegleiter ausgebrochen. Die Gewerkschaft UFO hält ihre Pläne unter Verschluss, und verunsichert so auch die Passagiere. Dazu […]
Frankfurt am Main
Die Streiks der Flugbegleiter bei der Lufthansa sind angekündigt. Unklar blieb zunächst der genaue Zeitpunkt. Passagiere und Fluggesellschaft werden mit der Unsicherheit umgehen müssen.
Bei Europas größter Fluggesellschaft Lufthansa ist ein Nervenkrieg um Streiks der Flugbegleiter ausgebrochen. Die Gewerkschaft UFO hält ihre Pläne unter Verschluss, und verunsichert so auch die Passagiere. Dazu Fragen und Antworten.
Warum sagt die Gewerkschaft nicht klipp und klar, wann und wo gestreikt wird?
Es gehört zur erklärten Taktik von UFO, die Lufthansa über die einzelnen Schritte möglichst lange im Unklaren zu lassen. Allein die Drohung mit punktuellen Streiks schmerzt die Airline bereits, weil vorsichtige Kunden auf Flüge der Konkurrenz umbuchen oder ganz stornieren. Mit kurzer Vorlaufzeit ist es zudem schwierig, Ersatzpersonal vor Ort zu holen. Mit der Nadelstichtaktik ist eine langsame Eskalation des Arbeitskampfes und der Wiedereinstieg in Verhandlungen möglich. Ein flächendeckender Streik, um eine Einigung zu erzwingen, wird laut UFO-Chef Nicoley Baublies vorbereitet.
Gibt es gar keine Vorwarnzeit?
Wahrscheinlich doch. UFO-Chef Baublies hat eine rechtzeitige Information der Passagiere versprochen. «Wenn zum Beispiel ganz früh morgens gestreikt wird, wird das am Vorabend bekanntgegeben», sagte er heute der Nachrichtenagentur dpa. UFO hat es bislang aber vermieden, sich auf eine bestimmte Frist festzulegen.
Von wem erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?
Grundsätzlich wissen das die Fluggesellschaften beziehungsweise bei Pauschalreisen die Veranstalter. Die Unternehmen werden Hotlines ebenso einrichten wie Informationsseiten im Internet. Auch Benachrichtigungen durch SMS oder E-Mails sind geplant.
Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?
Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehält. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen.
Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?
An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das UFO-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.
Worum geht es eigentlich?
Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von 5 Prozent sowie bessere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es auch um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil UFO dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter auf Berlinflügen eingesetzt.
Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?
Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.
Christian Ebner, dpa