Wie die lasterhafte Insel Phuket luxuriös wurde

Phuket, 27. Dezember 2018

Foto: Pixabay

Phuket hat mehr zu bieten als die laute Amüsiermeile von Patong und günstige Strandhotels. An den Küsten der thailändischen Ferieninsel verstecken sich auch stille Luxusoasen.

Wenn die Sonne in der Andamanensee versinkt, erwacht in Patong das schrille Leben. Laute Musik, billiges Bier und viel nackte Haut. Ladyboys, Go-Go-Girls und angetrunkene Touristen auf der Suche nach billigem Sex. Phukets Partymetropole erfüllt sämtliche Klischees von Thailand als Reiseziel für Männer mit eindeutigen Absichten. Wenige Kilometer weiter südlich präsentiert sich die Insel ganz anders: elegant, stilvoll und edel.

An Phukets Südspitze entstand 1986 mit dem "Royal Phuket Yacht Club" das erste Luxushotel der Insel. Deren Image formte sich während des Vietnamkriegs. Ende der 1960er Jahre waren Tausende US-Soldaten auf Phuket stationiert. Unzählige verbrachten dort ihren Fronturlaub. Zurück aus dem Krieg oder auf dem Weg dorthin, wollten sich die GIs amüsieren. So blühte die Prostitution.

Nach den Soldaten kamen die Hippies und Rucksacktouristen. Erst mit dem "Royal Phuket Yacht Club" am Nai Harn Beach wurde die Insel auch für anspruchsvolle Reisende zu einem Ziel. James-Bond-Darsteller Roger Moore stieg ebenso hier ab wie Peter Ustinov und einige Royals. König Bhumibol höchstpersönlich adelte Phukets neues Luxusreiseziel durch die Phuket King's Cup Regatta. 1987 ließ der leidenschaftliche Segler die königliche Regatta erstmals vor dem Nobelhotel austragen.

Seit 1986 wechselte das terrassenförmig an die Küste gebaute Luxushotel mehrfach Besitzer und Betreiber, bis es 2015 unter dem Namen "The Nai Harn" neu eröffnet wurde. Geführt wird es von einem Deutschen. "Dieses Haus hat den Tourismus auf Phuket mitgeprägt", sagt Hoteldirektor Frank Grassmann. Inzwischen ist es nur noch eines von vielen Nobelhotels auf Phuket, von "Anantara" über "Banyan Tree" und "Six Senses" bis "Trisara". Suiten und Villen werden immer größer, Spas prunkvoller und Restaurants feiner.

Der Regierung liegt viel daran, Thailand auf dem globalen Reisemarkt edler zu präsentieren. Dass Grassmann einen weltbekannten Weinkritiker wie James Suckling an den Nai Harn Beach geholt hat, um dort bei einer Verkostung den "besten Rosé der Welt" zu küren, passt dem Tourismusminister bestens ins Konzept.

Das gilt auch für die Erfolgsgeschichte des "Amanpuri" an der Westküste der Insel. Zwei Jahre nach dem "Royal Phuket Yacht Club" eröffnete die heute weltweit vertretene Hotelkette Aman ihr Mutterhaus ausgerechnet auf Phuket. Das "Amanpuri" landet in internationalen Ranglisten seit Jahren unter den besten Resorts der Welt. Das weitläufige Luxusresort mit seinen gigantischen Villen verlangt für Unterkunft und seine Gourmet-Restaurants gesalzene Preise, doch die internationale Gästeschar ist bereit zu zahlen. Phuket ist weiterhin ein Ziel des Massentourismus, hat sich dank der Top-Hotels aber auch im Luxusmarkt etabliert.

Dass viele Gäste die Nobelherbergen nur selten verlassen, findet Thailand-Kenner Grassmann schade. Er versucht, sein Haus durch ein unprätentiöses Strandrestaurant für die Einheimischen zu öffnen und schickt seine Gäste an den für jeden zugänglichen Nai Harn Beach. Der ist bei Urlaubern beliebt, aber auch bei Einheimischen, die mit ihren Motorrollern in Scharen an den sanft abfallenden Sandstrand pilgern.

"Wir sind stolz auf unsere Restaurants, aber wer die Thai-Küche und die Kultur der Einheimischen richtig kennenlernen will, muss auf ihre Märkte gehen und in die Garküchen", sagt Grassmann.

Der Hotelier empfiehlt ein simples Bambushütten-Restaurant mitten im Mangrovenwald oder eine Tour mit dem Tuk Tuk ins Fischerdorf Rawai. Dort biegen sich die Tische der Marktstände unter Muscheln, Krabben, Lobstern und Fischen. Was man dort für ein paar Baht kauft, trägt man auf die andere Straßenseite in eines der Restaurants. Dort wird der frische Fang gewogen und nach Wunsch zubereitet. Man zahlt nach Art und Gewicht der mitgebrachten Ware. Zusammen mit ein paar Beilagen und Getränken kostet ein Essen nur wenige Euro.

Noch billiger ist der Wochenmarkt von Phuket, in dessen Altstadt sich die portugiesischen Kolonialherren mit prachtvollen Gebäuden verewigt haben. Die Straßen dorthin sind mit Massage- und Nagelstudios sowie unzähligen Garküchen gepflastert. Dazwischen sticht immer wieder einmal eines der typischen Auswanderer-Lokale mit Berliner Currywurst und "Sülze mit Bratkartoffeln für 70 Baht" heraus.

Auf dem Nachtmarkt werden für westliche Gaumen weniger appetitliche Köstlichkeiten angeboten - nicht nur Fleischspieße und Garnelen, auch allerlei Krabbeltiere. Vorher sollte man einen Abstecher zum großen Wat Chalong machen, dem größten Tempel Phukets. Der 45 Meter große, mit weißem Jade-Marmor überzogene "Big Buddha" ist das Wahrzeichen der Insel. Prachtvoll thront er weithin sichtbar auf dem Nakkerd Hill. Das Innere der Statue, in dem die Mönche im Schneidersitz auf dem Boden hocken, sieht dagegen eher wie ein Rohbau aus - Eisenstangen und Baubretter, dazwischen Skulpturen und Bilder.

Versunken in Mantras lassen sich die Mönche in ihren safranfarbenen Gewändern nicht von den Touristen stören. Stoisch rezitieren sie ihre Gebete, während Tausende an ihnen vorbeiziehen. Und geduldig segnen sie die Gläubigen, denen sie für eine kleine Spende angeblich glückbringende Armbändchen um das Handgelenk binden.

Draußen haben Besucher herzförmige Blätter mit Botschaften aufgehängt. Von den Terrassen reicht der Rundumblick von Phuket-Stadt und die Chalong-Bucht im Osten bis zur Bucht von Kata und Patong im Westen. Beim Großen Buddha kommen alle zusammen - vom Patong-Urlauber in Shorts, Muskelshirt und Flipflops mit sehr junger Frau bis zum Luxusgast, der mit einer Limousine vorbeifährt.

Info-Kasten: Phuket

Anreise und Formalitäten: Diverse Fluggesellschaften fliegen von Deutschland direkt oder via Bangkok nach Phuket. Für die Einreise reicht EU-Bürgern ein gültiger Reisepass.

Geld: 1 Euro sind etwa 37 Thailändische Baht (10. Dezember 2018).

Informationen: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstr. 58, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/13 81 390, www.thailandtourismus.de).

Bernhard Krieger, dpa

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